Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1865)
- Date
- 1865-10-03
- Page
- Seite 614 (sequence 2)
- Language
- German
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Bekanntlich übertragen es die Septuaginta mit „Gegend"^ (jfWQcc TMv - XaXdaJcov). Dahingegen kann es niM zweifelhaft sein, daß Charan eine Stadt war, die auch „die Stadt Nächor's" genannt wird, weil dieser und seine Familie daselbst verblieben (1 Mos. 24, 10.). Es war das spätere Charrae in Mesopotamien 39° 2' L. 36° 40' N. B. Dahin zieht der Knecht'Abrahams, um für seines Herrn Sohn ein Weib zu holen, lagert außerhalb der Stadt bei einem Wafferbrunnen, sieht die Töchter der „Stadtleute" herauskommen und wird selbst in die Stadt in das Haus Bethuel's geführt. (1 Mos. 24.) Ebenso trifft Jakob den Laban in Charan (1-Mos. 29, 4. 5.). Demungeachtet betrieb Laban nur Viehzucht. Dessen eine Tochter ist Hirtin der Schafheerde (V. 6 f.), Jacob dienet ihm als Hirt 20 Jahre, erhalt in den letzten Jahren als Lohn einen Theil der Heerden, und erlangt dadurch selbst einen bedeutenden Reichthum an Heerden. Jakob zieht von dannen, während Jakob mit der Schafschur beschäftigt ist (31, 19.). Wir ersehen hieraus, daß die Familie Nachor zwar einen Hirtenstamm bildete, doch aber mit der festen Ansiedlung in der Stadt Charän, von wo aus die Heerden sich in weiter Ausdehnung ausbreiteten, denn 30, 36 legt Laban „einen Weg von drei Tagereisen" zwischen Jakobs und seine Heerden, während doch Jakob als Oberhirt die Heerden Labans beaufsichtigte. Diese Familie war also in jenen Zwischenzustand schon getreten, in welchem ein Hirtenstamm aus dem großen, ihm zu Gebote stehenden Landstriche eine Art von Abtheilung wie in Schläge macht, die er mit seinen Heerden abwechselnd bezieht, und in Flecken oder gar Städten einen festen Mittelpunkt besitzt. Im Gegensatz hiervon sehen wir dauernd die Familie Abrahams lediglich als nomadisirenden Hirtenstamm existiren, der höchstens von Zeit zu Zeit einen längern Aufenthalt an einem bestimmten Orte nimmt. Abraham zieht nach Canaan, bis in die Gegend von Schechem, dann nach Beth-El, dann nach Süden, von hier nach Egypten (wo, als er Geschenke erhielt, diese auch in Schafen, Rindern, Eseln, Kameelen bestanden) zurück nach Canaan, bis nach Beth-El. Hier war es, wo, da der Raum, welcher für die nomadisirenden Hirten in Canaan, wo schon so viele ackerbauende Stämme in kleine Staaten (Königreiche) organisirt, ansässig waren, doch immer beschränkt sein mußte , bei dem wachsenden Heerdenreichthum Streit zwischen den Hirten Abrahams und Lots entstand und Beide sich trennten. Es ist nün LemerkenSwerth, daß auch Lot, indem er sich von Abraham trennte, eine feste Ansiedlung in Sodom wählte, wäh-; renp^er^ seines Hirtensiand. bewah^te^A^ahtzm H^gegen . nomadisirend) blieb. Denn DennßesDaiH ^H,M2>noch heißt: „Aber Lot wohnte in den Städten des ÜinkbeiseS des Jordan und zeltete bis Sodom" — so ist er doch in Capitel 19 völlig in der Stadt Sodom ansässig; er sitzt im Thore der Stadt, führt seine Gäste in sein Haus daselbst u. s. w. Abraham dagegen wohnt auch nach der Trennung „im Lande Canaan" (13, 12) und der Herr fordert ihn auf (V. 17): „Auf, wandte umher im Lande nach seiner Länge und seiner Breite." Und wenn er auch eine längere Zeit im Haine Mamre wohnte,- unweit der Stadt Chebron, so war es doch immer in einem Zelte (18, 1), und selbst als er in der Nähe bei dem Tode Sarah's ein Erbbegräbniß eigenthümlich erkauft hatte, galt dies zwar so viel wie der Entschluß in Canaan für immer zu bleiben, nicht aber für eine feste Ansiedlung und den UeLergang zum Ackerbau. Daher zieht er 20, 1 gen Süden, hält sich 21, 34 lange im'Lande der Pelischthim auf, später wieder in Mamre (Cap. 23) und im Südlande (24, 62). Ganz ähnlich verhält es sich mit Isaak. Auch er hatte keinen festen Wohnsitz. Dennoch begegnen wir bei ihm einem Zuge, der noch mehr einen Uebergang zum Ackerbau andeutet, nach welchem wir aber später, namentlich bei Jakob, keine Spur wieder vorfinden. Als Isaak sich im Lande der Pelischthim aufhielt, da (26, 12) „saete er aus in diesem Lande, und gewann in diesem Jahre hundertfältig." Da gleich darauf dennoch sein Reichthum, in Heerden und Dienern bestehend, gerühmt wird, Isaak bald wieder hin und her zieht und in Zelten wohnt (V. 25), so ergiebt sich, daß Isaak neben seiner Viehzucht und trotz seines Nomadisirens hier und da auf urbar gemachtes Land, das er wohl zeitweise in Pacht nahm, aussäete und eine Ernte hielt. Von den Söhnen Isaaks kehrte bekanntlich Esau auf die untere Stufe des Jägerlebens zurück, wahrend Jakob dem väterlichen Berufe treu blieb. (25, 27.) Als er mit reichen Heerden und einer zahlreichen Familie nach Canaan zurückkehrte, verschmähete auch er die Verbindung seines Hirtenlebens mit einer steten Ansiedlung in einer Stadt, und als er selbst geneigt war, eine solche mit der Stadt Schechem einzugehen, wurde dies durch seine Söhne Simeon und Levi verhindert. (Cap. 34.) So zieht auch Jakob im Lande umher. (35, 1. 16. 21.) Als er alt wurde, mochte er selbst längere Zeit an einem Orte weilen, während seine Söhne mit den Heerden weit ins Land zogen (37, 17).