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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-12 · Heft 37 (12.9.1865) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 37 (12.9.1865)
Date
1865-09-12
Page
Seite 575 (sequence 11)
Language
German
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MWWWUWWMW^ 375 genommen haben und von der Mehrheit des Volkes unterstützt wurden. Ich habe mich längst gewundert, daß die Ztg. d. I. nichts über den Heldenmuth des Schiffskapitains Levy von der Argus und seines Bruders des Werstbesitzers Samuel Levy gebracht hat, welche im März d. I. mit großer Gefahr einen englischen Missionär auf Neuseeland vom Gefressenwerden errettet, dem sein College erlag. Die Geschichte machte-vor 2 bis 3 Monaten die Runde bei allen englischen Zeitungen und ist des Aufbewahrens reichlich Werth. (Da dieser Vorgang damals unserer Aufmerksamkeit entging, würde uns Jemand verpflichten, wenn er uns das Nähere mittheilte. Die Redaction d. A. Z. d. I.) — Nach dem „Kebi-ew Leader“ von New-Aork hat der Tod des preußischen und sächsischen Generalconsuls H. Schmidts, der am 12. Aug. im 84. Lebensjahre dort verstorben, unsere Glaubensgenossen tief betrübt, da er diesen stets die größte Freundlichkeit und Zuvorkommenheit erwiesen, besonders den zahlreichen Auswanderern aus der Provinz Posen, denen er in ihren Beziehungen zur preußischen Regierung stets die hülfreichste Hand bot. Ein Th eil eines Briefes aus New-Iork. New-Aork, im Juni. (Aus einem Briefe an einen unserer Correspondenten mitgetheilt.) Du willst von mir etwas über die Verhältnisse der Israeliten hier erfahren. Darüber gäbe es aber so viel zu schreiben, daß, wollte ich es ausführlich thun, mein Brief den Umfang eines Folianten vom Talmud bekommen müßte. Ich fasse mich deßhalb und weil ich sonst noch viel zu schreiben habe, ganz kurz und umgehe z. D. das Geschichtliche, den Handel, die Industrie der Israeliten ' u. s. w. Man schätzt ihre Anzahl hier auf 30,000; sie ist aber nicht genau anzugeben, und diese Zahl ist wahrscheinlich viel zu nieder gegriffen. Da sie aus allen Weltgegenden zusammengekommen find, so sind auch deren Eigenschaften, Sitten und religiöse Richtungen sehr verschieden. Doch stehen letztere hier nicht so schroff einander gegenüber wie .in Deutschland, und es kann sich z. B. ein Mitglied aus einer Tempelgemeinde mit einem Polen aus dem w-nun recht gut vertragen; ja es kommt sogar häufig vor, daß ein Mann Mitglied von zwei in religiöser Richtung entgegengesetzten Gemeinden ist. Wie viele Gemeinden und wie viele Synagogen hier sind, kann ich . nicht bestimmt angeben. Resormirte Gemeinden (unter welchen der Schreiber die zu verstehen scheint, die die äußerste Reform besitzen. Einsender) giebt es bis jetzt zwei hier, solche mit Orgel fünf. Im Augenblicke erinnere ich mich an achtzehn Synagogen; es sind aber nicht alle; überhaupt bestehen noch lange nicht so viele, als man deren nöthig hat. — Der Reichthum der hiesigen Israeliten ist groß. Dennoch aber darf man die gebildete Klasse nicht unter den reichsten suchen, was auch ganz natürlich ist, ,da solche Leute ihr ganzes Sinnen und Trachten auf Erwerb haben und ihr einziger Zweck ist, Geld zu schaffen. Eine bessere Klasse Israeliten besteht aus Studenten, die in Europa ihre Prüfung nicht bestehen wollten oder nicht bestanden und deßhalb hierher kamen, politischen Flüchtlingen, gelernten Kaufleuten, die in Europa Unglück im Geschäft hatten u. s. w. Diese Leute werden selten reich, wirken aber durch Wort und That mehr für das Judenthum als alle reichen Leute, obchon dieselben in religiösen Dingen sich auch viel Geld kosten lassen. Ich glaube behaupten zu dürfen, daß das Judenthum hier in Amerika nach und nach festern Boden faßt, als in Deutschland. - Dort ist man nehmlich an das Gemeindewesen gebunden, zu diesem und jenem oft noch gezwungen, wohingegen hier alles aus freiem Antriebe geschieht. Alles was hier jemand an ein bnp bezahlt, hat er sich freiwillig auferlegt, da es jedem sreisteht, sich in eine Gemeinde einzukaufen od^r nicht. Wie mancher, würde in Deutschland sagen, wenn nicht alles nach seinem Kopfe ginge, ich jbrauche keinen Rabbiner, keinen uniw u. s. w. — So verschiedene Ansichten und Richtungen in den hiesigen Gemeinden aber auch vertreten sind, so sind dieselben in Beziehung auf Errichtung allgemeiner Anstalten doch einig. Das ist zu ersehen an den bestehenden freien Unterrichtsanstalten für jüdische Kinder, an dem schönen Waisenhaus an dem jüdischen Hospital, und dem Vernehmen nach soll in nächster Zeit ein Rabbinen-Collegium-Seminar hier errichtet werden. Anzeige«. Die Stelle eines Lehrers und musikalisch gebildeten Vorbeters ist bei der israelitischen Gemeinde zu Oberstem sofort zu besetzen. Gehalt 300 Thaler. Frankirte. Meldungen, mit Beischluß der Zeugnisse nimmt der Unterzeichnete entgegen. Birkenfeld, d. 6. Sept. 1865. Laudrabbiner Goldmann. 37** , _ :< ■:ig A I ''

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