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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-12 · Heft 37 (12.9.1865) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 37 (12.9.1865)
Date
1865-09-12
Page
Seite 574 (sequence 10)
Language
German
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tigten Verlangen der Staatsregierung, allen ihren Unterthanen gerecht zu werden, freiwillig und entschlossen entgegenkommt. Die Appellation an Deutsche Bildung und Vorurtheilsfreiheit, welche der „Golos" im vorigen Winter einlegte, als er den Wunsch aussprach, Riga möge bei seinen Verfassungs-Arbeiten auch der Juden eingedenk sein, gegen welche man sich bisher in allen Theilen des Reiches gleich spröde verhalten — diese Appellation ist eine völlig berechtigte! Möge die unseren Provinzen gebotene Gelegenheit dazu, den Vorwurf unzeitgemäßer Zurückgebliebenheit auf dem politischen Gebiete durch die That zurückzuweisen , nicht verabsäumt werden. Der gegenwärtige Augenblick, in dem es sich um die Neugestaltung unseres städtischen Lebens handelt, ist ohne Zweifel mehr wie jeder andere dazu angethan, das Nothwendige mit Würde zu thun!" Amerika. Bonn, im Aug. Mir sind dem Rev. Jsaae Leeser dankbar, daß er uns das Augustheft des von ihm herausgegebenen „Occident" zugesandt. Uns ist es stets um die Richtigkeit der Thatsachen zu thun, und wir räumen daher jeder Berichtigung gern einen Platz ein. Es heißt daselbst: „Durch europäische jüdische Journale sind sehr übertriebene Berichte, vielleicht auf Originalmittheilungert aus Amerika sich stützend, über die Zahl der Juden m den Armeen der Union während des letzten Krieges in Circulation gesetzt worden." Wir müssen hier bemerken, daß die Notizen aus nordamerikanischen, und zwar nichtjüdischenBlättern, genommen worden sind. Enthielten diese Angaben Humbug, so war es nordamerikanischer Humbug, welchem wir in Europa nicht ausweichen konnten, trotz der Zweifel, die uns gleich anfangs darüber aufstießen. Wenn man aber in vier oder fünf nordamerikanischen Blättern, die wir. namhaft machen könnten, dieselben Angaben trifft, so steht man zuletzt doch nicht an, sie mitzuthLilen. Der „Occident" fährt fort: „So wurde behauptet, daß wenigstens 60,000 Israeliten in den Reihen der Bundestruppen wären, von denen 12000 aus Ohio, 5000 aus Illinois und 3000 aus Michigan kämen, wahrend es feststeht, daß die ganze jüdische Bevölkerung in dieftn Staaten, Männer, Frauen und Kinder, kaum diese Zahlen erreicht. Zu welcher Stellung wir auch später gelangen mögen, jetzt sind wir Israeliten noch kein sehr beträchtliches Element, keine Macht im Staate; wir sind rasch an Zahl und Wohlstand in den letzten vierzig Jahren, gewachsen; aber wenn wir diesen schnellen Anwachs vollständig zugeben, so glauben wir doch nicht, daß die ganze Bevölkerung 200,000 (?) Menschen übersteigt. Wir wissen wohl, daß Kollegen in anderen Städten die amerikanischen Juden auf das Doppelte geschätzt haben; aber in der That kennen wir die Thatsachen nicht, auf welche sie ihre Meinung gründen. Man denke 12000 Soldaten aus Ohio! Wie viele der Judenmüßte es dort geben, um solch Contingent zu liefern? wenigstens 120,000; aber man kann gar nicht daran denken, so Biele zu finden. Ebenso steht es mit dem Rang, welchen die jüdischen Soldaten erreichten. Wir wissen nur von einem Oberstlieutenant, der, verwundet, zum Brigadegeneral befördert wurde, gerade vor seinem Tode, als sein Hinscheiden bevorstand, und wir hörten von nur drei Anderen, welche den Rang eines Obersten erlangten, und wenn eS Viele in dieser Stellung gegeben hätte, würden wir es jedenfalls erfahren haben. Bevor nicht ausführliche statistische Angaben, wenn sie überhaupt erreichbar find, vorliegen, möchten wir die Redacteure warnen, sich nicht auf leere Versicherungen zu verlassen, welche nicht zu unserem Vortheile dienen würden, wenn ihre Jrrthümlichkeit öffentlich dargethan würde. Von Armeekaplauen hatten wir drei, die Herren Jacob Frankel -aus Philadelphia und B. H. Gotthelf aus Lomsville für die Hospitäler und Herrn Dr. Ferdinand Sarner für ein New-Iorker Regiment im. Felde. Aus Amerika, im Aug. Die religiöse Bewegung in Chili hat mit der Niederlage der intoleranten Fanatiker geendet. Doch hat die Regierung der Priesterpartei die Concesfion machen zu müssen geglaubt, daß der Artikel 5 der Constitution nicht gestrichen, sondern nur mit einer Interpretation versehen wird. Letztere ist freilich keine' Deutung, sondern eine Wegdeutung des Artikels. Es wird durch sie allen Nichtkatholiken gestattet, in eigenen Gebäuden ihren Gottesdienst zu üben und ferner eigene Schulen zu gründen, in welchen sie ihre Kinder in ihrer Religion unterrichten lassen dürfen. Zu unbedingter Religionsfreiheit hat sich das Land noch nicht erhoben; doch ist es. ein Beweis fortschreitender Bildung,, daß. Senat und Deputirtenkammer das Gesetz mit großer Majorität arl-

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