Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1865)
- Date
- 1865-08-29
- Page
- Seite 536 (sequence 4)
- Language
- German
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M m, »dMA et tat mfk MLtt, H Me MtÄchta oft LM NfttzekkägteN, Md dernommen Habe , baß 8r rin Gckliläer ftr, Jesus zum He'rodes, welchem Galiläa gedieser ihn aber, als Jesus auf feind Fragen gär Nicht geantwortet, zu Pilatus zürückgeschickt hübe. Noch tfftntdl habe hierauf der Landpfieger dem Volke die Uüschulö Idsü vbrgestellt uUd gefügt, daß er ihn Kchtigeft Uttd daUft lostzeben wolle, aber das Bölt^ver- WAgetke 'z&, Uttb PilatUs thüt dies zum dritten Male, x ttftb -fcotö Volk wollte wiederum nicht. Da beschloß Pilcstftsdüss Nach seinem Verlangen geschehen sollte. Nach Johannes' 18 habe Pilatus anfangs zum Volte gesagt: „Nehmet ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetze! Die Inden flachen nun zu ihm: Uns ist nicht erlaM, jemand hinzurichten l'" '(Müßten dies die Judift eist deck römischen Laüdpflegtr sagen?) Der Evangelist wiederholt mehrereMals, daß Pilatus sich vor dem Volke gefürchtet, UNd deshalb die Hinrichtung beföhlen hübe. Ja, er habe Jesum geißeln lassen und ihn iN dieser Entstellung dem Volke vorgeführt, um besten Mitleid zu. erregen^ aber vergebens. ' Die beiden Offenbaren Widersprüche bestehen nun erstens iit diesem Haffe und Mutdurste des jüdischen Völkes. Dasselbe Völk, welches am Tage zuvor dem -Jesus den festlichen Empfang bereitet und in der entschiedensten Mise gehuldigt hatte, vor welchem sich der PMster, das Shnedrium Und die Pharisäer gefürchtet Ift&ert, Hand üft Jesus -zu legen , bas diesem die Macht Webeft, iM 'Tempel äls Herr aufzMeten Und den ganzen Schwarm von Händlern und Verkäufern aus den Höfeft hmaüszUtreibeN, dasselbe Volk steht am andern Tage vor dem Richterstuhle des römischen Land Pflegers Mit dem fürchterlichsten Rufe nach dem Tode Jesu, weist jede Vorstellung, jedes Mitlnd zurück, zieht die Freige- HUNg eines „berüchtigten Räubers" vor, Md ruft 'lieber deh Much aüf sein Md 'seiner Kinder Haupt herab'! Hierbei ift Wohl zu bemerken, daß das VÄk jenen TtiUÄPh deck Völksredner und Messias bereitet hatte, Älfd Wohl gewußt haben Mußte, was es thue. So wechselnd 'sonst auch die Stimmung einer Volksmüsse ist, hier siegt bin Widerspruch, der das 'Factum als unwtihr Mückwekst. Noch größer wo möglich ist der zweite, btttzPilattks, der, wie wir gesehen, Unbeugsam und hart, Wölbst ift MittitzfleiteN, das jüdische Volk verachtete und hüsste -UUd bei jeder Gelegenheit es iu grausamster Werfe behaft'velte, 'der fede Volksbewegung, jede Ztisammen- Mküntz iofit ffürchkbarer Stvettge ahndete und nieder- . dtüchte, hier MS der schwächste FeiMg erscheint, und deinen Menschen, den er öffenAch für unschuldig -erklärtden er immed wiederholt zü retten sich anstreugt» aus das wüste 'Geschrei des zusammengelaufenen Pöbels seinen KriegsknechtL'N zür scheußlichsten Verhöhnung und zur Martervollsten Hinrichtung übergiebt. Ja, wäre Pilatus wirklich ein solcher Feigling gewesen, wie durfte er die Würde seines Amtes, das Ansehen der römischen Herrschaft in solcher Weise preisgebett? Hätte er, wenn er dem Volke aus Furcht vor diesem hätte nachgeben wollen- Nicht wenigstens den Schein retten müssen, so daß er seine und der römischen Gewalt Schwäche nicht durch die immer wiederholten Versuche, das Volk umzustimmen- Nicht durch die immer wiederholte Behauptung, der Manu fei unschuldig, um so offenbarer -gemacht hätte?. Nicht Nur als erbärmlicher Schwächling stellt er sich Äos, der aus Furcht sich zum Henkersknechte eines Unschuldigen machte, sondern auch als-den kläglichsten Vertreter der römischen -Gewalt. Dieses einzige Motiv, schon hätte hingereicht, wenn er IesuS steigegeben, ihn -vor den römischen Machthabern zu rechtfertigen, falls man -ihn hätte beschuldigen wollen, einen'Aufrührer gegen die römische Herrschaft verschont zu haben. Aber das gerade Gegeütheil fand ja statt Pilatus wurde der schonungslosen Härte gegen die Juden angeklagt, und darüm von Vitellius nach -Rom gesandt, sich zu rechtfertigen, während Bitellius alle mögliche Nachsicht und Zuvorkommenheit gegen die Juden übte!*) Vielmehr ist auch hier geschehen, was immer zu geschehen pflegt, daß man in dem Eifer, den Glauben an eine Sache zu stärke«, zu Mit geht, und ihn dadurch selbst widerlegt. ES ist offenbar, daß man die Römer von der Schuld an dem Tode Jesu 'freisprechen, und diese gänzlich aüf die Juden werfen wollte. Die Römer mußten daher nur aus Furcht vor dem jüdischen Volke die Hinrichtung widerstrebend vollzogen haben. DeNn da die 'ohnmächtige Partei der Synedristen und Pharisäer den Römern diese Furcht nicht einflößen konnte, so mußte das jüdische Volk, der tobende Pöbel dabei stguriren; je mehr man die Versuche der Römer, ihn zu vetten, verlängerte, desto schuldloser erschienen diese, desto schuldiger die Juden; Träume, Händewaschen, 'Verfluchung wurden zu Hälft genommen, um die Schuldlosigkeit der Römer und den Frevel der Juden zu verstärken. Aber man sah nicht, daß man 'sich zwar dadurch solchen, welche 0 Jöseph. Atitiqu. XVIH, 4, 3.