Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1865)
- Date
- 1865-09-19
- Page
- Seite 585 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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nicht allzu lang mehr wird auf sich warten lassen. Von sehr vielen Orten wissen wir, daß die Eintragung von Mitgliedern im vollen Gange ist, so daß wir Gelegenheit haben werden, fortlaufend darüber zu berichten. So hat bereits, wie in allen löblichen Dingen voran, der Herr Lotterie-Ober-Einnehmer I. Levy zu Aachen 36 Mitglieder aus seiner Gemeinde angemeldet; Herr Landesrabbiner Dr. Herxheimer zu Bernburg 30; Herr Rabbiner Dr. Wolfs zu Gothenburg (Schweden) 30; aus Tarnow in Galizien 5; Herr Rechtsanwalt Metz in Petershagen vorläufig 8; Herr Lehrer Blumenau in Bielefeld vorläufig 7; so daß, mit den vielen einzelnen Anmeldungen, die ersten zwei Hundert längst überschritten sind. Wie gesagt, sind aber zahlreiche Listen unterwegs und in den nächsten Tagen zu erwarten. Die gegebenen Beispiele zeigen übrigens, daß es auch hierbei nur darauf ankommt, ob sich an den einzelnen Plätzen Führer und einflußreiche Männer finden, die sich der Sache annehmen; denn das größere Publikum ist stets bereit, sich an nützlichen Entwürfen zu betheiligen, und die nöthigen Mittel zu Gebote zu stellen. — Wen hört man öfter über den „Jndifferentismus" klagen, als diejenigen, welche an der Spitze stehen, aber — sieht man genauer zu, so unterlassen Viele von diesen gerade das, was den Indifferentismus zu bekämpfen im Stande, das Jntereffe zu wecken und zu steigern befähigt wäre — so daß man zuletzt nicht der Menge, sondern ihnen selbst diesen Indifferentismus zuschreiben müßte. Hoffen wir, daß sich dies von immer Wenigeren sagen ließe. Wir hatten auch erwartet, daß sich Mehrere in diesem Blatte über den Verein aussprechen, ihre Rathschläge ertheilen, ihre An- , sichten kundgeben würden Man möchte dies zuletzt für eine Geistesarmuth in allen praktischen Fragen halten müssen. Mit der bloßen Negation ist nichts gethan, sie ist weder eine Mühewaltung, denn man legt dabei die Hände in den Schooß, noch ein Zeichen der Weisheit) denn zum Verneinen gehört keine Einsicht, sondern — zum Besseres Rathen und Besseres Thaten. - Ehre dem Strebenden, Ehre dem Arbeitenden! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Malchow, 30. Aug. (Privatmitth.) Am 21. d. fand hier ein schönes Fest statt, nämlich die 50jährige Jubelfeier des Herrn Jacob S. Jacobson als Mohel. Wie sehr die oft mit großer Selbstverläugnung geübte Thätigkeit dieser achtungswerthen Persönlichkeit anerkannt wird, bezeugte der Umstand, daß nicht blos am hiesigen Platze, sondern in Güstrow ein Comitä zusammengetreten war, um dem Jubilar die Hochachtung und den Dank auszusprechen. Es wurden daher dem Jubilar zwei große silberne Pokale, viele anderweitige Geschenke und Gratulationen von allen Seiten .dargebracht, ein feierlicher Gottesdienst mit Predigt des Rabbinatskanditaten, H. Messing, gehalten, sowie ein fröhliches Festmahl. Möge der Jubilar noch lange im Stande sein, seine Thätigkeit fortzusetzen. Preußen. Berlin, 8. September. (Privatmitth.) Das „ernste Wort" in No. 36 d. Bl. über die Bethäuser zu den hohen Feiertagen in den großen Gemeinden ist wahrlich ein wahres Wort, und konnte nicht scharf genug abgefaßt werden. Wer jetzt in der Bossischen und Nationalzeitung allhier die Inserate liest, in welchen „Privatshnagogen" zu den Festen empfohlen werden, von denen sich einige an den unangemessensten Oertlichkeiten etabliren, unter Anderem in der Villa Colonna, einem allzubekannten Berliner Vergnügungssaal, wozu dann geschäftsmäßig Redner gemiethet und empfohlen werden, der muß die Wahrheit des angeführten Artikels in seinem ganzen Umfange empfinden, dem muß aber auch über die Entwürdigung der Religion, über den Mißbrauch, der mit dem religiösen Gefühl und Bedürfniß getrieben wird, das Herz erbeben. Die Besprechung dieses Gegenstandes hätte nur einige Wochen früher beginnen müssen, damit deren Wirkung sich jetzt schon faktisch bethätigen konnte; jedenfalls muß sie fortgesetzt werden, bis er von der schwarzen Tafel der dringendsten Uebelstände geschwunden sein wird. Es zeigt sich hierdurch nebenbei auch die Richtigkeit der in diesem Blatte wiederholt gemachten Bemerkung, wie viel angemessener es gewesen wäre, drei oder vier mittlere Synagogen in den verschiedenen Stadtvierteln Berlins, statt dieses einen, alle Mittel erschöpfenden Prachtbaues, zu errichten. Es soll dies hinterdrein durchaus nicht blos als ein Tadel ausgesprochen, sondern damit auf die Nothwendigkeit hingewiesen werden, bald an den Bau einiger solcher Bethäuser zu gehen.