Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1865)
- Date
- 1865-09-12
- Page
- Seite 571 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226511--23329-3250632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gen Tag die Hauptsynagoge genannt — eingeweiht. Es erscheint nicht unangemessen, bei diesen gegenwärtig lebhaft hervortretenden Erinnerungen auch eines denkwürdigen Ereignisses aus jener alten Zeit Erwähnung zu thun. Am nv2 bw ynriN.— (IS. April h. a.) — vor 150 Jahren empfing genannte Synagoge den Besuch des damaligen Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm I. Derselbe erschien am nvs bia ynn« 5475 (1715) in der Synagoge während des Morgengottesdienstes, begleitet von den Ministern, dem Hofstaat und dem damals erst 3 Jahre alten Kronprinzen, dem nachmaligen König Friedrich dem Großen. Der König erkundigte sich genau nach allen Einzelheiten, zeigte sich überall befriedigt und verlangte es ausdrücklich, daß die zum Gebet Versammelten vor ihm ebenso wie vor Gott „bedeckten. Hauptes" stehen möchten!! König Friedrich Wilhelm I. schenkte aus Veranlassung dieses Besuches der Synagoge einen prachtvollen Vorhang für die heilige Lade, denselben, welcher noch gegenwärtig am Feste der Gesetzesfreude und bei patriotischen Feierlichkeiten seine Stelle einnimmt. — Sobernheim, 25. August. (Eingesandt.) Welcher Pädagoge unterschriebe nicht bereitwilligst das so präcise, den Ausdruck der Wahrheit und Gewissenhaftigkeit in sich tragende Urtheil des ehrenwerthen Herrn Redacteurs, des Vertheidigers alles wahrhaft Edeln und Guten, über das Prüsungsresultat der Münster'- schen Vereinsschule? Ja, er hat richtig geurtheilt, das Ergebniß der diesjährigen Candidaten-Prüfung zu Soest, in welcher von sieben Zöglingen des Münsterschen Seminars drei durchgefallen und die vier andern mit No. 3, der niedrigsten Censur, eben durchgekommen sind, sagt nichts weiter, als daß Herr Dr. Philippson zwar kein Prophet, doch ein auch in der Pädagogik Wohl bewanderter, scharf beobachtender und wahr urtheilender Gelehrter ist. Wie könnte es aber auch anders sein? Wer da weiß, wie die Pädagogik in Münster tractirt wird, wie ein Lesenlassen in einem Werke über Pädagogik den Unterricht in Pädagogik abgeben soll, und wer nun die gediegenen Seminardirectoren mit eigenem Urtheile, eigener Anschauung und Erfahrung, die in einem ordentlichen Seminare Pädagogik dociren, dagegenhält, der muß ein solches Resultat voraussetzen. Doch es wird, es muß ja besser werden, es sollen Notabeln aus beiden Provinzen zusammentreten, das Wohl der Anstalt zu berathen, dann werden auch einsichtsvolle Männer, tüchtige, wahrheitsliebende) wohlmeinende Lehrer in dieser Konferenz nicht fehlen. Gebe nur Gott, daß die Sache bald Ernst würde, dann wird dieses Institut, das nun dem Verfalle sehr nahe ist, noch einmal wieder aufblühen und das werden, was es bei Lebzeiten seines edeln Stifters, des hochherzigen Dr. Haindorf, zu fein angefangen, und wozu es fortschreitend herangebildet werden sollte. Alexander Cahn. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Aug. Der israelitische Prediger Dr. Jellinek ist in der jüngsten Sitzung des Wiener israelitischen Cultusvorstandes zum Nachfolger Mannheim er's in dem Bethause der inneren Stadt ernannt worden. — Die Concurrenzpredigten um die andere Predigerstelle werden erst im November beginnen. — Wie in Russ.-Polen, so kommen auch in Galizien in den Landstädtchen große Feuersbrünste vor, die namentlich die Israeliten hart betreffen., und ohne daß man der Brandstifter habhaft werden kann. Wien, im Aug. (Privatmitth.) Die Leser erinnern sich vielleicht, daß vor einiger Zeit von Bayern aus der Versuch gemacht worden, Gelder zu sammeln, um eine „streng katholische" Universität zu gründen, auf welcher nicht allein Lehrer und Schüler lediglich Katholiken sein, sondern auch sämmtliche Wissenschaften einen streng katholischen Zuschnitt erhalten sollten. Die Sammlung hatte einen sehr kläglichen Ausgang. Jetzt haben dasselbe Geschäft einige Gräfinnen aus Wien und Prag wieder ausgenommen, und diese Damen erließen einen Ausruf, in welchem sie über Wissenschaft, Staat und Universitäten zu Gerichte sitzen, und ihr Verdammungsurtheil über alle drei aussprechen. Ueber die Protestanten gehen die erlauchten Frauen mit Stillschweigen hinweg; desto feindlicher verfahren diese Vertreterinnen des schönen Geschlechts gegen die „Juden und Heiden." Wir heben aus dem Aufruf folgende Stelle heraus: „Im Allgemeinen, das ist ja eben die bittere Klage, die schwere Sorge — ist der Geist, der auf den Universitäten herrscht, kein .christlicher. Und wie kann es anders sein, wenn die Lehrämter vom Staat besetzt werden, der nach der modernen Theorie religionslos, also unchristlich sein soll. .Geht