Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1865)
- Date
- 1865-08-29
- Page
- Seite 534 (sequence 2)
- Language
- German
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Hierfür haben wir denHBeweis zu führen. Gehen wir zunächst auf die Hinrichtung selbst ein, so berichten uns die Evangelisten, daß nach der Verurteilung Jesu durch Pilatus die römischen Kriegsknechte ihm einen karmesinenen oder purpurnen Mantel anlegten, einen Kranz von Dornen auffetzten, ein Rohr in die Rechte gaben, vor ihm niederknieeten und verspottend ihm zuriefen: Sei gegrüßt, König der Juden! Als sie ihn aber an's Kreuz geschlagen, hefteten sie überfeinem Haupte als Aufschrift seiner Schuld die Worte: Dieser ist der König der Juden. (Matth. 27, 27—37, Mark. 15, 16—20. 26, Luk. 23, 38. Joh. 19, 2.) Nach Joh. 19,19 hatteMlatus diese Überschrift selbst geschrieben: „Jesus von Nazareth, der König der Juden"; die Juden wollten dies nicht, sondern: „daß er gesagt habe, ich bin König der Juden", Pilatus aber antwortete, „was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben." — Was geht hieraus hervor? Zweifellos nichts Anderes, als daß die Römer, Pilatus an der Spitze, Jesum als einen politischen Verbrecher gegen die römische Herrschaft hingerichtet haben; sie kreuzigten ihn als „König der Juden," sie verspotteten ihn als solchen durch Purpur, Krone und Scepter, sie machten hierin ihrem Hasse nicht blos gegen die Person Jesu, sondern auch gegen das jüdische Volk Luft. Aber nicht blos die Hinrichtung, auch die Verurteilung von Seiten des Pilatus geschah in keinem andern Sinne. Matth. (27, 11) berichtet, als Jesus vor Pilatus stand, befragte ihn dieser: Bist du König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Ebenso Mark. 15, 2., Luk. 23, 3. Nach Joh. 18, 37 sprach er zu ihm: Also du bist, ein König? und er antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. War aber nun Grund genug vorhanden, um Pilatus dahin zu bringen, Jesus dafür zu Hallen? Und war er der Mann, von welchem man sich einer Hinrichtung aus diesem Grunde versehen kann? — Alles, was uns aus dem früheren Leben Jesu berichtet wird, zeigt, daß er völlig ungestört und ohne irgend eine Anfechtung von Seiten der Jyden gelehrt hat, herumziehend in Galiläa, - Alles that und sprach, was ihm gut dünkte, ohne irgend einer Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein, im Gegentheil, daß er einen großen Anhang im Volke fand, und diejenigen, welche ihm feindlich gesinnt waren, ihn nur durch verfängliche Fragen vor dem Volke verdächtig zu machen suchten. Er zieht nach Judäa; er kommt nach Jerusalem, völlig unbehindert. Jetzt aber'hält er einen feierlichen Einzug in Jerusalem^ und zwar' dem Wortlaute einer alten Propheüe gemäß auf einer Eselin mit ihrem Füllen. Das Volk strömt ihm entgegen, breitet seine Gewänder auf den Weghaut Zweige von den Bäumen und streut sie vor ihm hin, und das voran- und nachströmende Volk ruft ihm Hosianna zu. Die ganze Stadt geräth in Bewegung und huldigt ihm. Er kommt in den Tempel und treibt Alle hinaus, die im Tempel Opfergegenstände kauften und verkauften, stößt die Tische der Wechsler und die Stühle der Taubenverkäufer um. Er hält Anreden an das Volk, Strafreden gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer und strebt in dem Volke den Glauben an ihn als den verheißenen Messias zu wecken. (Math. 21 f., Mark. 11 f., Luk. 19, 29 f.) Er findet bei dem Volke Glauben, denn, wie Luk. 19, 48 sagt, „das ganze Volk hing an seinen Lippen" und, obschon „die Hohenpriester und Schriftgelehrten Hand an ihn zu legen suchten, so fürchteten sie doch das Volk" und wagten es daher nicht (Luk. 19, 47. 48. 20, 19.). Bei solchem öffentlichen Auftreten und Einzuge, bei solcher Aufregung im Volke, die auf die Reden Jesu täglich anwuchs, war es eine natürliche Folge, daß der römische Landpfleger, wahrscheinlich durch Juden aufmerksam gemacht, dazwischentrat, sich Jesu bemächtigte und auf dessen eigenes Zugeständniß ihn verurtheilte. Es bedurfte hierzu eines Prozesses vor dem Synedrium und einer Theilnahme des Volkes durchaus nicht, einen solchen Ausgang der Dinge herbeizuführen. Alles was wir angedeutet finden, zeigt uns, daß die Bewegung des Volkes in Galiläa wie in Jerusalem augenblicklich eine ziemliche Höhe erreicht hatte, und die Lage der Dinge, so wie der Charakter des Pilatus waren solche, daß ein Einschreiten von Seiten des Letzteren nothwendig erfolgen mußte. Wir brauchen dem Geschichtskundigen nicht erst alle die Vorgänge zu erzählen, welche der Amtirung des Pilatus vorangegangen. Die Juden trugen nur unwillig das Joch der Römer; sie waren, äußerst gereizt und empfindlich, und zu Auftauf und Widersetzlichkeit geneigt. Pilatus selbst hatte von Anfang an. jede Schonung gegen die Juden außer Augen gefetzt, ihren Groll genährt, und -war jeden Augenblick bereit, die Gewalt der Waffen gegen sie zu gebrauchen und das Schwert über sie zu verhängen. Philo hat uns Lei einer Gelegenheit, die selbstverständlich mit unserem Gegenstände in gar keiner Beziehung stand, eine Schilderung seines Charakters gegeben. Pilatus, sagt er, „war von Natur unbeugsam undImit Grausamkeit unerbittlich" (yv yuQ %r\v qsvciv