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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-10 · Heft 41 (10.10.1865) · p. Seite 635

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 41 (10.10.1865)
Date
1865-10-10
Page
Seite 635 (sequence 7)
Language
German
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635 Gemeinde-Synagoge existiren, können bei den jährlich aus den Provinzen neuzuströmenden Familien, die in den Gemeindeverband ausgenommen werden, nicht ausreichen, um Alle zu fassen, die an den hohen Festen ihr Herz vor Gott ausschütten wollen. Der wohlgemeinte 'Rath, den der Herr H.... r in No. 36 d. Bl., S'. 552,' giebt, daß die Gemeindevorstände die Sache in die Hand nehmen müßten, ist wenigstens hier in Berlin unausführbar, so daß in dieser Beziehung den-hiesigen Vorstand kern Vorwurf treffen kann. Derselbe stellt, außer der geräumigen Interimssynagoge, alljährlich den großen Saal in Arnims Hotel unter den Linden den Betenden zur Verfügung. Wenn jedoch alle Bethäuser Und Betsäle der Gemeinde gleichwohl dem Andrange nicht genügen, so können dicht noch kleine Lokale zu diesem Behufe gebraucht werden; das Einkommen für die Stände könnte nimmermehr die Kosten der Miethe, der Vorbeter, des Vorlesers aus der Thorah, des Predigers u. s. w. auch nur annähernd ergeben. Es müssen also nothwendig große Lokale genommen werden; solche vermiethbare große Lokalekönnen aber eben nur die Concertsäle sein. Wer will es nun dem Vorstande verargen, wenn er es unter seiner Würde hält, auf seinen Namen jene Säle zu miethen? Er überläßt es daher nölens voI?ns den Speculanten, die damit ein einträgliches Geschäft betreiben. Hoffentlich wird dieses Jahr hier das letzte sein, da solcher Unfug mit dem Heiligsten getrieben wird. Die bisherige große Hanptsynagoge, der neue weiträumige Tempel, die beiden Stockwerke des Beth-hammidrasch und die Privatbethäuser werden dann doch fürs Erste den Betern Platz genug gewähren, um an eigens dazu bestimmten Orten in gehöriger Weisenden Gottesdienst abzuhalten. — Zum Schluffe möchten wir noch auf den auch in diesem Blatte öfter 'erwähnten Verein aufmerksam machen , deres; sich zur besonderen Aufgabe gestellt hat, hebräische bislang unedirte Manuscripte und selten gewordene Druckwerke für den wohlfeilsten Preis herauszugeben (enm-p. rmn). Der Verein strebt keinerlei Sonderinteressen an, Und wird daher um so Vortrefflicheres liefern - je reger die Theilnahme von Seiten des Publikums sein wird. Wenn die klassischen Sprachen besondersdurch die Herausgabe der Codices einen hohen Aufschwung gewonnen haben,-so steht zu erwarten , daß auch für die hebräische'Spräche, die schon jetzt in erfreulicher Weise wieder in : Blüthe gekommen ist, durch die Edition guter Werke, wenn diese auch nicht aus der goldenen Zeit der Sprache stammen können , eine Glanzperiode angebahnt werden wird: ' — ch. ' Oesterreichifcher Kaiserstaat. Wien, 28. Sept. Die Sulzer-Affaire, welche in den letzten Tagen die jüdische Einwohnerschaft Wiens so lebhaft beschäftigt, ist bereits beigelegü Die Petition, welche zu Ende der vorigen Woche in Circulation gebracht wurde und durch welche die Vertreter der hiesigen Cultusgemeinde gebeten werden sollten, die über Professor Sulzer verhängte dreimonatliche Fernhaltung vom Gottesdienste aufzuheben, hat zahlreiche Unterzeichner gefunden. Sie wurde vorgestern den Vertretern überreicht. Diesen schien die Gelegenheit, Milde für Recht zu üben, willkommen, denn bereits gestern wurde dem Professor Sulzer notificirt, daß die wider ihn ausgesprochene Suspension vom Amte außer Kraft gesetzt worden. Pofessor Sulzer wird demgemäß schon morgen seine Funktion wieder äntreten. (Ein Freund schreibt unsDie ganze Affaire ist eine Folge der bei den jetzigen Juden grassirenden Apotheosirungssucht, durch die jedes irgend wie hervortretende Individuum zu einem Genius ersten Ranges gestempelt wird. — Warum sollte also nicht auch Sulzer seine Apotheose beanspruchen, da er allerdings einigen Anspruch darauf hätte? Freilich sind unsere Glaubensgenossen darum nicht weniger geneigt/ auch die verdienstvollsten Männer in den Staub zu ziehen, wenn sie glauben, irgend Etwas gegen dieselben zu haben. Die Sucht zu glorifiziren und die Sucht zu verlästern, gehen immer neben einander; beide tragen dazu bei, das wahre Verdienst und in dem ihm zukommenden Maaße zu verkennen, alles richtige Urtheil zu verwirren, und der Unbescheidenheit. und Selbstüberschätzung Thür und Thor zu öffnen« — Wie Recht hat dieser feine Beobachter!) Wien, Ende September. (Privakmitth.) Die zeitweilige Suspension Sulzer's ist auf eine heftige Diskussion, zu welcher der greise Vorbeter im Tempel selbst sich hat Hinreißen lassen, geschehen- und hat-allgemeines Bedauern erregt. ' In den öffentlichen Blättern wurden als Urheber' der vielen in Rußland ' Und Gä-

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