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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-10 · Heft 41 (10.10.1865) · p. Seite 631

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 41 (10.10.1865)
Date
1865-10-10
Page
Seite 631 (sequence 3)
Language
German
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daner. In diesem Falle i hätte! dann Herr W. gar nichts gesagt. - Oder aber ermeinte, daß jeder gutgeartete Mensch Christ sei, und da; Niemand leugnen. wird, auch Herr W. nicht, daß es auch in anderen Religionen gutgeartete Menschen giebtso chatte er dem.Christenthum allen specifischen Inhalt abgesprochen und behauptet, daß das letztere eben nur die Sittlichkeit enthält, die in jeder andern Religion auch vorhanden. Oder aber er hätte wirkliche aussagen wollen, daß nur der Christ ein gutgearteter, Mensch sein könne, und dann hätte er sich, einer Unwahrheit und. Unvernunft schuldig gemacht.; Es war also 'ein -recht - unvorsichtiges Bekenntniß, das Herr W. hier abgelegt.. Man findet noch immer Menschen, die mit großer Emphase' und sichtlich er Selbstzufriedenheit behaupten, daß sie ihre Religion aus; der Anschauung .der Natur ziehen,-und daß sie nur. dieser ihre religiöse Ueberzeugung verdanken. Sie glauben damit der heiligen Schrift und den positiven Religion einen rechten: Streich zu spielen- und diese für ganz überflüssig - erklärt -zu haben. Man hat sie widerlegt; man hat ihnen gezeigt, daß so wenig eine sichere Gotteserkenntniß, wie die sittlichen Wahrheiten der Natur und ihrer Beobachtung entnommen werden können., Allerdings können wir für eine vernunftgemäße Gotteserkenntniß Belege und Beweise in der Natur und ihren Erscheinungen finden, -aber wir müssen jedenfalls jene Erkenntniß schon mitbringen-, wenn wir an - die Natur herantreten. Was die sittlichen Wahrheiten betrifft, das Recht und die Liebe, so spricht die Natur- - vielmehr gegen als für sie, und der Mensch gehört' hierin eben der Natur uicht an. Wir verweisen auf die Beilage 4 und 5 im 1. Bande unserer „Israelitischen Religionslehre//- Jüngst sprach sich Hermann Lotze im „Mikrokosmus" Bd. III S. 333 im gleichen Sinne aus und wir heben hier einige Stellen hervor. „Die Natur pflegt uns als erste Führerin zu religiösen Anschauungen zu gelten. Auf verschiedenen Wegen -leitet ihre Beobachtung zu Versuchen, den wahrnehmbaren Inhalt der Wirklichkeit ' durch Fortsetzungen - zu ergänzen-, die nur dem Blick des Glaubens.sichtbar werden. — Läge nun vaS Ganze der Natur vor uns, so würden-.wir ihre Mannigfaltigkeit in eine Einheit - verknüpft sehen, . die alsvollständiger Widerschein, dessen, was sie .feinsoll, Uns über - ihren eigenen Sinn , unsere Stellung , in ihr und über die Ziele unseres - Lebens -belehrte.. Aber.diese Einsicht istdem Ende aller Tage Vorbehalten.! Jedem,Volke, das; * seine Bildung? begann,:. hat; die^ Natur nur einen kleinen Ausschnitt ihres Ganzen zugewendet,, verschiedennach Zone und Klima,- in, seinem Zusammenhänge un-- verständlich ohne. die Ergebnisse noch fehlender Forschung,, zur. sicheren Grundlegung-einer Gesammtansicht der - Welt um der - Zweideutigkeit, der verschiedenen Ergänzungen willen untauglich, welche der Bestand des Beobachteten, mit - gleicher Leichtigkeit -gestattet. Immer findet d'je Phantasie in dem Weltlauf Spuren -einhelliger und gütiger Weisheit; -immer neben ihnen, auch andere der Zwietracht,: der Härte und Grausamkeit; Vieles, wodurch sie, zum Glauben an eine' heilige Vorsehung geleitet wird, Vieles,, dem .nur zu Trotz sie diesen Glauben festhalte» kann. In die. bunte. Verwirrung dieser Thatsachenhaben die . Völker sichmit verschiedenen ^Graden geistiger Regsamkeit, mit verschiedenem Temperaments und unter, dem Einfluß sehr abweichender Lebensweisen versenkt, und nach dem Maßstabe dieser Begabung haben sie Weltansichten von mehr oder minderem Reichthum und Klarheit gewonnßü.f Olber> selbst die-»größteMülle mit feinsinnigem Naturblick ausgebildeter kosmologischer Weisheit, wie sie uns die Mythologien, der klassischen Völker darbieten, war kaum jemals ein Segen für sie selbst. Dem fernen Beobachter erscheint ihre ssarbenreiche und anschauliche Ausführlichkeit - als eine beneiden swerthe Sät? tigung des ganzen Lebens mit, Gedankendie alle, seine Kleinheiten unablässig an das -Große,' der übersinnlichen. Welt anknüpsen, - und sie erhöht füruns die - ästhetische Bedeutsamkeit, der, Völker, in denen /sie lebendig war; aber .diese Völker selbst sind durch die Fülle ihrer.naturphilosophischen Religionselemente kaum je zu einem nützlichen Fortschritt, des --Lebens. und - .der Humanität, zu großen Verirrungen und zu nutzloser Vergeudung menschlicher .Kräfte' öfters angeleitet-worden. , - „ ,;;r '' Zur Ahnung irgend einer übersinnlichen Macht, .welche die:. Ereignisse beherrscht, führt die .Naturbeobachtung leicht, aber, keine; Naturheobachtung lehrt, sittliche. Wahrheiten. Sie kann lehren, .daß. der Untergang jedes Einzelnen im Plane des .Ganzen-^seinen,. Hinn habe,,/.daß jedes niedergetretene -Leben der - -Ursprung; eines; andern werde , . daß in: unaufhörlichemj Kreislauf ast^Mäste pev. Natur sich/zu bestäydiger- Erzeugung, .Wie,dl-rMpichtnyg und Neuerzeugung.-d^rsHMeinungow. mit me»Mtznder Regelmäßigkeit - - .verbinden;. Mit,. läßt..Ke,-es aber ganz ^undntschieden,-.ob .dje.Hchonu^.de,s..Frem!d.m und - die. Aufopferung desEigenen. .SelbA^ und,yjcht umgekehrt/ die. Riedertrejung , des .Wdery hgß.MH.

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