Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1865)
- Date
- 1865-09-12
- Page
- Seite 570 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegner bald wieder in voller Thätigkeit zu erblicken. Wir dürfen nicht ermüden; wir arbeiten weniger für uns, als für unsere Söhne und Enkel. Was wir aber vor Allem thun müssen, das ist, daß wir nicht Gleiches mit Gleichem vergelten dürfen! Es ist so leicht, so ver-, führerisch, dem Voruriheile gegenüber vorurtheilsvoll zu werden. Das dürfen wir nicht. Wir würden uns an unserem besseren Selbst dadurch schädigen, an dem Glauben an die Menschheit; wir würden auch die Vorurtheile gegen uns verdienen, und dadurch verstärken. Wir Knüffen unausgesetzt streben, unsere Mitbürger vom Gegentheil dessen zu überzeugen, wessen man uns zeiht; unsere Erscheinung und unsere Handlungsweise müssen das beste Zeugniß für uns ablegen. Ich weiß sehr wohl-, daß dies Alles in sehr vielen Fällen uns nichts nützt, und daß-ein ganzes Leben voll Ehrbarkeit, Rechtschaffenheit und Wohlthätigkeit, eine ununterbrochene Reihe von uJi-pp uns nichts hilft, und bei der ersten Gelegenheit der verhaltene Haß, so unverdient er auch sei, zum Vorschein kommt. Es sind mir Beispiele der grellsten Art bekannt. Aber alles dies darf uns nicht zurückhalten, unser Streben darf nicht ermatten, unser Weg ist uns aufs Bestimmteste vorgezeichnet. Ja, vergessen wir nicht, daß ,man uns selbst wider unseren Willen eine Solidaritätwenigstens in dem, was man uns Tadelnswerthes zuschreibt, auferlegt; so suchen wir dieses um so sorgfältiger zu vermeiden, und vereinigen wir uns in dem Bestreben, durch humanes und patriotisches Wirken, durch gute Werke ^und nützliches Schassen, durch Verbesserung der Sitte und Veredlung des Charakters unsere Gegner zu Schanden zu machen. Dann können wir das Uebrige getrost der göttlichen Vorsehung überlassen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, im August. (Privatmitth.) Der außerordentliche Umschwung, der gerade in Leipzig gegen frühere Zeiten bezüglich der Juden stattgesunden, geht daraus hervor, daß jüngst in derhiesigen Stadtverordnetenversammlung der Antrag gestellt wurde, bei dem Staatsministerium zu petitioniren, daß fortan hinsichtlich der Niederlassung .kein Unterschied aus konfessionellen Rücksichten mehr gemacht , und daher die, die auswärtigen Juden betreffenden Beschränkungen aufgehoben werden. Dieser Antrag ging nicht allem einstimmig bei der Stadtverordnetenversammlung durch, sondern der.Magistrat schloß sich ^demselben an und so ist das Gesuch nach Dresden abgegangen. Verden, im Aug. (Privatmitth.) Der Geist der Unduldsamkeit herrscht hier noch so sehr, und bethätigt sich so sehr durch die Schuljugend, daß der wackere Religionslehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr L. H. Sommer, es für nöthig erachtete, dagegen öffentlich in der „Verdener Obergerichts-Zeitung" aufzutreten und die Lehrer in den Schulen dafür verantwortlich zu machen. Er sagt unter Anderem: „Bereits erwachsene Knaben, dem Gymnasium und der Bürgerschule angehörend, finden ihr boshaftes Vergnügen daran, den jüdischen Gottesdienst an den hohen Festtagen der Juden zu stören. Unterzeichneter, der in Hildesheim und Lüneburg gelebt und dort nie jenes „Hep Hep" und Judenschimpfen der alten Zeit gehört, hat hier von ruchlosen Buben, jenen Schulen angehörend, fast täglich ähnliche Jnvectiven, auf öffentlichen Straßen und Plätzen zu ertragen. Gewiß bedarf es nur dieser Zeilen, daß von Seiten der betreffenden Lehrer diesem empörenden Treiben der ihnen anvertrauten Jugend Einhalt gethan werde. Man predige Toleranz und Humanität, denn das sind die Fundamente alles Segens unter der Menschheit. Ehre und Achtung jeder religiösen Meinung! will man sie bekämpfen, dann thue man es würdig in Wort und Schrift. Belehrt die Jugend in allem Wissen und bildet sie wahrhaft an Herz und Gemüth." Preußen. Berlin, im April. (Hebr.) Die hiesige Gemeinde, im Jahre 1671 begründet, gelangte erst in den ersten Deeennien des vorigen Jahrhunderts zu ihrer eigentlichen Constituirung. Ihre religiösen Vereine, als der der Krankenverpflegung, der für den Frühgottesdienst, die Chebrath Mohalim feierten erst jüngst das 150ste Jubeljahr ihrer Stiftung; ebenso wurde erst kurz vor dem Neujahrsfest 5475 (September 1714) die alte Synagoge in der Heidereutergasse, bis auf den heuti-