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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-03 · Heft 40 (3.10.1865) · p. Seite 623

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 40 (3.10.1865)
Date
1865-10-03
Page
Seite 623 (sequence 11)
Language
German
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Rußland. Mitau, 14. Sept, Die„National-Ztg." berichtet in dem, ihr jetzt eigenthümlicheu Tone von hier: „Gelegentlich der bevorstehenden Reform der Stadtverfassüügen in Riga, Mitau und Reval regt sich das Judenthum in den Oftseeprovinzen ungemein und betheiligt sich mit großem Interesse an jenen Angelegenheiten. Bei' uns namentlich, wo die Einwohnerschaft zum fünften Theile aus Juden besteht und bisher eine eigens für sich bestehende Gemeinde bildete, verlangt jetzt die Majorität der Juden, mit den Christen eine politische Gemeinschaft zu bilden; die Regierung scheint j diesem Wunsche z,u willfahren geneigt zu sein, und so! werden wir auch hier consequenter Weise wie in an- ‘ deren Ländern ein Reform-Judenthum erhalten. Schon jetzt spaltet sich das hiesige Judenthum in zwei fast feindlich gesonderte Culturschichten, von denen eine or- ' thodox, die andere ganz rationalistisch ist und, wegsehend über Gesetze und Gebräuche, sich ihre Religion | in der allgemeinen Form des Mosaismus zusammenstellt. Auch in Riga verlangen die Juden ähnliche Maßregeln, Zulassung zur Erwerbung des Bürgerrechts, Berücksichtigung ihrer. Interessen in der neuen Stadtverfassung u. s. w., und selbst russische Blätter erwarten , daß die Regierung den zeitgemäßen Forderungen entsprechen wird." Die National-Zeitung, früher das Blatt des Berliner Liberalismus, scheint es außerordentlich verwunderlich zu finden, daß die Juden in den russischen Städten sich um die Theilnahme an den bürgerlichen Rechten bewerben und bemühen. Früher hat sie dies bei den preußischen Juden stets sehr löblich gesunden , warum nun nicht auch in Riga und Mitau? Früher gehörte sie zu denen, welche die bürgerlichen Rechte der Juden beanspruchten und befürworteten, jetzt wundert sie sich, daß „selbst" die russischen Zeitungen dafür Eintreten. Der böse Wille des Correspondenten zeigt sich aber besonders in der Vermischung des Politischen mit dem Religiösen , er sieht aus denbürgerlichen Rechten ein „Reformjudenthum" hervorgehen und scheint ausdiesem Grunde den Inden die bürgerlichen -Rechte vorenthalten zu wollen. Orient. den 28. Aug. (Arch. isr.) Seit ungefähr zwei und einem halben Monat richtet die Cholera in unserer Stadt Verwüstungen an, und unsere Glaubensgenossen sind die ersten Opfer dieser Geißel gewesen. Im Anfang der Krankheit sind der Großrabbinex,. Haym Pallacci und die Ersten unserer Nation geflohen und haben die Armen der Geißel überlassen, welche Verwüstungen unter ihnen anrichtete. Die Mitglieder des hies. Comitös der Alliance israelile sind dem Beispiel des Großrabbiners gefolgt, so daß Raschid Pascha, der Gouverneur der Provinz, genöthigt war, Türken zur Beerdigung der gestorbenen Israeliten hinzuschicken. Ein einziger Mann hat allem diesem Unglück widerstanden; er ging an das Bett der Kranken, vertheilte Medikamente und Lebensmittel; es^ ist Herr Jakob Gabbat, Waarenmaller , der das gethan, was der geistige Führer hätte thun müssen. Wir müssen dem Grafen von Bentivoglio, dem franz. Generalkonsul in Smhrna, unfern Dankaussprechen, der Präsident des Unterstützungscömitös für die Armen ist und der unfern Brüdern viel Gutes gethan hat; den barmherzigen Schwestern gilt auch der Dank unserer ganzen Nation. Herr Leo Sidt und sein Sohn Alexander, reiche Kaufleute, haben der Gemeinde ganz. Zinsen Summen geliehen, um den Armen zu Hülfe zu kommen, und haben viel Geld aus ihrer . Börse vertheilt; aber unglücklicherweise waren alle diese Anstrengungen unzureichend bei dem großen Elend. Da dachte Herr Gabba'i daran, den Herrn N. u. M. Rothschild und Sohn in London anzuzeigen, in welchem Zustande das, der Cholera überlassene Volk, ohne Mittel und ohne Führer, sei. Wie uns der „Impartial" vom 11. dieses Monats angekündigt, haben die Herren von Rothschild den Herren Cousinörh und Sohn, französischen Banquiers in unserer Stadt^ Ordre gegeben, , der israelitischen Gemeinde die; Summe von. zweihundert Pfund Sterling' (1333 Thalern) auszuzahlen. Ich muß auch bemerken, daß der ehrenwerthe-Herr Moses Montefiore in London, ohne irgend eine Bitte erhalten zu haben, Herrn Gabba'l fünfzig Livres,$34 Thaler) zur Reinigung der infizirten Häuser und ebenso Sir Francis Goldsmid hundert Livres (667 Thaler) zur Unterstützung der armen Israeliten überwiesen 40** i

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