Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-26 · Heft 39 (26.9.1865) · p. Seite 605

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 39 (26.9.1865)
Date
1865-09-26
Page
Seite 605 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226513--23365-3250670
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ungctt gegen seine hiesigen.Gönner und belehrt uns, daß wir es hier mit einem raffinirten Gauner, der seinen Schwindel hier planmäßig betrieb, zu thun haben. Möge dieser der Wahrheit, entsprechende Bericht unfern amerikanischen Brüdern ein Fingerzeig sein, wie sie sich gegen diesen europäischen Schwindler, der sich jetzt Brown nennt, zu verhalten haben.— Tarnow, Medio August. (Privatmitth.) Gestatten Ew. Hochwürden! daß wir wieder einmal die Spalten d. Bl. in Anspruch nehmen. Leider ist das Motiv hiezu trauriger Natur; es betrifft eine Todesanzeige. Naphtali Keller, durch Herausgabe des hebr. Iahrb. „Bikkurim für d. I. 5625" vortheilhaft bekannt, starb nach mehrmonatlichem Leiden in dem (Molken-)Kurplatze RoZnau in Mähren am 5. Aug. — 13. Ab — im Alter von 30 Jahren und 6 Monaten*), und wurde Montags darauf, 7. August, in der nahegelegenen Gemeinde Weißkirchen - beerdigt. Sowohl Pietät, als auch die die hierländischen israelitischen Zustände so sehr kennzeichnenden eigenthümlichen Lebensverhältnisse, die eigenartige geistige Entwickelung des Dahingeschiedenen machen es uns zur Pflicht, dem unvergeßlichen Freunde ein Denkmal zu errichten, und zwar auf dem Boden der A. Z. d. I., da diese es ist, der K. seine Bekanntschaft mit der modernen judenthümlichen Literatur und somit auch seinen besseren Geschmack zu verdanken hatte. Einer sehr achtbaren hiesigen Familie entstammend, genoß K. eine den damaligen Zeitverhältnissen entspre- *) Nicht am 4. Aug., auch nicht im Alter von 28 Jahren, wie dies in No. 32 der „Neuzeit"^ irrthümlich heißt. Es ist überhaupt noch so Manches zu berichtigen, was in erwähntem Blatte , zwar in bester Absicht, aber auf Kosten der-Wahrheit angegeben wird. So haben die Eltern Kellers und seiner Frau nie dem „Chassidäismus angehört", noch sich „ihm hingeneigt"; so genoß K. den Unterricht des einzigen gebildeten Israel. - Lehrersden es damals hier gab, daher K.'s grammatikal. Berständniß des Hebräischen, und hatte er Manch nicht nöthi g, „heimlich sich Bücher zu verschaffen und so an seiner Selbstbildung und Erziehung' zu arbeiten", weil er nicht von „Argusaugen überwacht und in äußerer Abhängigkeit erhalten wurde." Der Herr Redact. jener Wochenschriftder zu den Freunden und Gönnern K.'s zählte — was wir dankbarst anerkennen — wird es gewiß nicht unterlaffen, von diesen Berichtigungen in seiner Wochenschrift Notiz zu nehmen. — , chende, sorgfältige Erziehung. Im 16.—17. Lebensjahre mit seiner Cousine vermählt, verlebte er die ersten Jahre glücklich und in sorgenfreier Behaglichkeit vom Ertrage seines Kapitals. Diese Jahre der Muße opferte K. aber nicht dem Dolce far niente, sondern widmete sie der hebr.- Literatur. Die deutsche Sprache war ihm noch eine terra iflcognita. Erst gegen Mitte des vorigen JahrzehndS ward, er durch Schreiber dieses, und zwar zunächst mittelst der A. Z. d. I. in das Gebiet. des Deutschthums eingeführt. Nun eröffnete sich der unersättlichen Wißbegier dieses begeisterten Jüngers der modernen Schule eine neue, nie gekannte und nie geahnte Welt beseligenden Hochgenusses.. Alle neuen, das Judenthum betreffenden literarischen Erscheinungen mußte er lesen und womöglich besitzen; Buchhandlung und Buchbinder zählten ihn zu den'treuesten Kunden. K.'s vorzügliche Verstandes- und Herzensanlagen wurden durch die Lektüre gediegener deutscher Werke — besonders der Jnstitutsschristen — genährt und gekräftigt, sein Geschmack geläutert und veredelt. Daher zeichnen sich auch seine literarischen Arbeiten in den hebräischen periodischen Schriften der neuesten Zeit vor denen anderer sogenannten Literaten dieses Landes so vortheilhaft aus. ES gelang ihm aber auch, sich die deutsche Sprache anzueignen, die er mit anerkennenswerther Leichtigkeit handhabte, wie dies seine im „Jüd. Volksbl." 1859..No. 3 aufgenommene, nach dem hehr. Wochenbl. „Hamagid" bearbeitete Uebersetzung mit der Ueberschrist: „Simon Kaftan in Wilna", so wie die Originalarbeit „Samuel Posner, ein Jnsurgentenosfizier." Jüd. Volksbl. 1864 No. 3 beweisen. Inzwischen wuchs die Familie an Seelenzahl; seine mit seltener Treue und Zärtlichkeit ihm zugethane Frau beschenkte ihn mit 4 Kindern und in dem Verhältniß zu diesem Wachsthume schmolz das Kapital, da dessen Zinsen nicht mehr ausreichten, und so mußte die gewohnte sorgenfreie Behaglichkeit allmählich einem nie gekannten sorgen- und kummervollen Leben Platz machen. Ein Versuch , sich dem Kaufmannsstande anzuschließen, scheiterte gleich mit dem ersten Debüt. Es erging K. wie so vielen seiner Vorgänger, er theilte das Loos des Poeten in Schillers „Theitung der Erde" : „Willst Du in meinem Himmel mit mir leben, „So oft Du kommst, er soll Dir offen sein.^ Und das that er auch. Er beschloß, von nun an in dem Himmel, den er in der Literatur suchte und fand, fortan zu leben. Da dies aber in seinem Geburt--- 39

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.