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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-29 · Heft 35 (29.8.1865) · p. Seite 535

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 35 (29.8.1865)
Date
1865-08-29
Page
Seite 535 (sequence 3)
Language
German
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axtifinrjg Mai {itva rov avfradovs u/ueiAnaog Legat; ad Gaj. ed. Hoesch. p. 1034.). Er erzählt nämlich, daß Pilatus als Landpfleger von Judäa nicht sowohl zu Ehren des Tiberius als aus Haß gegen das Volk goldene Schilde in den Palast des Herodes in' Jerusalem gewidmet habe, auf denen zwar kein Bild, wol aber die Inschrift des Widmenden und dessen, dem sie gewidmet waren, eingegraben standen. Als dies bekannt wurde, habe man ihn von allen Seiten gebeten, diese Neuerung zu beseitigen und die väterliche Sitte nicht zu verletzen; er habe aber sie rauh abgewiesen und die Bitte nicht erfüllt.' Nur einmal gab er den Juden nach, nicht aber aus Furcht, sondern weil die Ursache mit den zu erwartenden Folgen in keinem Vergleich stand. Er hatte nämlich sein Heer aus Cäsarea nach Jerusalem in die Winterquartiere gebracht und ließ das Bild des Kaisers auf den Feldzeichen voran in die Stadt tragen und aufsiellen. Da dies gegen das jüdische Gesetz verstieß, hatte es bis jetzt kein römischer Landpfleger gethan. Das Volk lief schaarenweise nach Cäsarea und lag ihn mehrere Tage mit Bitten an, die Bilder doch anderswohin bringen zu lassem Er wollte nicht nachgeben, und ließ die Soldaten heimlich sich waffnen, die Juden umzingeln und drohte nun mit augenblicklichem Tode, wenn sie sich nicht ruhig nach Hause begäben. Die Juden jedoch warfen sich zur Erde, entblößten den Hals und erklärten, sie wollten viel lieber sterben, als Etwas zulassen, das ihren Gesetzen zuwiderlaufe. Pilatus wollte es nicht auf dieses Aeußerste ankommen lassen, und ließ die Bilder nach Cäsarea bringen. Später zog Pilatus unter dem Vorwände, eine Wasserleitung bauen zu wollen, den Tempelschatz ein. Das Volk lief deshalb zusammen, und erhob ein wildes Geschrei. Pilatus jedoch schickte eine große Abtheilung von Soldaten in jüdischer Tracht mit Prügeln unter den Oberkleidern zerstreut unter den Volkshaufen, die so unbarmherzig auf die Schreienden losschlugen, daß Viele aus dem Volke umkamen. Diese Gewaltthat, sagt Josephus, brachte das Volk zum Schweigen (Antiqu. XVII'I, 3. B. Jud. II, 9, 2—4.). — Unter den Samaritanern brach -durch einen Betrüger eine Bewegung aus, um nach dessen Vorgeben auf .dem Berge Garizim die heiligen Gefäße auszugraben, welche Moses dort verborgen habe. Pilatus kam ihnen.zuvor und besetzte den Weg zum Berge mit Reitern und Fußgängern; diese hieben die Einen nieder, trieben die Andern in die Flucht und machten viele Gefangene, von denen Pilatus die angesehensten hinrichten ließ. Dies gab aber auch die Veranlassung zu seiner Entlassung. Die Samaritanet erklärten dem Vitellius, dem Statthalter von Syrien, daß sie nicht die Absicht gehabt, von den Römern abzufallen, und er ertheilte dem Pilatus die Weisung, sich nach Rom zu verfügen, um dort vor dem Kaiser wegen der von den Juden erhobenen Beschuldigungen Rede zu stehen (Antiqu. XIII, 4.). Erinnern wir hier nur noch an daS, was Johannes, wie wir eben angeführt, bei Gelegenheit der Inschrift über dem Kreuze berichtet, um den Pilatus in seiner Unbeugsamkeit und feinem Haffe gegen die Juden gezeichnet zu finden. Mit einem Worte, Pilatus war eine Kreatur des Sejan.^ Von einem solchen Charakter und bei dieser klar ausgesprochenen Tendenz war der Verdacht und eine begonnene Volksbewegung hinreichend, um den Pilatus zur Hinrichtung eines, des Strebens nach der Herrschaft über das Volk Beschuldigten zu veranlassen. Aus diesem Gesichtspunkte treffen wir nun in den Berichten der Evangelisten auf zwei große, unlösbare Widersprüche. Sie erzählen nämlich ausführlich, daß Pilatus Jesus für unschuldig erkannt und mit aller Macht dahin gestrebt hat, ihn zu retten, daß aber das jüdische Volk mit wildem Geschrei immerfort den Tod Jesu verlangt und Pilatus aus Furcht vor dem Volke diesem nachgegeben habe. Hierauf folgt die Mißhandlung und Hinrichtung durch die römischen Kriegsknechte. Nach Matth. 27 wollte Pilatus ihn dadurch retten, daß, da er auf das Fest dem Volke einen Gefangenen, welchen es wollte, loszugeben pflegte, er ihm einen berüchtigten Räuber und Aufrührer Barabbas und Jesus zur Wahl stellte, das Volk aber verlangte den Barabbas frei und die Kreuzigung Jesu. Pilatus stellte ihnen vor, daß Jesus ganz unschuldig sei, aber das Volk blieb bei seinem Rufe. Pilatus ließ sich Wasser bringen und wusch sich die Hände vor dem Volke, indem er sagte: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; ihr möget zusehen! Da antwortete alles Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Ja, er giebt noch ein Motiv mehr an, um Pilatus zu bewegen, Jesus zu retten, indem er erzählt, daß, als Pilatus auf dem Richtstuhle saß, seine Frau zu ihm gesandt und ihm sagen ließ: „Habe nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, denn viel habe ich gelitten im Traume heute um seinetwillen." Markus 15 erzählt dasselbe mit Auslassung des Traumes der Frau und des Händewaschens, nur daß er die Verhandlung des Pilatus mit dem Volke noch weiter ausdehnt. Lukas 23 berichtet, daß Pila- 35* .

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