Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1865)
- Date
- 1865-10-10
- Page
- Seite 633 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m stalt, für den Meraturverein, für die Unterstützung der Pensionskassen für Lehrer und jderen Hinterlassene, für Waisenhäustr rc. gesteuert wird, wird der Gradmesser der wahren Humanität in den Gemeinden sein. Möge idiese wachsen 'und erblühen im Stillen, ohne Prahlerei, um Gottes willen.*) Tauberbischofsheim, im September. (Privatmitth.) Es giebt gewisse Sätze, die so oft wiederholt und-gedankenlos .nachgesprochen werden', daß selbst solche Männer, die sonst, zu prüfen gewohnt sind, nach und *) Der geschätzte Correspondent fordert unsere Meinung über'die berührten Gegenstände', und diese geht dahin, daß es am wünfchenswerthessen sei, wenn Rab-^ Linen wie Lehrer auskömmlichen Gehalt empfangen und die Emolumente für religiöse Handlungen gänzlich Wegfällen. Unsere Zeit liebt dergleichen nicht. In früherer Zeit vertraten Geschenke die Stelle derselben, und dies bewirkte ein sehr drückendes Verhaltniß zwischen den Cultusbeamten und den Gemeindemitgliedern. Die geregelten Emolumente heben dies auf, aber haben dafür den Charakter der Lasten, was in religiösen Dingen nicht minder zu scheuen ist. Wo nun aber Emolumente vorhanden sind, ist es gerecht, daß sie nach einer gewissen Proportion unter die Cultusbeamten, also Rabbinen und Vorbeter, getheilt werden. Emolumente für Leichenbegängnisse sind gänzlich unjüdisch. Es ist richtig, daß in der jüdi-. schenGemeinde das Prinzip der Gleichheit niemals blos auf dem Papiere stand, und daß man sich hüten müsse, es zu verwischen. Allein. der .Correfp. vergißt, daß die frühere, Versteigerung der Mizwoth^ dem auch nicht entsprach, häßliche Leidenschaften heraufries/ den Reichen einen Vorzug, den Aermeren Beschämung oder übermäßige Opfer auferlegte. Ist dies beseitigt, so führe man es in einer anderen Gestalt nicht, wieder zurück. Wir erkennen an, daß Eitelkeit und! Ehrgeiz als Motive der. Barmherzigkeit und Gemeinnützigkeit einmal nicht zu entbehren sind; nur aber dürfen sie nichts in der Synagoge in Anspruch genommen werden, und ein Hebel, der. auf Prahlerei angelegt, darf beim Gottesdienst nicht angesetzt werden. — Endlich übersieht der geschätzte Correspondent denn doch, daß fo eifrige Beförderer wir bei unseren Unternehmungen in. einer Anzahl. tüchtiger und wohlgesinnter. Lehrer gefunden haben, doch auch z. B. zu den Agenten/des Instituts an 50 Rabbinen gehören, eine Zahl, welche die Proportion zu den Lehrern genügend/ aufrecht erhält , so rdaß . nur-daraus erfließt, wie viel mehr aus, beid en Kategorien diesen Verein unterstützen. und : weitertragen könnten. Im Uebrigen ist nichts nachdrücklicher zu wünschen, als das einträchtige Verhaltniß und Zusammenwirken der Rabbinen und Lehrer. Die Redactiom nach dieselben ohne vorherige Prüfung adoptiren und an deren Wahrheit nicht mehr zu zweifeln scheinen. Dieser Gedanke drängte sich mir wieder auf, als ich neulich ein kleines Merkchen von E. Quin et durchlas. Es handelt von dem Unterricht des Volkes und stellt den von klerikaler Partei so sehr bekämpften, bei uns in Baden so heftige Aufregungen verursachenden Grundsatz auf: Der Volksunterricht sei vom Staat in die Hand zu nehmen, denn alle Religionen seien'ausschließend und könnten die Gleichberechtigung aller Bürger, wie solche der moderne Gesetzstaat gebieterisch erheischt, von ihrem Standpunkte ans nicht lehren. Wie es scheint, hat Quinet seit der Veröffentlichung jenes Merkchens (1850) seine Ansichten über diesen Punkt nicht geändert, denn in einem Briefe an den. eben versammelten Congreß in Bern hat derselbe jene Idee aufrecht erhalten. Der Katholicismus, behauptet er, verdamme jede andere Religion und erkläre sich als die alleinseligmachende Kirche. Der Protestantismus fei ja ein entschiedener Protest gegen jenen und betrachte viele Dogmen desselben als Jrrthümer. Das Judenthum endlich sei Negation des Christenthums *); folglich auch Negation der modernen Civilisation. Diese falsche Folgerung ist's, auf die ich hauptsächlich aufmerksam machen wollte. Wir finden diese vorurtheilsvolle Beurtheilung allzuoft, selbst auch da, wo wir sie am wenigsten erwartet hätten, als daß wir uns nicht nach den Gründen dieser Erscheinung umschauen sollten. Es sind dies hauptsächlich zwei, erstens, eine Unkenntniß über die in der . jüdischen Religion enthaltenen socialen Grundgedanken-- und zweitens,. eine Ueberschätzung des Einflusses der christlichen Religion auf die jetzige herrschende Zeitrichtung. Ueber den Mangel einer eingehenden unparteiischen Prüfung des Mosaismus ist schon oft in diesen Blättern geschrieben worden und zur Verbreitung richtiger Begriffe von dem Mosaismus schon so.' vieles geschehen, daß hierüber von so ungeübter Hand nichts hinzuzufügen fein dürste. Man kann sich eben christlicherseits nur schwer zu dem Geständniß entschließen, daß das Judenthum die /Elemente der modernen.Anschauung enthält,.- Der.zweite .*) Schon dies ist falsch, und geschichtlich schon unmöglich, da das Judenthum anderthalb Jahrtausende älter ist,; als Vas Christenthum, also nicht blos: eine Negation dessen)-was noch gar nicht vorhanden -war.?- 1 Die Redaktion; i