Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1865)
- Date
- 1865-10-03
- Page
- Seite 624 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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haben. Diese beiden Summen wurden dem Herrn Gabbal von Herrn Hhde, Clarke, dem Controleur der ottomanischen Eisenbahn von 'Smhrna nach AWin, ausbezahlt. - ^.y;y;:y.y Da, Seine Kaiserliche Majestät der Sultan erfuhr, daß die Krankheit. unter den Israeliten wegen, deren Armuth und dumpfer und ungesunder Wohnungen wüthe, sandte er ungefähr 140 Zelte,- um die armen Israeliten außerhalb der Stadt : unterzubringen. Jetzt wohnen daselbst 1500 Personen und genießen die Pflege des Herrn Gabbar, der' ihnen täglich Lebensmittel und Medikamente vertheilen läßt.: Dank allen diesen schützenden Maßregeln ist die Krankheit unter unfern Glaubensgenossen im Abnehmen begriffen, und ist sie sogar bis auf einige vereinzelte Fälle ganz verschwunden. : Es muß bemerkt werden, daß der Pastor der deutschen protestantischen Gemeinde zu Herrn Gabbai kam und ihn, bat, eine gewisse, Summe zur Unterstützung der verschämten Armen anzunehmen. Donaufürstenthümer. Bukarest, im September. Folgender Bericht wird wohl jeden Leser mit einer tiefen Indignation erfüllen: In Folge eines von der Regierung der-Donaufürstenthümer im vorigen Jahre erlassenen Dekretes, sollen die Juden, die die Grenzstädte bewohnen, aus ihrer Mitte Zollwächter liefern. Einige Gemeinden haben sich dieser Verpflichtung durch Geldentschädigung entledigt. Die von Leova, einem Orte, der erst seit Kurzem zu den Donaufürstenthümern gehört, wollte ebenso'verfahren; sie gehört zu den begüterten Gemeinden des Landes. Ein nach Bukarest entsandter Vertreter sollte dem Senat wie auch dem Staatsrathe die Petitionen, die ihm mitgegeben waren, übergeben, um von der Regierung für die Juden von Leova die Autorisation zu erhalten, gegen eine Steuer oder eine bestimmte Summe von dem Waffendienst dispensirt zu sein. In der'Senatsversammlung vom 1. Juli wurde die Petition auf die Tagesordnung gebracht. Sie motivirte den Gegenstand ihrer Bitte mit folgenden seltsamen Ausdrücken: „Da wir Juden im Allgemeinen furchtsam sind und nicht einmal auf einen Hasen zielen können — ein Grund, weshalb wir unser Vaterland auch verloren haben und seit zweitausend Jahren in einer Allen untergeordneten Stellung seufzen — können wir dem Vaterland als Soldaten nicht nützlich sein. Auch - thäte die-Regierung gut daran , unser Geld anstatt unsrer Söhne anzunehmen." Diese Worte wurden mit einem allgemeinen lauten Lachen ausgenommen. Nür Herr Costoforus, der edle Menschenfreund, erhob sich und rief aus : ,^Was! die jüdische Gemeinde hat dieses Pamphlet selbst geschrieben?" Der Berichterstatter erwiderte ja; aber besagter Senator kann nicht begreifen, wie eine Gemeinde sich in solchem Grade, ' erniedrigen kann. Er wußte freilich nicht, daß es' fanatische Rückschrittsmänner giebt, welche fähig' sind, solch ein Chillul-ha-Schem hervorzurufen. Glücklicher Weise brauchen wir gegenwärtig nicht mehr solchen Selbstschmähungen gegenüber Beweise zu führen. . Nordamerika. New-Aork, 2: Sept. (Privatmitth.) Der Artikel in Nr. 27 dieser Zeitung hat, wie es sich voraüssehen ließ, bei einigen Männern, die sich als die einflußreichen und thatkräftigen Führerder amerikanischen Juden geriren, besonders bei dem'Herrn Wise in Cittein-' nati ein großes Mißfallen erregt, während er von dem größten Theile des Publikums, das sich hier zu Lande um jüdische Angelegenheiten kümmert, gewürdigt und gebilligt worden. Da Sie Sich Persönlich der Feindschaft des Herrn Wise seit der Zeit zw-erfreuen haben, als Sie mit einigen anderen jüdischen Theologen in Deutschland dem Versuche jenes Herrn, sich mit einigen Genossen zum Autokraten des amerikanischen Judenthums zu machen, entgegentraten, wird es Sie eben so wenig wundern, wie erschrecken, daß der gedachte Herr furchtbar in die Schlachttrompete bläst. Aber Sie brauchen nicht zu zittern, Sie haben große Gesellschaft: er erklärt das ganze Judenthum in Deutschland hinter den Amerikanern zurückgeblieben zu sein, noch mehr, er erklärt ganz Europa für tobt, und er citirt die Worte eines amerikanischen Philosophen: „Europa ist auf dem Wege, ein altes, geistig verknöchertes China zu werden; die bewegend schaffenden Kräfte der Civilisation hören auf; die lebendigen Quellen, mit denen der Geist erquickt und gestärkt ward, verstechen, und eine allgemeine Anchhlosis, Verknöcherung, Kraft- und Saftlosigkeit ergreift alle geistigen Lebensformen in Kunst, Wissenschaft, Sitten und Gebräuchen, Wohnungen und Gewohnheiten. Die Menschheit in Europa lebt sich geistig vollends aus, hat be-