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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-12 · Heft 37 (12.9.1865) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 37 (12.9.1865)
Date
1865-09-12
Page
Seite 572 (sequence 8)
Language
German
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aus den Staatsexamen hervor, daß Jemand das Schablonenwissen besitzewelches der Staat für dies und das öffentliche . Lehramt fördert, so sei er Jude oder Heide — dennoch wird er tüchtig befunden, an einer Universität für christliche Jünglinge zu wirken. Ja, er wird nicht selten demjenigen Lehrer vorgezogen, der fest das katholische Dogma glaubt; denn wo man es für eine höhere Stufe der menschlichen Entwicklung hält und einen glänzenden Fortschritt darin sieht, anstatt christlich — unchristlich zu sein, da muß man confequenterweise dem unchristlichen den Vorzug geben. Diese jammervolle, verderbliche Richtung rc." Nun, wir wollen sehen, ob die Damen mehr ausrichten als die Herren! Italien. Florenz, im Aug. Sg. Artom ist zum italienischen Gesandten in Konstantinopel bestimmt. Schweiz. Zürich, 25. Aug. (Privatmitth.) Wie lange und hartnäckig sich das Vorurtheil gegen die offenbarsten Interessen wehrt, ersehen Sie aus folgender Äittheilung der „N. Z. Z." aus Basellandschaft: Ueber die Verhandlungen des Landrathes, die zu dem gestern gemeldeten unsinnigen Beschluß, den französischen Israeliten trotz des Vertrages zwischen Frankreich und der Schweiz die Niederlassung zu verweigern, führte, berichtet die basell. Zeitung also: Bekanntlich hatte die Regierung beim Bundesrath gegen die Bestimmung im Niederlassungsvertrag mit Frankreich, welche die französischen Juden einläßt, Protestation eingelegt. Seit der Vertrag nun in Kraft ist, sind einige Juden um Niederlassungsbegehren eingekommen. Als die Regierung ihnen nicht entsprechen wollte, wandten sie sich an die französische Gesandtschaft in Bern und der Bundesrath hat der Regierung Bedenkzeit bis zum 27. August gegeben, zu sagen, was sie zu machen gedenke. In dieser Klemme wendet sich die Regierung' an den Landrath und möchte an diesem einen sichern Rücken haben oder womöglich die Last ganz auf seine Schultern laden. Es wurde weidlich über die Bundesversammlung wegen Verletzung der Bundesverfassung geschimpft. Aenishänsli gab den Rath, die Niederlassungen nur provisorisch zu ertheilen, bis die Bundesverfassung und dann auch die unsrige revidirt sein werden. Kloß, Fiechter von B., Thürkauf, Gürtler, Thierarzt Meier, Häner sind gegen Ertheilung von Bewilligungen. Graf und Bußinger zeigen, daß der Landrath nicht zu entscheiden habe, ob die Bundesversammlung kompetent oder nicht kompetent gewesen sei, den Vertrag abzuschließen, so wenig ob es eine Verfassungsverletzung sei oder nicht; diese Frage sei entschieden und der Vertrag in Kraft. Frankreich verlange nun, daß man seinen Juden, die darum nachsuchen , die Niederlassung gewähre. Es kümmere sich nicht darum, ob dies mit unserer Verfassung im Widerspruch stehe. Weigern wir uns, so wird Frankreich Mittel haben, dem Vertrag Nachachtung zu verschaffen. Wir können bei unserer Renitenz nichts gewinnen, sondern uns nur blamiren. Hrn. Thürkauf, welcher gesagt hatte, auch unsere Nationalräthe hätten zur Annahme des Vertrages mitgeholfen, erwidert Graf, daßes nicht wahr sei, indem er dagegen gestimmt. — Die Blamage, von der Herr Graf spricht, ist eine dopelte, erstens über den engherzigen Geist, den Nichts aus dem, wegen seiner Judenfeindseligkeit berüchtigten Baselland bringen'kann, und dann, daß dieses Kantönlein den Vertrag mit Frankreich verletzen will! Frankreich. Paris, 2. Sept. Am 30. August fand in Estagel bei Perpignan die feierliche Enthüllung der bronzenen Statue des berühmten Arago Statt. Das Fest war ein vollständig offizielles. Die Gebrüder Pereire, welche Deputirte in dieser Gegend sind, haben einen großen Theil der Unkosten getragen und auch das Bankett von 150 Gedecken, das bei dieser Gelegenheit gegeben wurde, bezahlt. Mehrere Reden wurden gehalten, unter Anderen von Michel Chevalier, Isaak Pereire rc. Paris, im Sept. Die Arch. isra61. melden, daß in Paris ein Comitä sich zu bilden im Begriff sei, um die wichtigsten Werke der jüdischen Literatur, die in Deutschland erschienen sind, in's Französische zu übersetzen^ und sie zu wohlfeilen Preisen zu verbreiten. Das erste Werk soll Gr ätz' Geschichte der Juden sein. Wir wünschen der Sache den besten Erfolg!

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