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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-10 · Heft 41 (10.10.1865) · p. Seite 634

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 41 (10.10.1865)
Date
1865-10-10
Page
Seite 634 (sequence 6)
Language
German
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Grund.ist der, daß man dem, Christenthume im Allgemeinen einen weit größeren Einfluß auf die Entwickelung -der jetzigen Zeitrichtung zuschreibt, als in der Wirklichkeit solches stattgefunden hat. Ich habe hier'besonders die letzten Jahrhunderte im Auge. Es wird nicht schwer.!nachzuweisen sein,! daß geradedie.humanistischen Ideen nicht . Ausfluß der. christlichen Religion waren. Die . moderne Anschauungsweise der menschlichen Gesellschaft, -wodurch der Geist der Ausschließung auf nationalem wie auf religiösem Gebiete, in den Hintergrund gedrängt wurde, datirt von der Renaissance der Wissenschaft und sind, eher, ein Product des. i wiedererwachten- .Studiums-, der alten Classiker , so wie die. in der,, neuesten Zeit hinzugekommenen engeren Verbindungen und der regere Verkehr der Völker unter einander nicht.-wenig. dazu beigetragen, die. früher, bestandenen Schranken niederzureißen. *) Die Wiedergeburt^ des klassischen Alterthums, sagt H. Taille, ist die-. Auferstehung der heidnischen Jv.ee, des Cultus der Schönheit! und der- Kraft; . nachder schrecklichen Nacht des Mittelalters Mit seinen düstern Legenden von Gespenstern und Verdammten strahlt der Olymp wieder, in hellem Lichte. Von Italien hatte sich mit den Schriften--der Alten ihr Geist über Europa verbreitet. . Das: christliche Ideal wird, von dem -heidnischen verdrängt und dieses ist : der gesunde,! kräftige Mensch, der mit allen Mitteln versehen ist, seine Wünsche zu befriedigen und das Glück hier auf Erden zu finden. Diese Idee spiegelt sich in den- Künsten wie in der Poesie ab. : Rousseau in seinem Emil, die französischen Encyclopädisten, sowie die Männer der französischen * , *)s^.©er gef <$0^6 iSprrtffc./. j&ergijji: hier den Einfluß ^ber neueren Philosophie, der besonders im vor. Jahrhundert ein außerordentlich tiefer Und umgestaltender^ war. Cartesius, Spinoza, Leibnitz, Wolfs, Kant, Schelling, Fichte, Hegel u. s. w: haben, durch die Freiheit der. Gebankenbewegung, sowie durch die Universalität ihrer.. .Ideen. unsrer Zeit ihren wesentlichen Charakter ausgeprägt. Ganz besonders hoch aber ist hierbei, die Einwirkung der; von den Philosophen von Fach so oft über 'die- Achselnangesehenen Populärphilosophie des vor. Jahrhunderts von Pope, Lessing, Mendelssohn, Herder, Voltaire, Rousseau u. s. w., da sie die Beschäftigung mit philosophischem Denkenüber die ganze dermälige gebildete Welt aus dehnte , im Gegen satz zur - strengen Schulphilosophie, die - nur einen so kleinen Kreis beherrscht-, von welchem .aus -sie freilich auf allemenschliche Gebiete influirt. Die Redakt. volution standennicht - mehr auf dem Boden des Christenthums. -i .i.vM-i In gleichem Sinn wie - Taine drückt stch auch Vilmar in seiner- Literaturgeschichte über.Lessing aus: „Noch, weit mehr als das deutscheElement trat - i n und durch Lessing das Christliche in - den Hintergrund, ja in den Schatten." Diese Ideen gehen aus einer unparteiischen Prüfung der Verhältnisse.hervor. Es ließen sich noch viele ähnliche Urtheile über die betreffende Epoche hervorheben , doch genügen -diese unparteiischen Beobachter der Entwickelung der menschlichen Gesellschaft. Es wäre Thorheit, den allerdings bedeutenden Einfluß des Christenthums auf den Gang der Weltgeschichte ' leugnen zu wollen; aber' überschätzt wird derselbe sicherlich , wenn man von gewisser Seite behauptet,.'.die heutige humanistische Zeitrichtung sei eine Folge des -Einflusses der christlichen Religion; sie ist, wie ich zu zeigen versucht habe, der Hauptsache nach, 'ein Produkt des wiedererwachten Studiums der alten Klassiker.*) ' , . Maier. , Preußen. Berlin, Septbr. (Privatmitth.) Mit Betrübniß hat auch uns die unpassende Wahl der Lokale behufs des Gottesdienstes an dentw > die dieses geschätzte Blatt auch in seinen früheren Jahrgängen rügt, immer erfüllt. **) Dem war aber nicht'' anders abzuhelfen, als. durch den Bau '.großer Synagogen. Die vielen kleineren Privat-Synagogen, die hier außer der *) Das Obige giebt nur kurze Fingerzeige, die einer gründlichen Erörterung, -und umfassenden Nachweisüng bedürfen. An und für sich' liegt der äußere Erweis schon darin, daß alle diejenigen,- welche den Ideen des modernen Staats-,- sozialen und wissenschaftlichen Lebens huldigen, von ^kirchlicher Seite alsRationalisten, ^Deisten und Atheisten verdammt, und diese Ideen selbst als ketzerisch verurtheilt werden, so daß also der- Gegensatz zwischen diesen-Ideen und der Kirche von ihr'-selbst beharrlich ausgestellt wird.'-. ' Die'Redakt: - - **-) Die Wälh alla wird zwar n icht, - wie d er ' Breslauer Correspondent behauptet, für -den -Gottesdienst benutzt; allein die Billa Colonna ist wohl nicht viel besser, wo beim Ausgange des Versöhnungstages, wie man uns versichert- -noch vor dem Abendgebete alle- Utensilien des Gottesdienstes hinausgeschafft werdenum-noch an diesem Abende in denselben Räumen -den gewöhnlichen Ball arrangiren zu können.

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