Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1865)
- Date
- 1865-08-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein 35 29. Jahrgang. A l l g e m ei lk e unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. LudLyig Philippfyn in Bonn. Leipzig, den 29. August 1865. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in 1 lft hiS 2 Bogen. Preis de- Jahrgang- S Thlr. Halbjährig 1 Dhlr.^lSNgr. Vierteljährig 22'/pNgr. Inserate werden mit 1^/,Vgr. für die Petitzeile oder deren Kaum berechnet. Für gedxuchte Beilageq, die unz»»r Berhpeitßjpg durch diese Zeitung geliefert werben, berechnen wir Gebühren: für 1 Bogen 4 Thlr., für 1/i Bogen 3 Thlr., für Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-- Expeditionen nehmen Bestellungen ander Haupt-Expedition für beide Letzter« hat flch da- König!. Sächs. Hanpt-; ZeitungseBureap hier unterzogen. ' . 3 nhal t. Leitende Artikel: Haben, wirklich die Juden Jesum gekreuzigt? ' . ' ' ' Zeitungsnachrichtenr Deutsch land: Hannover. Dresden. Oefterreichischer Kaiserstaat: Krakau. Frank-, reich: Paris. Rußland: Nowogrodwolinsk.; Cörrespondenz: Briefe aus Rußland. II. — Leitende Artikel. Bonü, 20. August. H aben wirklich die Juden Jesuw gekreuzigt?*) IV. Aus dem Vorhergehenden und allen Details in den Untersuchungen, welche wir angeführt haben, ergiebt sich im Allgemeinen, daß wir 1) wohl berechtigt sind, die Akten zu revidiren und sie einer immer genaueren Prüfung zu unterwerfen, insbesondere wenn dies ohne irgend eine Gehässigkeit, in rein geschichtlichem und, wissenschaftlichem Geiste, ohne jede Beurtheilung von Glaubenssätzen, die von unserer Untersuchung ganz unabhängig sind , da selbst das Dogma der Erlösung nicht davon berührt wird, sondern nur in dem Sinne geschieht, zu 'untersuchen, ob der Vorwurf, der seit siebzehn Jahrhuv- *) G. No. 21, 22, 24, 28, . derten auf uns lastet, gerechtfertigt oder völlig zu beseitigen sei? 2) daß, wie. über die ganze. Lebensgeschichte, so insonders über deu Prozeß Jesu historische Dokumente gänzlich fehlen, daß wir darüber lediglich die Berichte der Evangelisten besitzen, und daß diese durchaus nicht als Geschichts--, sondern nur als Glaubensbücher anzusehen, indem sie nur aus dogmatischen Zwecken gegeben und gestaltet werden, daß die Abfasser der Evangelien keine Zeitgenossen Jesu gewesen, sondern über ein Jahrhundert später gelebt, und durch die Einkleidung ins Wunderbare und durch die vielen Widersprüche, die sich unter ihnen vorfinden,, auf historisch- Glaubwürdigkeit keinen Anspruch machen. Als historische Thatsache steht also.nur fest, was Tacitus Anoal. XV, 44, 4 sagt: Auctor nommis ßjns (Christianorum) Christus, qui Tiherip imperitajatp, ppr procuratorem Pentium Pilatum supplicio ajleetus erat. „Der Urheber des Namens der Christen ist Christus, der unter der Regierung des Tiberjus durch -en Pro- - curatyr Pontius Pilatus die Todesstrafe erlitt." Unsere Ansicht ist nun einfach die; daß, wenn mau den Bericht über den Prozeß ppr dem Shnedrium und die Einwirkung per jüdischen Bolksmasse auf die Hiyrichtung Jesu herausnimmt, an dpm ZusamWeuhavge und Lu per Mvtivirung durchaus nichts fehlt, und g-exade alle Widersprü che und Zweifelgehpbeu werden.