Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1865)
- Date
- 1865-09-05
- Page
- Seite 554 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Dresden, 17. August. Das „Dresd. .Journal" giebt einen ausführlichen Bericht über das Leichenbegängniß des Dr. W. Wolfsohn, aus welchem wir Folgendes hervorheben: Gestern Nachmittag fand das feierliche Leichenbegänguiß des in. der Blüthe der Jahre aus unserer Mitte geschiedenen Dr. Wilhelm Wolfso hn (W. wurde geboren am 20. October 1820) statt. Von der Ächtung und Liebe, welche'der Verstorbene genoß, zeugte auch die zahlreiche Begleitung zu seinem Grabe auf dem israelitischen Friedhofe. Außer vielen seiner Glaubensgenossen und einer großen Anzahl von Vertretern der Wissenschaft, Literatur und Kunst, die dem Verstorbenen im Leben theils mehr, theils minder nahe gestanden, hatten sich dem Conducte u. A. auch die Herren geh/Regierungsrath, Comthur rc. Häpe und Bürgermeister Dr. Hertel angeschlossen. Der „Literarische Verein" war beinahe durch alle seine zur Zeit hier anwesenden Mitglieder, das königliche Hoftheater durch Herrn Hofrath Dr. Pabst und eine Anzahl seiner Mitglieder vertreten. Der genannte Verein wie die Hofbühne hatten außerdem Lorbeerkränze aus weißen Atlaskissen gespendet. Der Zug bewegte sich in der durch den israelitischen Ritus vorgeschriebenen Einfachheit nach dem Friedhofe, wo zunächst Herr Oberrabbiner Dr. Landau die Verdienste Wolfsohn's als Mensch und Jude rühmte und sein Verhältnis zum Deutschthum wie zur Freiheit in längerer Rede erörterte. Hierauf ergriff Herr Adv. Judeich das Wort und widmete dem Entschlafenen im Namen des „Literarischen Vereins" einen Nachruf, der so begann: „Der Dichter kommt und geht wie der Frühling. Wer sagt es,, wann und wo die erste Blume blühte? und ehe die letzte volle Rose ihren Kelch entfaltet, ist der Lenz dahin! „Wer sagt es, edler Wolfsohn, wann und wo zum ersten Male Dich die Muse anlächelte? War es damals, als den Jüngling in Odessa das Verlangen erfaßte nach deutschem Wissen und Leben, so daß er den schönen Himmel des Südens, den orientalischen Zauber der Umgebung mit der ernsten Pflanzstätte des Geistes, Leipzig, vertauschte? War es damals, als Aeskulap seinen Jünj ger verlor, der sich der Philosophie und dem Studiuml des classischen Alterthums in die Arme war? Damals, als Lessing's Ideen an den feingebildeten Kopf unsers theueren Verstorbenen herantraten; Lessing's, der ihm Vorbild und Stütze wurde für das ganze Leben? Wer könnte völlig wes Dichters Herz bis in seine Ausgänge ergründen? Wir sehen Wolfsohn vor uns plötzlich als Kritiker, Kulturhistoriker und Dichter; wir folgen seinem Wirken in dem Bewußtsein, daß er bald Höheres leisten werde, und siehe, schon strömen uns zu die Gedanken und Bilder von: „Zar und Bürger", „Nur eine Seele", von der „Osternacht." u. s. f. Nachdem alsdann Herr Advocat Emil Lehmann den Verstorbenen in gebundener Rede gefeiert, legte Herr Hofrath Dr. Pabst mit folgenden Worten und im Aufträge der königlichen Generaldirection des Hostheaters den von diesem gespendeten Lorbeerkranz auf den 'Sarg: „Wenn ich an Deinem Grabe, verklärter Dichter und Freund, lediglich meinem Herzen folgen dürfte, so müßte auch ich Dich preisen, den Dichter, den Redner, den Menschen.' Alsdann aber würde ich nur wiederholen können , was von hochwürdigen und beredten wie von befreundeten Lippen zu Deinem wohlverdienten Lobe der Wahrheit gemäß bereits vor mir verkündet wurde. Wollte ich nur meinem Herzen folgen, dann müßte ich auch die Freundschaft preisen, die Du, Verewigter, mir 18 Jahre hindurch ohne Wandel bewahrt hast. Jedoch nicht als Redner trete ich heran an Dein letztes Ruhebett, verklärter Freund, vielmehr habe ich als Abgeordneter des königl. Hoftheaters die ehrende Pflicht zu erfüllen, auf Deinen Sarg den Zoll der Achtung für Dein dichterisches Streben und Wirken, den wohlverdienten Lorbeer niederzulegen. Indem ich dies vollbringe, rufe ich ein „liave pia anima!“ als letzten Gruß Dir nach! Wandte fortan unter den Palmen ewigen Friedens, im Schauen der Sonne, die niemals untergeht! Amen." Der einfache, aber tiefergreifende Traueract schloß sodann mit der Versenkung der irdischen Hülle des Dichters in den kühlen Schooß der Erde. Preußen. Berlin, 22. Aug. An der hiesigen Börse ist heute folgender Antrag von der Mehrzahl der Betheiligten bereits angenommen worden: „Wegen des auf Samstag den 30. Sept. fallenden höchsten jüdischen Festtages sind die Unterzeichneten übereingekommen, daß die Regulirung und Lieferung aller auf per ultimo Sept. e. gemachten Geschäfte Montag, 2. Okt. Statt finden soll." Das Rundschreiben wird, nachd.em Hamburg bereits mit dem Beispiele vorangegangen ist, allgemeine Theilnahme