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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-09-05 · Heft 36 (5.9.1865) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 36 (5.9.1865)
Date
1865-09-05
Page
Seite 552 (sequence 4)
Language
German
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m gionsunterrrcht, den sie selbst der Jugend geben, es durch die theologischen und wiffenschaftkichen Schriften, die sie verbreiten, zum Derständniß bringen, dasist die Mission, welche sich das. deutsche Rabbinat zuertheilt hat. Ich glaube daher nicht, daß es vor dem französischen oder italienischen Rabbinat zu erröthen hat. Dr. Samuel Hirsch, Großrabbiner. Breslau, 22. August. Wie Seth Luser an den hohen Festtagen. Ein ernstes Wort an unsere Glaubensgenossen in großen Städten. Die hohen Festtage werden bald wieder an uns herantreten, an denen, ein Jeder, auch der Nichtceremonielle, das Gotteshaus besucht,, und dieses an allen größeren Orten gewöhnlich so überfüllt ist, daß ein Theil der Einheimischen und die meisten Fremden, namentlich junge Leute, conditionirende und studirende, in Privatbethäuser gehen müssen, um dort ihre Andacht zu verrichten. Zwar werden in den größeren Städten, wie Berlin und Breslau, gegenwärtig große Synagogen gebaut; allein selbst wenn diese vollendet sein werden, werden sie auch nicht alle Gemeindeangehörigen fassen können, und heute, wo sie noch nicht benutzt werden können, ist es gewiß unumgänglich nothwendig, dem Mangel an Plätzen in Hey öffentlichen Synagogen durch Privatbethäuser abzuhelfen. Hier aber ist der Punkt, auf den wir unsere Leser aufmerksam machen wollen, nämlich darauf, daß die Gemeindevorstände selbst für die hohen Festtage Lokale zum Beten miethen müßten, um den Gemeindeangehörigen, die-in den öffentlichen Synagogen keinen Platz mehr bekommen können, gegen Zahlung eines bestimmten Eintrittsgeldes ein Betlokal zu verschaffen. Der Vorstand könnte auch für einen Prediger und Kantor, deren sich ja in größeren Städten stets einige aufhalten, sorgen und somit, dem Publikum eine dem Gottesdienste in der Hauptsynagoge wenigstens ähnliche Andacht verschaffen. Diese kleine Sorge würde wohl jeder Gemeindevorstand übernehmen, ihm würde es eine Kleinigkeit sein, in einer großen Stadt ein anständiges Lokal für den besagten Zweck zu finden, und es würde hiermit einem Mißbrauch yorgebeugt werden, der, man verzeihe den Ausdruck, über alle Maßen entwürdigend ist. Geldgierige Spekulanten benutzen nämlich die Verlegenheit derer, die in den Synagogen keine Plätze mehr bekommen, richterr ein Zimmer zum Betlokal ein und veranstalten einen Gottes^ dienst, der an Unruhe- und Unregelmäßigkeit selbst den des ärgsten polnischen Dorfes übertrifft. Es versteht sich daher von selbst, daß die jungen Leute namentlich, die nur an diesen drei Tagen das Gebetbuch zur Hand nehmen, immer mehr Abneigung und Widerwillen gegen das Gebet empfinden müssen, wenn sie es auf eine so schmähliche, allem Anstande hohnsprechende Weise, verrichtet sehen, Und zuletzt nur der Form wegen hingehen , um nur dagewesen zu sein, weil es die Eltern wünschen. Diese hier gerügten Uebelstände sind schon bedenkenerregend genug und der Berücksichtigung von Seiten der Gemeindeoberhäupter werth; sie stehen aber noch weiter zurück hinter einem andern Uebelstände, her ein w a h r e s u n g l ü ck, ein himmelschreiendes religiöses Vergehen, das jeden Gesitteten und Gebildeten wahrhaft empört, genannt werden muß. Es besteht darin, daß nicht selten zu solchen Hülfsbetlokalen keine anständigen Lokale genommen werden, sondern verrufene, unanständige Kneipen und Tanzsäle*), in denen allabendlich die verworfensten Dirnen hausen. Es ist in der That zweifelhaft, ob man es traurig und jämmerlich, oder abscheulich nennen soll, daß Leute iu den Räumen, in denen sie ihren Lüsten fröhOu, den Jom Kippur abhalten sollen. Diesem kläglichen Zustand muß abgeholfen werden, wenn nicht der Jom Kippur, der heutewenigstens noch für Me eine gewisse Bedeutung und Wichtigkeit hat, in der Folge für einen Theil unserer Glaubensgenossen verloren gehen soll. Religionsgenossen, Juden! Strebe ein Jeder nach Kräften dahin zu wirken, daß diesem Uebelstände abgeholfen werde. Meidet derartige Privat-Bethäuser und betet am Jom Kippur lieber zu Hause!**) . A. H S. . . r. *) Wir führen des Beispiels halber an: In Berlin: die Walhalla; in Breslau: das auf der Siebenkursürstenseite belegen« O.'sche Lokal; in Posen: das Odeon U. s. w, Corresp. **) Wir können auch unsererseits diese Angelegenheit . nicht dringend genug der Aufmerksamkeit empfehlen. Allerdings ist sie Sache der Gemeinde- und Synagogenvorfiände. Wo diese aber zu indolent sind, da müssen sich Einzelne ihrer annehmen und Rath schaffen. Es ist schlimm genug, daß sich Leute finden, die in solche Lokale zum Gebet gehen, und — dafür noch zahlen! Redact.

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