Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1865)
- Date
- 1865-10-03
- Page
- Seite 616 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarischer Wochenbericht. Frankfurt am Main, im August. Geschichte der Juden und ihrer Literatur in den romanischen Staa-- ten von 700—1200. Nach den Quellen dargestellt von vr. Braunschweiger. Würzburg. 187 S. Der im merkantilischen Verkehr so häufig geübte Mißbrauch, fremde' Fabrikate mit eigenen Etiquetten zu versehen, ist in der Literatur selten wahrzunehmen und wo er sich zeigt, wird er unter dem Namen Plagiat verurtheilt. Vorliegendes Schriftchen müssen wir daher auch, wenn es „ein volles Recht auf Dasein" beanspruchen will, wie der Vers, so bescheiden sein Fabrikat anrÜhmt, vornweg mit der echten Etiquette kennzeichnen und den Titel in „Verstümmelter Auszug aus der Geschichte 'der Juden von Grätz Th. 5 und 6" umändern. Wenn sich der Vers, die Aufgabe gestellt hätte, daS Geschichtswerk Grätzens für die Schulen zu bearbeiten und mit Beiseitefchiebung der historischen Kritik wenigstens die Idee einer geschichtlichen Entwickelung zu geben, so würde er für diesen Zweck ein nützliches und unter Beibehaltung des fließenden schönen Styls seines Vorgängers ein lesbares Schriftchen gegeben haben; in dem vorliegenden verkrüppelten Auszug aber wird das Geschichtliche wie in einer Chronik in einzelnen Faden zusammengehaspelt, das Literarische nach alter Schablone vorgeführt, und um endlich das Plagiat zu verbergen hat der Vers, die Sprache und Darstellung Grätzens in einen Zeena ureena-Styl verwandelt. Wenn z. B. Grätz V. 174 sagt: „Die Begeisterung der Araber für ihre Sprache und den Koran weckte auch in den Herzen der Juden dasselbe Gefühl für die hebr. -Sprache und ihre heiligen Urkunden", schreibt der Vers. S. 4.: „Wenn aber auch die arabische Sprache noch nicht reich an Schätzen der Dichtkunst und an Prosaschriften war, so vertieften sich die Hebräer dennoch in die Sprache der . Eroberer und zum Theil auch in den Koran, was wenigstens den Gewinn hatte, daß man sich dadurch veranlaßt fühlte, , sich zu seiner eigenen hebr. Sprache und zu den hebr. Urkunden zurückzuwenden". Bei Alfasi schreibt Grätz: „Seine Halächot heben nur das für die Praxis Geltende heraus"; der Vers. S. 46: „besonders die Gegenstände zur Zeit des Exils werden von ihm behandelt." Solche Beispiele finden sich auf jeder Seite. Bei allbekannten Schriften, die G. nicht beschreibt, müßte sich der Verf. einen anderen- Führer -suchen, den er glücklicher Weise in ve ko88i- 'findet. -Demselben schreibt er S. 7-1 wörtlich, den- Inhalt des Sefer ha- Kabbalah nach, wobei folgendes Curiosum vorkommt, ve llos8i sagt nämlich, er besitze die beiden seltenen Ausgaben von Mantua und Venedig zugleich mit einem handschr. Exemplar. Der Verf., der wahrscheinlich auch seine bibliogr. Kenntnisse zeigen will, sagt in einer Note: „Die erste und seltenste Ausgabe ist die von Mantua 1513, welche zugleich mit einem handschriftlichen Exemplar versehen ist." Auch die falsche Jnhaltsanzeige von dem bekannten Schriftchen Cliaje ben Mekiz schreibt er De Rossi nadj unb so geht es ihm immer, wo ihn sein bewährter Führer verläßt und er sich auf andere sekundäre Quellen stützen muß, deren Sagen und Fabeln bei ihm Geschichte sind. Ohne die treffliche Biographie Raschis von Zunz, auf die auch Grätz verweist, gelesen zu haben, schreibt der Verf., um seine Quellenstudien zu bekunden, wie in urzeitlicher Einfalt dem 8ebsl8ebel6l.b nach, daß Raschi, „sich wissenschaftlich zu bereichern", Italien, Griechenland, Egypten, Persien und Deutschland bereist habe; daß Raschi, der Verfasser von Lesebon Limudim sei u. dgl. m. Die hebr. Poesie läßt er unter Kimchi zu einer hohen Stufe der Vollkommenheit gelangen (S. 25) und Maimonides den Schüler von Jbn Raschi sein (158). Bei Jbn Efra schreibt G. IV, 22: „Er hinterließ viele Jünger und einen begabten Sohn, der ihm aber keine Ehre machte". Da Grätz keine Quelle angiebt und der Tachkemoni dem Verf. unbekannt ist,- so wüßte er natürlich diese Stelle nicht zu umschreiben und sagte daher nur: „Er hinterließ eine Anzahl von Schülern und einen Sohn, der größtentheils die Geistesgaben seines Vaters geerbt hatte." (S. 80.) Von dem im achten Jahrhundert entstandenen Karäerlhum, das doch in der jüdischen Geschichte und Literatur eine bedeutende Rolle spielte, spricht der Vers. S. 68 nur in einer Note, wo er sich ganz auf den karäifchen Standpunkt stellt und die Sadducaer so mit den Karäern identifizirt, daß er die Karäer unter Zadok und Baithoth entstehen läßt! Die Streitfrage zwischen Rappaport und Grätz, ob im 10. und 11. Jahrhundert das Talmudstudium in Italien verbreitet war, ist bei dem Verf. natürlich so zu Gunsten Grätzens entschieden, daß er zweimal (10 und 19) das beweisende Citat von Gr. aus Temim Deim wiederholt, ohne zu wissen, daß R. selbst diese Stelle — nur et-