Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1865)
- Date
- 1865-10-10
- Page
- Seite 630 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und jedes Interesse für jene eine ungerechte und engherzige ^Beschädigung der nationalen Interessen sein. Ia^ noch.mehr>aüch die!, .freien Staatsinstitutionen,, auch^ die bürgerliches geistige' ^und persönliche Freiheit sollten^M/? der Macht der Nationalität zurückweichen, vor Allem diese zur Selbstständigkeit und Obmacht, sei es auch auf s Kosten jenerZmmen. .. r. F,. Das IudenthM? konnte unterfolcheN A'eitströAuNgen'! bei denen, welche sich ihnen unbedingt Hingaben, nur großen Schaden erleiden. Nicht allein, daß ihm die thatkräftige Liebe entzogen ward, Kiele gab.i es, die sich feister geradezu schämten, nicht Wenige, welche es sogar anfeindeten, weil es eine besondere Existenz, nicht, kosmopost- ( tisch und nicht von der Nationalität sei^ innerhalb derer mD" "gerade lebte. Sowohldiejenigen, welche zu der Fahne i des-Allgemeinmenschlichen, als auch die, welche zu der Fahne der Nationalität schworen, waren Gegner des Iudenthums und glaubten, daß das Interesse jener die Abschwächung dieses erfordere. ,u-s. Es)möchte-kaum schwer! werden,udasdGegentheil von! allem- Dem zu - erweiseüi, wnd^ zu zeigen' daß jede. dieser; einzelnen Richtungen an sich einseitigsei; daß der Koss Mopölit . wie, der Nationale,- sobald er sich'hierin eingränzt, gerade so einseitig ist, Me ein Stadtphilister und. Pfahlbürger. .Der-Mensch ist darauf-angelegt, daß seine Ver-- Hältnisse. und Beziehungen sichwie eoncentrische/Kreise - in immer weiterer Ausdehnung, in immer größerem Um-! -fange um ihn legen, er so aus immer engerem Verhältnisse - -in das. ..weitere trete, und dabei für das engere, an Wärme - und.Kraft durchaus nichts verliere. - Die Individualität' des? Menschen, die Familie, die Commune, das . Vaterland-, die " Glaubensgenossenschaft , -die Menschheit, alle anderen Wesen, um uns, sie sind . allesammt kräftige Le- ■ bensmomente, sie gehören allefammt zum Dasein des Menschenkönnen nicht von ihm entbehrt werden, bilden den Kreis seiner Pflichten und dürfen? daher durchaus! einander nicht; ausschließen; er ist allen diesen seinen Theib schuldig und sein Verdienst um das eine rechtfertigt noch nicht seine Vernachlässigung des anderen Momentes.. Die eifrigste Bemühung um.seine, eigene Geistescultur erhebt den Menschen um seinen Zoll über den Egoismus; die hingebendste Liebe zur Familie entschädigt -nicht für. die Hintansetzung der Pflichten gegen die Glaubensgenossenschaft;, die /Aufopferung'für die Stadt, wirft kein Licht auf den Berrath - am Vaterlande, und der eingefleischte Nationale, der die höheren Interessen der . Menschheit aus den Augen.setztder sich demDespotismus unterwirft, um seine Nation groß zu machen, steht auf einem geschränkten Standpunkten, Aber ebenso'wenig' ist 'es dem eifrigsten. Patrioten gestattet Mn schlechter Familienvater zu-sein, und wer der Menschheit durch irgend ein Werk eine große Wohlthat gethan, ist, wenn -er ein schlechter Sohn, ein großer Sünder. Diese einfache Darlegung, zeigt schon, wie irrthümlich jedes aus- WlieMche Pocherrschen eines jener Momente ist, und auf welchen falschen, oft verderblichen Weg es führt. Gehen wir darüber noch etwas tiefer ein.!v - r (Fortsetzung folgt.) Bonn, i. October. Zerstreute Semerlmirgen. Vor Kurzem erschien ein Buch, das nach dem Rufe des Verfassers dadurch überraschte, daß es eben diesem Rufe durchaus nicht /entspricht:- „Aus meinem Leben", von Ferdinand Walter, Bonn 1865." Der berühmte Lehrer des Kirchenrechts und des deutschen Rechts, dessen Lehrbücher auf allen Universitäten diesen Disciplinen zu Grunde gelegt worden und daher schon sehr zahlreiche Auflagen erlebt haben', einer der deutschen Gelehrten, welche sich als Vertheidiger des Ultramontanismus einen Namen erworben, schildert hier feine Erlebnisse, und zwar auf eine so alles Geistes entbehrende Weise, daß man es kaum zu Ende lesen kann. Das einzige Verdienst theilt diese Selbstbiographie mit anderen Werken ihrer Art, 'daß sie uns ünwillkührlich den Charakter ihres Vers, besser und deutlicher zeichnet, als es irgend ein anderer Biograph oder ein Kritiker vermöchte. Nur e i n Ausdruck, S.-120, ist uns ausgefallen: „Da das Ehristenthum und der Mensch Beide aus Gott stammen, so ist der gutgeartete Mensch von Haus aus Christ." Wir haben uns verwundert, wie ein Vertheidiger der katholischen Kirche sich in so unzweckmäßiger Weise ausdrücken kann. . Denn. zunächst verschafft er seiner Religion hiermit die vollste Concurrenz. Denn mit demselben Wechte, und ohne, baß Herr Walter es wird leugnen- - können, wird der -Jude sagen:- „Da. das Iudenthum und der Mensch Beide aus^ Gott stammen, so ist der gutgeartete Mensch von Haus aus Jude." Aber auch der Mohammedaner wird es sich nicht nehmen lassen, zu sagen: da der Islam und der Mensch Beide aus Gott.stammen, so ist d.er gutgeartete Mensch von Haus aus Mohämme-