Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-19 · Heft 38 (19.9.1865) · p. Seite 586

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 38 (19.9.1865)
Date
1865-09-19
Page
Seite 586 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226512--23345-3250649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dergleichen mit einem Aufwands von etwa je dreißig tausend Thalern herzuftellen-, würde durchaus in der Möglichkeit liegen, und die darauf verwendeten Capitalien würden durch die Miethspreise der Plätze hinlänglich verzinst und amortisirt werden. So gut wie jetzt jährlich eine Anzahl solcher Privatshnagogen improvisirt wird und eine nutzbringende Spekulation abgiebt, können auch solche einfach würdige Synagogen ohne Belastung der Gemeinde hergestellt werden. Die Verwirklichung ist also leicht möglich und wir wünschen daher eifrig, daß dieser Gevanke von kompetenter Seite ausgefaßt und gewürdigt werde. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 8. September. (Privatmitth.) Gewiß war der Leitartikel aus Breslau in No. 36 dieses Blattes ein Wort zur rechten Zeit, welchem wir aber nicht bloß in Norddeutschland, sondern auch am hiesigen Platze Berücksichtigung und ernste Folge wünschen. Denn auch hier wird jährlich dieser Unfug getrieben, an ganz gemeinen Plätzen Betlocale für unsere höchsten Feiertage herzuftellen. Es ist das bereits in die öffentlichen Blätter gedrungen, wodurch der Skandal ein allgemeiner geworden. Die „N. fr. Pr." vom 3. September enthält ein Schreiben, das hier darum mitgetheilt werden mag, um endlich mit dieser traurigen Erscheinung gründlich aufzuräumen. Es muß so lange besprochen werden, bis es gegenstandslos geworden. Das Schreiben lautet: Herr Redacteur! Erlauben Sie einem jüdischen Leser dieses Blattes, eine Angelegenheit zur Sprache zu bringen-, die vielleicht nur zur öffentlichen Kenntniß gebracht zu werden braucht, um eine Erledigung zu finden, die den religiösen Anschauungen zahlreicher Gemeinde-Angehöriger nicht widerstrebt. Wie alljährlich um die Zeit des jüdischen Neujahrsfestes wird die Sicherheitsbehördeum zahlreiche Bewilligungen zur Eröffnung von Privat-Betlocalitäten angegangen, und zwar geschieht dies nicht selten von Leuten, die das religiöse Bedürfniß ihrer Glaubensgenossen zu einer reinen „Geldmacherei" herabwürdigen. Nun wären wohl allerdings -der Cultusoorstand und die Bethausvorstände am ehesten dazu berufen, sich über derartige Gesuchsbewilligungen auszusprechen; aber ba nün einmat die Be-- Hörden über die Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung zu wachen haben, so hätte man am Ende nichts gegen die Einmischung derselben in eine reine Cultus- Angelegenheit, wenn dies nicht, wie im vorigen Jahre, zu Consequenzen geführt, die viele gläubige Gemüther unangenehm berührt haben. Es ist nämlich der Fall vorgekommen, daß einem Individuum, dessen Zweck offenbar nicht die Befriedigung der Gläubigen, sondern eine reine Geldspeculation gewesen, die Eröffnung eines Betlocales in den Sperlsälen bewilligt wurde. Nun ist der Sperlsaal sicherlich am wenigsten zu einer Andachtsstätte geeignet. Der jugendliche Besucher erinnert sich vielleicht im Momente, wo er sich, mit' seinem Schöpfer aussöhnen soll, an .die üppige Lustigkeit der Tanzunterhaltungen, denen er in diesen Räumlichkeiten so oft angewohnt, und. auch der ältere Mann, der nicht zu den Stammgästen dieser Stätte der ausgelassenen Fröhlichkeit gehört, wird unangenehm davon berührt, wenn er sich erinnert, daß vielleicht gerade an der Stelle, an welcher er soeben seine Andacht verrichtet, die Liederlichkeit ihre Orgien gefeiert. Wenn ich mich recht erinnere, hat man schon im vorigen Jahre fruchtlos Einsprache gegen die Eröffnung eines Betlokales in den Sperlsälen erhoben; allein ich bin von der Billigkeit der zustehenden Behörde viel zu sehr überzeugt, daß,sie Jemandem die Eröffnung eines Betlokales in einer Räumlichkeit gestatten wird, deren Name schon jeden Gedanken an eine fromme Andacht unmöglich macht, und befinden sich überdies in der Leopoldstadt Bethäuser genug, um das Bedürfniß der Gläubigen zu befriedigen, auch wenn die Sperl-Lokalitäten nicht zu einer Andachtsstätte umgewandelt werden. Ein Mitglied der israelitischen Cultusgemeinde. Jndeß gestatten Sie mir noch die Bemerkung, daß die Schuld doch nicht allein auf jene Individuen fällt, welche derartige Betlokale an solchen Plätzen einrichten, sondern eben so sehr auf diejenigen Juden, welche in ein solches Betlokal gehen. Würde diese traurige Gleichgültigkeit gegen die Unschicklichkeit solcher Orte in der Masse nicht vorhanden sein, so würden jene Unternehmer ihre Räume leer sehen, und das, Ding nicht noch einmal versuchen.. Ich denke, die einflußreichen Personen größerer Gemeinden werden endlich anfangen, sich vor den mittleren und kleineren Gemeinden zu schämen und diesem Unfuge ein Ende machen. -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.