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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-19 · Heft 38 (19.9.1865) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 38 (19.9.1865)
Date
1865-09-19
Page
Seite 584 (sequence 4)
Language
German
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Berichte des Johannes gar nicht stattgefunden haben kann. — Das Resultat unserer Untersuchung ist also einfach, Haß die gerichtliche Verfolgung und Berurtheilung Jesu durch das Synedrium und die Forderung seines Todes durch das jüdische Volk jeder geschichtlichen Begründung ermangeln, daß vielmehr Jesus wie so viele in jener Zeit unter den Juden aufgestandene Messiasse von dem römischen Landpfleger gefangen genommen und hingerichtet sei, weil die damit verbundene Bewegung im Volke den Römern politisch gefährlich erschien. Daß die Denunciation bei dem Pilatus von Juden ausgegangen sei, daß namentlich ein Jude zur Bezeichnung der Person Jesu stch hergegeben und dies gerade einer der Schüler Jesu gewesen, wollen wir zugeben, und kann dann als der wirkliche Kern dieser ganzen Ausmalung in den Scenen vor dem Shnedrion und dem Richterstuhl des Pilatus angesehen werden. Wenn wir nun das Motiv dieser Anklagen des Synedriums und des jüdischen Volkes darin finden, daß man die Schuld des Todes Jesu auf die Juden wälzen und die Römer so viel wie möglich davon freisprechen wollte: so ist auch der Zweck, der dabei zu Grunde lag, nicht schwer zu erkennen. Das Christenthum hatte im Schoße »des jüdischen Volkes durchaus keinen Anklang gefunden; die Schaar der Jünger hatte stch nur um eine geringe Zahl vermehrt, und überall, wo die Apostel unter den Juden auftraten, wurden sie streng abgewiesen. Man mußte daher die Hoffnung auf die Bekehrung der Juden, ja selbst nur eines beträchtlichen Theiles derselben.aufgeben, und den eigentlichen Heerd der Bekehrung in die Mitte der heidnischen Völker verlegen. Hier war es nun aber von entschiedener Wichtigkeit, die Meinung, als ob Jesus von der römischen Obrigkeit als ein politischer Aufrührer und Feind hingerichtet worden, zu bekämpfen, dies vielmehr als eine falsche Insinuation seitens der Juden hinzustellen und zu zeigen, daß der römische Richter von der Unschuld des Angeklagten völlig überzeugt und nur durch den hartnäckigen Widerstand der Juden gezwungen war, nachzugeben. Es war selbstverständlich dabei gleichgültig, in welchem Lichte persönlich Pilatus hierdurch erscheine, wenn nur konstatirt wurde, daß er durchaus,von der, Unschuld Jesu überzeugt gewesen, und dies auch durch die feierliche Ceremonie des Händewaschens öffentlich kundgegeben habe. Hierdurch wurde aber zugleich noch ein zweiter Zweck, erreicht, nämlich der, daß das Christenthum durchaus vom Judcnthume unterschieden, die Anhänger jenes von den Anhängern dieses vor den Augen der Heiden getrennt wurden, eine Unterscheidung, welche .'den Vertretern des Christenthums immer wichtiger werden mußte. Indem die Verurteilung Jesu als vom Synedrium selbst ausgegangen dargeftellt wurde, mußte es deutlich werden, daß dies nur aus der völligen Verschiedenheit,., ja aus einem Gegensatz der ganzen Lehre hervorgegangen sein konnte, indem der Tod Jesu nicht mehr aus der Laune eines aufrührerischen Pöbels allein, sondern aus der Entscheidung des großen Körpers der Gesetzeslehrer hervorgegangen erschien. Es konnte auch hierbei gleichgültig dünken, daß durch diese Darstellung der Bruch zwischen dem Judentum und Christenthum um so größer wurde. Dieserwar durch den Tod Jesu überhaupt eingetreten, weil mit diesem nach den Begriffen der damaligen Juden die Messiaswürde Jesu völlig widerlegt war. Hegen wir nun auch nicht die Meinung, daß durch diese unsere Beweisführung die Anschuldigung, -welche seit so vielen Jahrhunderten auf den Juden lastet, und die den letzteren so viel Blut und noch mehr Seufzer gekostet hat, verschwinden werde: so glauben wir doch, Etwas dazu beigetragen zu haben, um den erwünschten Frieden, die ersehnte Gerechtigkeit zwischen den Bekennern verschiedener Religionen vorzubereiten. Bonn, 10. September. . Der Verein für allgemeine Angelegenheiten des Hudenthuins. Es liegt in der Natur der Sache, daß jeder Verein, der nicht zu einem speziellen faktischen Zwecke, sondern mit einer allgemeinen Tendenz, innerhalb deren eine Menge praktischer Ziele liegt, geschaffen werden soll, der Zeit bedarf, um in der Masse durchzudringen. Diese will, bevor sie sich zum - Beitritt bestimmt, etwas' Hand- .greifliches haben, und die allgemeine Idee eines generellen Vereines findet nicht so schnell ihren Boden. Wir sind daher noch immer der Meinung, daß es wirksamer gewesen wäre, wenn, so es irgend möglich, die Versammlung zu Frankfurt am Main ein ganz genaues Programm formulirt hätte. Demungeachtet kann es wohl jetzt schon.keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Constituirung des Vereines

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