Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1865)
- Date
- 1865-09-19
- Page
- Seite 589 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Rußland. und werden von Jenen gelesen. Aber für das religiöse Leben geschieht Nichts und es verödet immer mehr. ' Die Redaction der A. Z. d. I.) . Moskau, im Aug. Die „Mosk. Zeit." hat bereits wiederholt in Artikeln der Gegensätze zwischen der Partei der jungen, mit dem Russischen Liberalismus verbündeten Juden und der streng orthodoxen jüdischen Partei der s. g. Chassidim in den nordwestlichen und den westlichen Gouvernements gedacht. Diese Gegensätze machen sich neuerdings, wie die „O. Z." berichtet, unter der jüdischen Bevölkerung Südrußlands geltend. Neuerdings hat der Inspektor der israelitischen Schule in ^Wileiki *), Herr Gurwitsch, in der Synagoge der Chassidim zu Wileiki eine Rede gehalten, in der er den Chassidim mit Heftigkeit ihre Abneigung gegen jede Neuerung, ihren Haß gegen jeden Fortschritt und ihre fanatische religiöse Strenge vorwarf, welche jede Bewegung der Civilisation aufhält. Er gab seinen Religionsgenossen den Rath, die Russische Sprache in ihren Familien- und Freundschaftsbeziehungen anzunehmen, und sprach die Hoffnung aus, daß die jungen Israeliten der künftigen Generation die Russische Sprache von ihrer zartesten Kindheit an kennen und daß selbst die Gebete ihrer Religion ihnen in dieser Sprache werden gelehrt werden. Diese Ansprache machte auf die Chassidim einen tiefen Eindruck, war übrigens der Gegenstand allgemeiner Mißbilligung. Das jüdische Journal „Hakarmel", welches in Wilna erscheint, ist das Organ der orthodoxen Partei. (Jüngst besuchte uns ein - einsichtsvoller Deutscher, der seit geraumer Zeit in den polnischen und russischen Gouvernements verweilt. Er machte uns eine wenig tröstliche Schilderung der religiösen Zustände , unserer dortigen Glaubensgenossen. In Wolhynien u. s. w., sagte er, theilen sie sich nur noch in Jndifferentisten und Chassidim , das Talmudstudium hat gänzlich aufgehört und blüht nur noch in Lithauen. Die sog. Rabbinerschulen leisten in diesem Fache gar nichts. Allerdings besitzen die Jndifferentisten dort noch Kenntniß der hebräischen Sprache, aber eben nur aus alter Liebhaberei. Es, erscheinen viele Bearbeitungen von Gegenständen profanen Wissens, wie-Erdbeschreibungen, Naturhistorisches u. dgl. in hebräischer Sprache, von denen selten Exemplare nach Deutschland gelangen, *) im Gouvernement Wilna. Großbritannien. London, im September. (Jew. Chr.) In Southampton ist der Ex-Senator der Vereinigten Staaten und Staatsminister von Jefferson Davis Benjamin aus Westindien angekömmen, alsoglücklicher als seine Collegen der Strafe entgangen. — Freitag, den 29. findet die Wahl des Lordmayor von . London für das nächste Jahr statt. Man glaubt, daß die Wahl auf Alderman Phillips fallen wird. — In Kingston auf Jamaica unternahm Raphael Lewin, Oberlehrer an der Ilehrew National Institution, eine Monatsschrift unter dem Titel „the Guide“, vorzugsweise bestimmt, Auszüge aus bedeutenden Werken der jüdischen Literatur zu geben, um deren Kenntniß zu verbreiten. Amerika. New-Uörk, im Aug. (Privatmitth.) Als ein fleißiger Leser Ihres geschätzten Blattes nehme ich, so wie alle meine deutschen Glaubensgenossen mit Vergnügen ,wahr, daß dasselbe den Zuständen mnd Angelegenheiten des hiesigen Judenthums einen oft nicht unbedeutenden und höchst nutzbringenden Platz in dessen Spalten einräumt. Dies giebt mir auch den Muth, Ihre Aufmerksamkeit auf die vor ungefähr 14 Jahren hier zusammengetretene Cultusgemeinde Ahavath chesed, oder auch böhmische Gemeinde zu lenken. Der Umstand, daß bei Regulirung der hiesigen Cultuszustände sich zwei schroff entgegenstehende Lager bildeten, von denen das eine ohne weitere Ursache sich blos deshalb streng orthodox nannte, weil es die Frauengallerie verbannte, Ahnemai' unerläßlich fand, geregelten Chorgesang nicht Hören wollte u. s. f., spannte man im' anderen wieder das Seil der Reform zu straff an, so daß ein neues Gebetbuch eingeführt ward, bei . Eintritt im Bethause die Kopfbedeckung abgenommen wird, alle 2te Feiertage abgeschafft find, so daß nur mit Mühe an deren Gottesdienst das Judenthum zu erkennen ist (?); dieser Umstand veranlaßte nun eine Anzahl österreichischer und böhmischer Huden, den Mittelweg