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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-26 · Heft 39 (26.9.1865) · p. Seite 601

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 39 (26.9.1865)
Date
1865-09-26
Page
Seite 601 (sequence 5)
Language
German
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«dl derungen in anregendster und beredtester Weife zu gestalten. Der Kernpunkt der vorliegenden Abhandlung ist aber die Anempfehlung eines Vorschlages, welchen -,vor gar nicht langer Zeit ein geistvoller Pädagoge gemacht:" Die Eltern sollen es sich zur Aufgabe machen, „die äußere und innere Geschichte, die hervortretenden Entwickelungsmomente ihrer Kinder nach der Zeit ihres Eintritts und nach den Erscheinungen, von denen sie begleitet sind, aufmerksam zu beobachten und zu verzeichnen." Da die Entwickelung des jungen Menschen sehr rasch vor sich geht, und dadurch die Keime der Erscheinungen, wenn diese erst in ihrer vollen Kraft bemerkbar werden, kaum mehr aufzufinden sind, so soll durch solche Aufzeichnungen die rechtzeitige Aufmerksamkeit der Eltern geweckt, und die Behandlungsweise des Kindes darnach bemessen werden. Der Berf. führt dies aus, er erwägt, die Einwände und Schwierigkeiten, und empfiehlt schließlich dieses Erziehungsmittel auf das Ernstlichste. In der That halten auch wir es für sehr ersprießlich, wissen aber, daß zu seiner Ausführung ungewöhnliche Erfordernisse nöthig sind, die doch nur in seltenen Fällen vorhanden. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Nürnberg, 5. Sept. (Privatmitth.) Kaum ist das jüdische Seminar des Rabbiners Bamberger in Würzburg in's Leben getreten, macht es schon Rumor in der Oeffentlichkeit, und ruft in den Zeitungen eine lebhafte Discussion hervor. Die Anregung hierzu geht aber von der Partei des Herrn Bamberger selbst aus. Während die gedachte Anstalt darauf ausgeht, mit der strengsten Orthodoxie Unbildung, Unwissenheit und alle äußere Erscheinung der früheren Jahrhunderte zu verbinden, will sie doch zugleich vor der allgemeinen Welt den Schein der Bildung und der Wissenschaftlichkeit sich anmaßen, um die öffentliche Meinung irre zu führen. Man weiß, wie lau und indifferent die Gebildeten sind, und wie lange sie sich Alles gefallen lassen, wenn sie sich nur nicht zu rühren brauchen. Dies Mal war es ihnen aber doch zu viel, und es erschienen in mehreren bayrischen Zeitungen Artikel, welche die Wahrheit aufdecken sollten. Es kamen Antworten, und diese hatten freilich noch heftigere Erwiderungen zur Folge, welche die Thatsachen ans Licht zogen und diese für sich sprechen ließen. Es gereicht dies freilich weder unserer Religion, noch .unserer Glaubensgenossenschaft zur Verherrlichung, zuletzt aber muß Jedermann zur Nothwehr greifen. So stand denn auch im „Nürnb. Anzeig." vom 4. Sept eine Erwiderung aus „Unterfranken", aus welcher wir folgende Stelle hervorheben. „Wie bekannt, haben die meisten der jüngeren unterfränkischen israelitischen Lehrer ihre Studien am Würzburger (allgemeinen) Schullehrerseminar vollendet oder doch ihre' Schulprüfung dort erstanden. Den israelitischen Religionsunterricht an dieser Anstalt hatte und hat noch vorschriftsmäßig der Districtsrabbiner Bamberger zu ertheilen. Während aber der Herr Rabbiner für eine Anzahl an der Universität studirender und sonstiger Jünglinge, sogenannte „Bachurim",-.täglich gegen 3 Stunden Vorlesungen hält, konnte er, der verpflichtete Religionslehrer, wöchentlich kaum 2 Stun-, den für die israelitischen Seminaristen erübrigen. So standen die Sachen mehrere Jahre lang. Da wurde plötzlich von Seite des Rabbiners und seiner Anhänger die Klage verbreitet, die jungen Lehrer seien zu wenig fromm, zu wenig in der hebräischen Literatur bewandert, sie ständen als Seminaristen, weil nicht auch gleich den Christen internirt, zu wenig unter Aufsicht. Und nun faßte der Rabbiner den Plan, eine Anstalt zu gründen, wo die jüdischen Lehrer die vorschriftsmäßigen 6 Jahre ihrer Studienzeit verbringen können, abgeschlossen von ihren christlichen Collegen, ohne oder fast ohne Verkehr mit der bösen Welt da draußen -- eine Art jüdischer Klosterschule / ein Jesuitenkolleg in orthodox-israelitischem Gewände. Mit rührigem Eifer wurden Gelder zu diesem Zwecke gesammelt, durch die bekannte Freigebigkeit der Israeliten eine beträchtliche Summe zusammengebracht. Auch verwilligten viele Gemeinden jährliche Beiträge. So ist denn die Anstalt ins Leben getreten. , O In einer Zeit, da man überall Toleranz predigt, wird der jüdische Lehrer durch Absonderung seinen christlichen Collegen zu entfremden gesucht; in einer Zeit, da alle erleuchteten Schulmänner das Internat verwerfen , führt man dasselbe in einer neubegründeten Anstalt mit größter Strenge ein!

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