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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-19 · Heft 38 (19.9.1865) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 38 (19.9.1865)
Date
1865-09-19
Page
Seite 590 (sequence 10)
Language
German
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einzuschlagen, und einen geregelten Cultus^nach Wiener und Prager Art einzuführen. Es ist nun diesen Männern von wahrhafter Opferwilligkeit so weit gelungen, daß sie einen prächtigen Tempel, tüchtigen Choralgesang haben und Anstand und Würde beim Gebet beobachten. - Seit Monat Februar d. I. fungirt der aus Prag hierher berufene Cantor S. Weltsch (früher an der Prager Meiselschule) in wahrhaft erbaulicher Weise.; Noch ist hiermit das Ziel nicht erreicht, das erleuchtende und belehrende Wort fehlt, die Kanzel ist noch nicht besetzt. Doch gedenkt die Gemeinde auch diesem Mangel baldigst abzuhelfen. Es wird gewünscht, daß zur Forterhaltung des gegenwärtigen regulirten Gottesdienstes bald, ein deutscher Prediger, der seinem Amte gewachsen, an die Spitze dieser Gemeinde trete, damit nicht Unberufene dies schöne Werk aus reiner Nachahmungsliebe zerstören könnten.' Orient. Auö den orientalischen Ländern, im Aug. (Privatmitth.) Wenn wir die orientalischen Länder überblicken, so gewahren wir, daß die Zustände unsrer Glaubensgenossen, sowohl die äußeren als die inneren, trotz großer Anstrengungen und mannigfacher Opfer seitens der europäischen Juden und mit Unterstützung der europäischen Diplomatie sich 'nur wenig gebessert haben. Bei diesem und jenem traurigen Vorgang wurden durch Interventionen die Folgen theils aufgehalten, theils wieder gutgemacht, und dies ist immer für einzelne segensreich. Wenn man aber dadurch im Ganzen eine Besserung erwartete, ja auch nur den Wegfall der Wiederholung gleicher Härten und Grausamkeiten und andererseits eine wesentliche Hebung der inneren Cultur derartigen Juden erwartete: so sieht man sich immerund immer getäuscht. Wir wissen, daß, indem wir dies aussprechen, Einige uns den Vorwurf machen, daß wir die Wirkungen jener Thätigkeit für unsere orientalischen Brüder nicht anerkennten. Uns aber dünkt es, daß es besser ist, sich nicht in Täuschungen zu wiegen, als Illusionen zu nähren, die doch vor den sprechenden Thatsachen wieder verschwinden, und zuletzt die Energie mehr abschwächen, als rvenn man dem Feinde geradezu ins Auge sieht. Die neuesten Nachrichten liefern wiederum nur betrübende Züge.—In Jerusalem herrscht Theuerung in Folge der Dürre. Es^ ist bekannt, wie sehr man deshalb die> jüdische Wohlthätigkeit in Bewegung gebracht. Es sind verhältnißmäßigaußerordentlich große Summen, die gegenwärtig wieder aus den europäischen Gemeinden dahin wandern, um die augenblickliche Noth zu lindern, dann aber —dieselben traurigen und wüsten Zustände zu.hinterlassen. — In Smyrna und Constantin opel hat die Cholera besonders heftig in den Quartieren gehaust, welche von Juden bewohnt werden, und es ist dadurch außerordentliches Elend hervorgerufen worden. — In Tunis ist bekanntlich durch die Insurrektion die von dem Bey gegebene Constitution wieder aufgehoben worden, und seitdem befinden sich unsere Glaubensgenossen unter unaufhörlichen Vexationen und dem härtesten Druck. Dem Bey und seinen Ministern ist das Heft aus den Händen gewunden, und die Subalternbeamte'n herrschen nach Willkühr und üben die furchtbarsten Erpressungen gegen die Juden aus. Die Europäer, welche dem Bey ihren Beistand gegen die Insurgenten verweigerten, sind natürlich hierdurch alles Einflusses beraubt worden. Die 'Insurgenten hätten, wie bekannt, die Juden in allen Landstädten ausgeplündert, und der Bey ihnen Ersatz versprochen. In der That gab er eine Summe von 150,000 Piastern her, um die Juden in Gerbi zu entschädigen. Allein der damit beauftragte General erpreßte durch die scheußlichste Behandlung von den Juden in Gerbi Erklärungen, daß sie entschädigt seien, ohne daß sie auch nur einen Piaster, wohl aber Prügel und Martern erhielten. — In Persien dauert die üble Behandlung der Juden fort, und der Gouverneur von Hamadan hat noch keine Milderung eintreten lassen. Allerdings sind dies fürchterliche Nebel, die bereits seit Jahrhunderten mit geringen Unterbrechungen andauern; aber unsere Zeit deckt sie von Tag zu Tag mehr auf und bringt die Scheußlichkeit derselben zu immer allgemeinerem Bewußtsein. Dauerhafte Heilmittel haben wir erst von einer spätern Zukunft zu erwarten. Freuen wir uns daher, wenn in Asien von Norden her Rußland, von Süden her England und in Nordafrika Frankreich immer mehr Einfluß und Herrschaft erlangen. Nur so kann auch für unsere orientalischen Brüder eins bleibende Besserung erstehen.

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