Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1865)
- Date
- 1865-09-26
- Page
- Seite 607 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226513--23367-3250672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
erbaut, beten Einweihung Dienstag VormittagsMattfindet. Professor Sulzer mit einem Quartett aus dem Chore des Wiener alten Tempels, und Dr. Jellinek, welcher die Einweihungsrede halten wird, treffen zu diesem Zwecke hier ein. Der Herr Statthalter und die Spitzen der Behörden, sowie die Gemeindevertretung, werden der Feierlichkeit beiwohnen. Italien. Aus Oberitalien, im September. (Privatmitth.) Das freilich sehr gelinde, durch das Olpersche Programm in Bezug auf die Trauergebräuche der Israeliten angefachte Feuer ist noch nicht ausgebrannt. Die Ultra-Conservativen bringen dasselbe mit dem Mainsterschen Vorschlag zu einer Rabbiner-Conferenz in Verbindung, und hoffen durch ihre abspreHende, in geschloffener Reihe vorgeörachte Protestation mit Einem Stoße beide zur Seite zu schieben. Sie gebrauchten auch den Kunstgriff, eine von Professor Della Torre im Lorriere Israelitico veröffentlichte Recension des Olperschen Programmes (Juliheft 1865) als zu ihrer Partei gehörig anzunehmen. Allein während Herr Prof. Della Torre das Olpersche Programm regelrecht nach bündigen rabbinischen Gründen beurtheilt, und sich somit mit den vom Rabbiner Olper aufgestellten Sätzen nicht einverstanden erklärt, scheint er jedoch nicht alle Möglichkeit Aenderungen vorzunehmen, abzustreiten; er weist bloß auf die Nothwendigkeit gründlicher Studien über den Gegenstand hin, welches jedoch bei diesem Manne, der seif ungefähr 35 Jahren angehende Rabbiner in Ritualien unterrichtet, vielleicht auch einem entschiedenen Veto gleich zu halten ist. Jedoch ist Herr'Prof. Della Torre schwerlich ganz so konservativ wie der Rabbiner von Cento und Herr Cesare Tedeschi von Ferrara, welche im Corriere von diesem Monate genüber der projectirten Zusammenkunft der Rabbinen Oberitaliens die Fahne des absoluten Conseroatismus aufgefteckt haben; da doch Prof. Della Torre in einem warmen und beredten Memorandum an die betreffende Commission in Padua der Abschaffung der Piutim das Wort geredet hat, jene Vorkämpfer aber auch diese Neuerung verpönen. — Es sei übrigens zur Ehre sämmtlicher Betheiligten gesagt, daß bei der ganzen Controverse die Gesetze des Anstandes und gegenseitiger Achtung vollkommen beöbachtet werden, und somit von diesen lebhaften Verhandlungen nur Gutes zu erwarten steht. Auch der Läueatore Israelita hat seine Erklärung für den zeitgemäßen Fortschritt einzustehen, mit würdigen und taktvollen Ausdrücken ausgesprochen. Die Rabbiner von Livorno sammt Gesinnungsgenossen gehen mit dem Gedanken um, eine Zeitschrift in absolut-konservativem Sinne herauszugeben. Wir wollen sehen, ob für die doch nicht sehr zahlreichen israelitischen Leser Italiens drei. Zeitschriften nicht zu viel sind. Endlich habe ich noch einen schönen Zug nachzuholen, der nach Versendung meines letzten vom 25. v. M. zur Kunde gelangt ist, und in beinahe allen wichtigen italienischen Tagesblättern Erwähnung gehabt hat. — Bei Gelegenheit der zu Gunsten Ancona's in Venedig von der Direktion des Theaters Apollo veranstalteten Vorstellung fand sich unter den freiwilligen Gaben eine von 17 Gulden 60. Kreuzer ö. W. mit der Aufschrift: Von einigen armen israelitischen. Handwerks- und Geschäftsleuten. Im Versendungs-Schreiben der Direktion an den Vittorio-Lmmanuele-Verein von Ancona, wurde diese Gabe sammt Inschrift besonders hervorgehoben. Der Oori'iere Israelitico von diesem Monate bringt die Resultate der diesjährigen Schulprüfungen von Triest. —Im Gymnasium waren unter 23 Prämianden 10 Israeliten;,unter 24 Belobten ebenfalls 10 Israeliten, und von 8 Eminenten 4 Israeliten. — Eine uns nicht überraschende, gewiß aber höchst bezeichnende Proportion. — Frankreich. Paris, 6. September. (Privatmitth.) Es ist ein eigenthümliches Schauspiel, in politischen Zeitungen lange Diskussionen über die Unsterblichkeit der Seele zu lesen: ob diese vom Judenthume gelehrt werde oder nicht. Zeigt diese Diskussion allerdings, daß gegenwärtig eine Zeit der politischen Stille eingetreten ist, so giebt es doch , andererseits auch zu erkennen, daß das Interesse an religiösen und theologischen Fragen gegenwärtig ein sehr hohes ist. In der „Opinion nationale" war beiläufig die Behauptung aufgestellt worden, daß die Unsterblichkeit kein eigentliches Dogma des Judenthums sei. Hiergegen richtete Herr F. Sour-- 39 **