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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-10 · Heft 41 (10.10.1865) · p. Seite 632

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 41 (10.10.1865)
Date
1865-10-10
Page
Seite 632 (sequence 4)
Language
German
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632 tendmachen des eigenen - Daseins unsere sittliche Bestimmung sei; als bewußte Fortsetzung des Weges, auf dem die Natur unbewußt wandelt, läßt die eine Handlungsweise so gut sich als die andere deuten. Das, was ist, klärt uns nicht auf über das, was wir sollen, wenn wir nicht vorher wissen, was das soll, was ist. Darüber aber, wie der Mensch diese zweideutige Erscheinungswelt nehmen und verstehen, ob er sie sich zum Segen oder Unsegen auslegen und verwerthen wird, darüber entscheidet das' Auge^ das er für sie mitbringt; der Grad der Humanität, welchen die sittlichen Wechselwirkungen in^deU Gesellschaft ihm zu entwickeln »erstattet haben, und auf dessen Entwickelung, nicht als Lehrerin, sondern) als begünstigende oder hemmende Summe realer Bedingungen allerdings die Natur selbst einen nicht geringfügigen Einfluß ausübt." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Würtemberg, im September. (Privatmitth.) Die Novelle vom Schulgesetz hat den israelitischen Lehrern nicht die Aufbesserung gebracht) die sie erhofft haben. Während bei den christlichen Lehrern besondere Dienstleistungen auch besonders honörirt werden müssen, hat der israel. Lehrer den Vorsängerdienst neben dem Schuldienste ohne besondere' Vergütung zu versehen, dazu kommt noch, daß der Rabbiner am Rabbinatsfitze alle Emolumente bezieht, und der Lehrer-Borsänger das Nachsehen hat. Die' Emolumente, : die die Königl. Oberkirchenbehörde den Rabbinen geschöpft hat, sind meistens aus den Rechtsamen der Lehrer genommen worden. Von dem Kar-mirwa hat der Lehrer Remuneration bezogen; sie ist in die Confirmation metamorphosirt worden und die Gebühr fällt am Rabbinatssitze ganz dem Rabbinen zu. Bei Beschneidungen und bei Aussegnungen der Wöchnerinnen hat der Lehrer eine hebräische Benediktion Mi-scheberach gesprochen, jetzt spricht sie der Rabbiner deutsch und bezieht dafür die Gebühr. Leichenbegleitungen waren sonst ein 6emiluth-chesed, jetzt werden sie dem Rabbinen bezahlt. Bei Verlobungen versahen - sonst die Vorsänger als GMeindeschreiber den Notardienst und schrieben die Verlobungspakten, nun thun das die Rabbinen.; - ■ Die K. israelitische Dberkirchenbehörde soll ihre! Rabbin en besser aus der Centralkirchenkasse hesolden;; daß sie nichts mehr ihren Lehrern und Vorsängern um j des Erwerbs willen Concurrenz machen müssen.) Der geehrte" Herr Redacteür ist selbst emeritirter Rabbiner, aber nicht weil,• sondern obgleich er. Rabbiner ist, wird er nicht wünschen, daß solche Collisionen zwischen Rabbinen und Lehrern in leidigen Geldangelegenheiten; Vorkommen und auch seine Stimme gegen, derartige Mißbräuche erheben. Es liegt gar nicht, in der Würde des geistlichen - Amtes von jeder religiösen Verrichtung Stolgebühren zu erheben. Ein gleicher Mißbrauch ist es, daß bei den Aussegnungen der Wöchnerinnen die Rabbinen von der Kanzel Herabrufen, wie viel der £. oder Z. Geld in eine wohlthäigeAnstalt gestiftet hat. Dadurch wird manchem Unbemittelten moralischer Zwang angethan, über seine Verhältnisse zu spenden. Ebenso ist es bei der Todtenfeier am Verföhnungsfeste, da wird der Erach-Zettel der Verstorbenen verlesen^ wie viel sie gestiftet haben, und5dem Stolze, wird Nahrung gegeben. Im Judenthume war stets ein gewisses (demokratisches Element -in der Gemeinde; dieses wird durch derartige. Mißbräuche verwischt. Wer nur stiftet, daß es mit der großen Glocke verkündet wird, der behalte seine Gabe. „Die Gabe im Geheimen stillt den Zorn." . . ... - Warum wird so wenig für Bildungszwecke gestiftet? Wer ist es, der für die gemeinnützigen Anstalten, wie der Literatur-Verein, die Bibelanstalt rc. wirkt? Der Lehrer oder der Rabbiner? —. Bei den Rabbinen ist esdie Linnas-sofrim, die sie nicht:über ihren eigenen Schatten hinausschauenläßt, sie verhalten sich meistens kritisch zu allem , was .nicht von ihnen selbst-ausgeht. In ^dieser Richtung, hat die Neuorthodoxie eine weitaus .bessere Disciplin , als die von der'„richtigen Mitte" sie haben;' sie erkennen eine Autorität an und folgen ihren Matadoren. (Sie ahmen auch die von Anderen gegründeten Institute nach und bringen ihnen Opfer: Wir haben einen allgemeinen deutschen UnterstütznngSverein für israel. Lehrer; wir.-haben in Württemberg einen besonderen für Württemberger; aber die Rabbinen haben wenig für beide gewirkt. — Kommt etwas hinaus in die Welt durch öffentliche Rechenschäfts- und Zeitungsberichte, da wird. gesteuert, weil die Posaune es hinausschreit; aber die stillen Liebeszwecke der.rettenden Menschenliebe, die stille Daukesthränen entlocken, werden immer seltener. Was für die Bibelan-

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