Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-03 · Heft 40 (3.10.1865) · p. Seite 615

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 40 (3.10.1865)
Date
1865-10-03
Page
Seite 615 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226514--23376-3250682
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«iS So kamen denn auch Jakob und seine Söhne als Hir-? ten mit ihren Heerden nach Egypten und werden in der Provinz Goschen angesiedelt, um dort als ein Hirtenstamm zu existiren. Wir glauben, daß hierdurch Nichts deutlicher geworden, als daß in der Familie Abrahams die Tendenz in bestimmtester Weise festgehalten wurde, mitten unter den Ackerbau treibenden Völkerschaften Canaans, die ihre Städte und Könige hatten, und deren Land zum Theil „einem Garten Gottes" glich, nomadisirende Hirten zu bleiben. Da die andern Zweige der Familie, ja die sich von ihmtrennenden sowohl im aramäischen Heimathlande, als auch in Canaan selbst, feste Ansiedlungen wählten, so müssen wir bei Abraham und seinen Nachkommen einen bewußten Zweck hierbei voraussetzen, welcher denn auch nicht zweifelhaft sein kann. Sie wollten sich mit den dortigen Völkerschaften nicht verbinden und verschmelzen, wohin.unwiederbringlich die feste Ansiedlung an einem Orte führen mußte. Es war die in dieser Familie energisch lebende Gottesidee, welche den Gegensatz und Widerspruch mit den dortigen Völkerschaften ausmachte, und die bei der Vereinigung mit den letzteren verloren gehen mußte. Letzteres beweisen die Abkömmlinge aller der Glieder der Familie, welche zu festen Ansiedlungen übergingen, wie des Jsmael, des Lot und des Esau. Die Verpflanzung der Israeliten nach Egypten war daher ebenso providentiell, wie ihre Sklaverei daselbst. In Egypten war eine Vermischung derselben mit den Einwohnern von beiden Seiten ganz unmöglich. Der Fremdenhaß der Egypter und die Verachtung des Hirtenstandes war eine unübersteigliche Schranke, welche nun durch die Gottesidee, die sich unzweideutig bei den Israeliten traditionell erhielt (2 Mos. 3, 6), und noch mehr durch die völlig entschiedene Sitte ungemein erhöht ward. Wenn aber die Israeliten auch in Goschen dem Hirtenberufe treu blieben, so mußten doch mit der Zeit mehrfache Momente aus sie wirken, um sie von demselben abzuziehen. Bei ihrem außerordentlichen Anwachs konnte ihre Viehzucht der Maffe nicht mehr zur Ernährung genügen, wie denn gerade bei Hirtenvölkern die Nothwendigkeit massenhafter Auswanderung am leichtesten eintritt; das höchst entwickelte, reichhaltige und üppige Leben der Egypter mit ihrem großartigen Ackerbau und ihrer bedeutenden Industrie war ihnen zu nahe gerückt, als daß sie sich ihm ganz entziehen konnten. Da trat die ihnen von Pharao auferlegte Sklaverei ein, um sie dem Hirtenleben mit Gewalt zu entwöhnen und sie zu den Arbeiten des Landbaues und des Städtebauens zu zwingen (2 Mos. 1, 11. 14.). Dies war die Schule, wo die Israeliten aus einem nomadisirenden Hirtenvolke zu einem ackerbauenden, mit festen Ansiedlungen erzogen wurden. Sie mußten hier die Gewohnheiten eines solchen Volkes annehmen, und es pflanzten sich ihnen die Vortheile und Vorzüge so sehr ein, daß sie diese, als selbst der Zwang aufgehört, nicht wieder los werden konnten. Darum sagte ihnen das Leben in der Wüste nicht zu, konnten sie sich an die Entbehrungen, welche mit dem Hirtenleben in der Wüste verbunden waren, nicht wieder gewöhnen, und sträubten sich murrend dagegen, so daß sie die Gefahren und Mühen eines Eroberungskrieges nicht scheueten, um zum Ackerbau und zum Wohnen in festen Städten zurück zu kehren. Dies war es denn auch, was sie in dem, unterdeß weiter entwickelten Canaan auch reichlich vorfanden. Sie brauchten die Häuser und Felder nur in Besitz zu nehmen (5 Mos. 6, 10. 11.). Es war ein schmerzlicher und leidensvoller Uebergang, aber verhältnißmäßig ein kurzer, für Israel vom Hirtenzum ackerbauenden Volke. Aber was noch mehr — der Zweck, daß Israel seine Gottesidee bei diesem Uebergang bewahre, war vollständig erreicht. Spenden?ur Rreßerstistrmg (1229—1267) Herr Moses Ehrlich in New-Hork ges. von Joseph Bachmann Doll. 10, Adolph Cohn 10, Gerson N. Herrman 10, Moses Ehrlich 5, Marcus H. Levy 3, A. Hirschfeld 3, Julius Werner 5, D. H. Goodman 5, S. Stirn 3, S. Herrman 2, S. Schoothoefer 2, M. Ballin 2, L. E. Green 2, Salomon Hyman 2, R. Wyman 2, Nathan Littauer 5, L. Lewengood 5, P. Harris 5, Samuel Tuck 2, Joseph Sachs 5/ A. Baker 3, H. Westheimer 2, Ignatz Stein 5, William Sahlein b, S. Hcyman 3, I. Musliner 2, Joseph Oestrich 5, Maimonidas Library association 5, Salomon Strauß 1, Joachim Aaron 1, a Genlleman irom Patlerson 3, Joseph Rosenthal 6, H. Flegenheim 6, Leop. Bamberger 6 , Jonas Munter 5, Laz. Goldstein 6, P. I. Solomon 5, M. Dinkelspiel 2, Ä. Rieß 2. Zusammen 161 Dollars oder nach dem Tagescourse 131 Thlr. 17 */s Sgr. — Gesammtsumme 2364 Thlr. 10 Sgr. Die Red. 40*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.