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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-29 · Heft 35 (29.8.1865) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 35 (29.8.1865)
Date
1865-08-29
Page
Seite 538 (sequence 6)
Language
German
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jetzt hat ein Anderer es vörgezögen, die große Gemeinde Krakau zu verlassen' und um - ein Stücklein Brod.es eine Stelle in einer anderen Gemeinde anzunehmen. Auf diese Weise untergräbt man alle Autorität des Talmuds und füttert dafür Schamanen, deren ganze Thätigkeit darin besteht, dem wundersüchtigen Pöbel Amulette zu vertheilen. — So gern ich es möchte, wollte ich der deutschen Partei mehr Lob spenden, wenn sie nicht noch immer ihre Synagoge verwaist ließe, um das Gehalt für.den Prediger zu sparen, nachdem der geist- und wissensreiche Mises die Stelle wegen Mangels, an Unterhalt verlassen hat. — Wann werde ich im Stande sein, Ihnen von hieraus erfreulichere Mittheilungen zu machen? Aron Wollmann. Frankreich. ' Paris, im August. Der Divisionschef im Ministerium des Handels und der öffentlichen Arbeiten, Herr Legoyt, der als ein tüchtiger Statistiker bezeichnet wird, hat ein Memoire über die „Vitalität der jüdischen Rasse in Europa" veröffentlicht, deren Schlußfolgerung wir hier mittheilen wollen: „Wenn wir von -der Geistesverwirrung absehen, die man als nicht zu der Gruppe pon Krankheiten gehörig betrachten kann, welche die schwachen oder abgenutzten Organisationen betreffen, und die strenggenommen keine Ursache des Todes ist: hgben wir gesehen, daß alle durch unsere Sorgfalt zusammengestellten Urkunden eine außergewöhnliche Lebenskraft bei den Juden bekunden. Wie soll man diese merkwürdige Erscheinung erklären? Nachdem Dieterici ihr Vorkommen in Preußen erwiesen hat, glaubt er sie einer größeren . Mäßigkeit, einer regelmäßigeren Lebensweise, reineren Sitten zuschreiben zu müssen. Wir haben gesehen, daß dies gleichfalls, die Meinung der Doctoren Neufville, Glatter und Mayer ist. „Die Fälle von Trunkenheit," sagt Dieterici, „häufig bei den Christen, sind sehr selten bei den Juden." Diese Regelmäßigkeit, diese Strenge des jüdischen Lebens, diese größere Selbstbeherrschung scheinen ihre — wenigstens indirecte — Bestätigung in der Criminalstatistik Preußens zu finden, welche bei den Israeliten eine geringere Anzahl .von . Übertretungen des Strafgesetzbuches nachweift, >als bei den Christen, wie dies aus folgender Urkunde erhellt: & Einwohner auf einen angeklagten " 1857 1858 1861 Juden 172 138 150 Christen 111 117 129*) „Die geringere Sterblichkeit der jüdischen Rasse", sagt Doctor Glatter, „läßt sich, wenigstens vollständig, nicht durch rein biostattsche Umstände erklären; man muß den Ursprung derselben hauptsächlich im Einfluß der. Rasse suchen." „Die Juden," sagt Burdach (Physiologie V. S. 399), „liefern uns den Beweis, daß das menschliche Leben mehr Ausdauer durch Mühe und Arbeiten gewinnt, vorausgesetzt, daß die Arbeit nicht von der Natur sei, um den Muth zu brechen und die Willenskraft zu vernichten. Der größere Theil muß in der That in fast allen Gegenden Deutschlands als arm betrachtet werden, und trotzdem ist ihre Sterblichkeit geringer als die der Christen (1 Verstorbener auf 46 Juden und 1 auf 26 Christen in Breslau). Die Hauptursache dieses Unterschiedes liegt jedenfalls in dem Umstande, daß die armen Israeliten sich keine Sorgen wegen ihrer Armuth machen, die niemals ihre Fähigkeiten erdrückt." Was uns betrifft, ohne den Einfluß der Rasse zu leugnen (die uns indeß nicht erwiesen ist), würden wir gern die Ursachen des jüdischen Vorzuges in folgenden Thatsachen suchen: 1. Die Juden scheinen sich in einem früheren Alter als die Christen zu verheirathen. Sie genießen also längere Zeit des heilsamen Einflusses der Ehe; die officiellen Statistiken haben nämlich dargethan, daß in gleichem Alter die Verheiratheten eine geringere Anzahl Verstorbener zählen, als die Unverheiratheten. Von der andern Seite ist man berechtigt, zu glauben, daß in Gemäßheit der Klugheit, Zurückhaltung und Umsicht, welche sie in den wichtigsten Ereignissen des bürgerlichen Lebens charakterisiren, sie sich fast nur verheirathen, wenn sie den Bedürfnissen ihrer neuen Lage genügen können. Sie zählen also viel wenigere von diesen unüberlegten, vorzeitigen Vereinigungen^ *) In kriminalistischer Beziehung muß übrigens noch das Moment berücksichtigt werden, daß, wie wir in diesem Blatte schon öfter anzuführen Gelegenheit gehabt, betreffs der groben Verbrechen, wie Mord, Todtschlag, Raub u. s. w. das Verhältniß für die Juden noch ungleichgünstiger ist, und sich die allgemeine Zahl der Verbrechen bei ihnen meist auf Vergehen gegen das Eigenthüm in Handel und Wandel beschränkt. Red. d.A.Z. d. I.

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