Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1865)
- Date
- 1865-09-05
- Page
- Seite 553 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sss Literarischer Wochenbericht. Bonn,!0. August. Angekommen: Spruchbuch. Eine Sammlung von Bibelsprüchen zum Gebrauche bei dem Religions-Unterrichte in den israelitischen Schulen. Auf Veranstaltung der k. württ. israel. Oberkirchenbehörde. Dritte verbesserte Auflage. Stuttgart, Hallberg'sche Verlagsbuchhdlg. 1865. Das Buch (128 S.) ist eine treffliche Sammlung von Sprüchen aus der heiligen Schrift und dem Buche Sirach, theils der Geschichte Israels angepaßt, theils für den Religionsunterricht nach dessen Abtheilungen und Rubriken geordnet. Die Wahl der Stellen ist überall aus guter Einsicht und umfassender Schriftkenntniß geflossen. Das Buch kann daher jedem Religionsunterrichte zu Grunde gelegt oder als ein Hülfsbuch benutzt werden. Trotzdem es bereits jetzt die 3. Auflage erfahren hat, ist es doch bei Weitem nicht so verbreitet, wie es verdient, und .empfehlen wir es um so mehr den Lehrern, als es auch nach den verschiedenen Alters- und Lehrstufen geordnet ist und das brauchbarste Material heranbringt. — Die noch vor einem Iahrzehend so oft wahrgenommene Klage über die Vernachlässigung des hebräischen Schriftthums kann iy der Gegenwart gerechter Weise nicht mehr ausgesprochen werden. Die Menge jüdischer Zeitschriften, die jetzt erscheinen und zum Theil weiter Verbreitung sich erfreuen) die meistens schön ausgestatteten Editionen alter und oft bisher ungedruckter Schriften und die verhältnißmäßig reiche neuhebräische Poesie geben davon Zeugniß, daß die hebräische Sprache und Literatur von Neuem eine tüchtige Pflege genießt und sich zu neuer Blüthe entfaltet. Allerdings sind cs in dem zuletzt berührten Zweige zumeist Uebersetzungen, die uns gebracht werden. Doch wenn dies von keinem Aufschwung des ursprünglich poetischen Geistes zeugt, gehört dennoch eine große Gewandtheit, eine meisterliche Handhabung der Sprache und tieferes Verstau dniß der Dichterwerke dazu. Kaum hat uns der Herr Dr. Max Letteris eine nach Verhaltniß der Schwierigkeiten überraschend gelungene des Goethe'schen Faust geliefert, so bietet er uns jetzt im Verlage der für das hebräische Fach sehr thätigen Buchhandlung von Jacob Schloßberg in Wien eine treffliche Uebertragung der „Ahnenbilder" von Ludwig Aug. Frankl, welche jeder Freund dieser Literatur mit großer Befriedigung aus den Händen legen und die deshalb, unterstützt durch die würdige Ausstattung,, sich einen weiten Leserkreis erwerben wird. In der nächsten Zelt ist von dem Hebraisten Simon Bacher, der die höchst gelungene hebräische Bearbeitung des Drama „Jojachin" von Philippson geliefert hat, eine.solche von „Nathan dem Weisen" zu erwarten, und man wird gerade in der Wahl dieses Stückes einen sehr glücklichen Griff erkennen. — „Israels Geschichte von der Zeit des Bibel-Abschlusses bis zur Gegenwart". Für Schüler jüdischer Lehranstalten, höherer Bürgerschulen und Gymnasien, für Familien und Schulbibliotheken von EManuel Hecht. Mit einem Vorworte von vr. Ludwig Philippson. Zweite Auflage, vermehrt und verbessert Don vr. M. Kayserling. Leipzig, Baumgärtner's Buchhdlg. 1865." Dieses sehr angemessene Geschichtsbuch hat sich in den Händen der Lehrer und Schüler bewährt und eine große Verbreitung in den Schulen gefunden. Dem Bearbeiter'der 2. Ausl. war aber dadurch geboten, das Buch möglichst in seiner bisherigen Gestalt zu lassen. Mit anerkennenswerther Sorgfalt hat vr. Kayserling die eingeschlichen Irrungen verbessert) und davon giebt jede Seite Zeugniß; auch einige Abschnitte hinzugefügt, wie die „Amoraim", „Menasse ben Israel", und den letzten Abschnitt von Mendelssohn an bis jetzt völlig neu gearbeitet. Das Buch ist dadurch um 24 Seiten gewachsen, aber ungleich mehr an Brauchbarkeit. Wir können es daher mit bestem Gewissen empfehlen. Glücklicher Weise ist das Bedürfniß nach dem Geschichtsunterrichte ein unumgängliches geworden, und wir müssen uns freuen, es immer mehr nach den verschiedenartigsten Stufen befriedigt zu sehen. — Verhältnißmäßig ist die jüdische Zeitpresse jetzt am meisten in Nordamerika vertreten, wo auf die viertel Million Juden an acht Journale kommen, von denen zwei zum größten Theile in englischer, zum kleineren Theile in deutscher Sprache abgefaßt sind, eins ganz deutsch, die andern ganz englisch. Zu den ersteren gehört das seit fünf Jahren in New-Aork erscheinende „Jewish Record“, das gegenwärtig in die Redaction der Herren I. Bon di und I. P. Salom o n-übergegangen ist uud den Titel „the Hebrew'Leader“ angenommen hat. Durch den Hrn. I. Bondi ist jedenfalls ein bedeutendes jüdisches und talmudisches Wissen für die Redaction nordamerikanischer Blätter, die hieran gerade keinen besonderen Ueberfluß hatten, gewonnen worden.