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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-26 · Heft 39 (26.9.1865) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 39 (26.9.1865)
Date
1865-09-26
Page
Seite 604 (sequence 8)
Language
German
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604 , Köln, im August (Privatmitth.) Sie haben in d. Bl. wiederholt aus den offiziellen statistischen Tabellen erwiesen, wie außerordentlich günstig das Verhältniß der jüdischen Schülerzahl auf allen, höheren Unterrichtsanstalten in Preußen, nämlich auf den Gymnasien, Realschulen und Gewerbeschulen ist, so daß sie um mindestens das Fünffache die Zahl der christlichen Schüler nach dem Verhältniß der Bevölkerung zu einander übertrifft., Ich habe heute diese Wahrnehmung aus der offiziellen Statistik der hies. Stadt zu constatiren. In runder Summe beträgt die Seelenzahl der Juden unter den 110,000 Einwohnern von Köln 2600, daß so unter ungefähr 42 Einwohnern einer der jüdischen Religion angehört. Von den 674 Schülern der hiesigen Real- . schule I. Ordnung waren 91 Juden, also ungefähr unter 7 einer; unter den 467 Schülern des konfessionell gemischten Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums waren 43 Juden, also ungefähr unter 11 einer. Nach Verhältniß waren also auf der Realschule sechsmal mehr, auf dem Gymnasium viermal mehr jüdische Schüler. Dagegegen befanden sich auf dem katholischen Gymnasium ,,an Marzellen" unter 446 Schülern nur 2 Juden (auch nur 21 evangelische) und auf dem katholischen Gymnasium an der Apostelkirche unter. 306 Schülern nur 3 Juden (auch nur 16 evangelische). Wenn man nun auch den geringen Besuch der beiden streng katholischen Gymnasien seitens der Juden (wie auch der Evangelischen) nur lobend anerkennen kann, so wird doch dadurch das allgemeine Sreqnenzverhältniß alterirt. Es ergiebt sich daher, daß unter den 1893 Schülern der Realschule und drei Gymnasien 139 Juden sind, also unter noch nicht 14 ein Jude, so daß also das Verhältniß der jüdischen Schüler nach Maßgabe der Bevölkerung ein dreimal höheres ist. Oesterreichischer Kaiserstaat. Fünfkirchen, Anfang September. (Privatmitth.) Es sind Noch nicht 20 Jahre, daß hier eine Judenverfolgung angezettelt wurde. Im verhängnißvollen Jahre 1848, wo ähnliche Verfolgungen an der Tagesordnung waren, war man durch derlei Comödien, wie sie hie und da zum Ergötzen skandalsüchtiger Lotterbuben aufgeführt wurden, gar nicht überrascht. Man fügte sich ins Unvermeidliche, schnürte sein Bündel Wd suchte sich ein ne-res Asyl. Auch die königliche Freistadt Fünfkirchen konnte von dieser Regel keine Ausnahme machen und opferte dem Zeitgeist ihren schuldigen Tribut. Aber was geschah? Der Fortschritt drehte, dem Zeitgeist eine Nase, die Juden gingen und kamen wieder und wuchsen zu einer Gemeinde an , die heute den besten im Ungarlande angereiht werden kann. Daß heute die katholische Bevölkerung gegenüber ihren israelitischen Mitbürgern andern Sinnes ist, daß der Sieg des Fortschrittes auch hier breite Spuren gezeichnet, mag der Umstand beweisen, daß in der letzten Generalversammlung des hiesigen Magistratsrathes beinahe einstimmig zum Beschluß erhoben wurde, der Jsraelitengemeinde zum Aufbau ihres neuen Tempels 200,000 gebrannte Ziegel beizusteuern. .Der hiesige Magistrat hat durch diesen Akt der Toleranz und Humanität bewiesen, daß ihm die isr. Bevölkerung Fünfkirchens nicht mehr schädlich ist und er hat sich dadurch ein bleibendes Monument errichtet in den Herzen aller hiesigen Israeliten. Möge dieses Beispiel brüderlichen Einvernehmens in Nah- und Fern Nachahmung finden, und möge eine solche Umkehr allerwärts stattfinden zum Triumphe der guten Sachen —7 Schließlich wollen Sie mir erlauben, daß ich gegen unsere Glaubensgenossen in Amerika eine Pflicht der Gerechtigkeit übe und sie auf einen Jndustrieritter aufmerksam mache, der den Schauplatz seiner verbrecherischen Thätigkeit nun nach Amerika verlegte. Vor ungefähr 5 Jahren kam hierher ein junger Mann, Namens Braun, um unter der Aegide Dr. Hirschfeld's die talmudischen Wissenschaften zu pflegen. Nach und nach entpuppte sich das Bacherl zu einem Dandy, verschaffte sich Zutritt in die vornehmsten Häuser und benutzte seine Bekanntschaft dazu, auf allen Seiten Geld zu erschwindeln. Auch die Hochherzigkeit des greisen Montefiore beutete unser. Held aus, indem er an ihn ein Bettelgedicht richtete und dafür eine beträchtliche Geldsumme in Empfang nahm. Der gute Braun verschwand jedoch plötzlich und Schrecken verbreitete sich unter seinen zahlreichen hiesigen Gläubigern. Alle ihre angewandte Mühe, sich des Betrügers zu bemächtigen, war vergebens, er hatte sich bereits eingeschifft, um nach dem Lande der Freiheit zu entkommen. Er fand eS jedoch für gut, in Hamburg an einen seiner hiesigen Wohlthäter einen Brief zu schreiben, welcher mit dem Motto beginnt: Unser Schuldbuch sei vernichtet rc. Dieser Brief strotzt von Schmäh«

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