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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-22 · Heft 34 (22.8.1865) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 34 (22.8.1865)
Date
1865-08-22
Page
Seite 522 (sequence 6)
Language
German
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da oben jetzt kühl — nun, das ist eben die.gewöhnliche Erscheinun g in Folge solches Verfahrens, sei es auf politischem, sei es auf religiösem Gebiete. Auf der einsamen Höhe ist es— einsam. Breslau, 8. August. (Privatmitth'.) Die hiesige Universität-feierte am 3. August den Geburtstag ihres hohen Stifters, des um die Wissenschaft so verdienstvollen Königs Friedrich Wilhelm III. An diese Feier knüpftesich wie jährlich Bekanntmachung der Resultate der von den verschiedenen Facultäten gestellten Preisfragen. Unter den Preisgekrönten , waren zwei Juden. Herr stud. jur. Borcherd von hier löste die von der philologischen Facultät gestellte Preisfrage, Herr cand. ptnlos. Heinrich Groß aus Szenitz (Ungarn) die der philosophischen Facultät, welche über die' Leibnitz'sche Philosophie handelte. Herr Groß ist ein Hörer des jüdisch-theologischen Seminars und gehört zu denen, die am kommenden 27. Januar das Zeugniß der rabbinischen Reife erlangen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Aug. (Privatmitth.) Die 500jährige Jubelfeier der hiesigen Universität in den ersten Tagen dieses Monats war bekanntlich darauf berechnet, der Universität einen unbedingten katholischen Charakter wieder auszuprägen. Dennoch konnte es nicht vermieden werden, daß unter den Abgeordneten der auswärtigen Universitäten auch ein Jude sich befand, unp dieser gerade vielen Anklang fand. Die Univ. Bern hatte nämlich den Prof. Dr. Lazarus als ihren Abgeordneten gesandt, und als die Deputirten der fremden Universitäten am ersten Tage der Feier ihre Begrüßungsreden hielten, fand die des Prof. Lazarus einen außerordentlichen Beifall, so daß jeder Satz mit Applaus belohnt wurde, und als er geendet, der Präsident der Feier, Pros. Hhrtl (Anatom, aber sehr katholisch) ihn umarmte und küßte. Es war dem Juden Vorbehalten gewesen, zuerst in der Versammlung von per Einheit des deutschen Geistes zu sprechen, der auch die von Deutschland politisch getrennten Theile der deutschen Pation noch an dieses knüpft.— Unter den von. den Facultäten bei dieser Gelegenheit creirten Ehrendoctoren befand sich auch ein Jude Prof. Dr. Valentin in Zürich. — Wien, 10. Aug. (Privatmitth.) Norddeutschland hat es verstanden, die sogenannten Realgegenstände mit dem Gymnafialunterrichte zu vereinigen. Wien hat erst im vorigen Jahre auf Communalkosten zwei Real- Gymnasien errichtet. Dieselben , obschon christliche Lehranstalten, sind sofort größtentheils von Israeliten besucht worden. Für das nächste Schuljahr eröffnet Herr Blücher hier in Wien, Wipplingerstraße 10, eben ein solches Real-Gymnasium, jedoch mit der Vervollständigung, daß auch, hebräische Klassiker, Bibel und Talmud, daselbst ausgenommen sind. In Preußen, haben auch die christlichen Gymnasien das Hebräische; in Oesterreich hingegen ist dies eine neue Erscheinung und allerdings ein Fortschritt. Rußland. Aus Kurland, im Aug. (Privatmitth.) So sehr man auch in jüngster Zeit die periodische Presse von gewisser Seite her zu diskreditiren sucht, so bleibt sie dennoch ein wichtiges Vehikel des geistigen Lebens und von unermeßlicher Wirksamkeit; ja die Angriffe selbst, die man gegen sie schleudert, und die Maßnahmen, die man gegen sie trifft, erweisen erst recht chre Bedeutung. Wir können uns daher nur Glück wünschen, daß die Emancipationsfrage in Rußland zu den am häufigsten ventilirten Gegenständen der Presse geworden, und wenn da so mancher heftige und plumpe Angriff zu Tage kommt, so ruft dies im Gegensatz nur eine um so klarere unh energischere Vertheidigung hervor. Wir begegnen' unter Artderm in dem Maiheft der „Baltischen Monatsschrift" dem Aufsatze eines „Kurländers", dessen wir hier besonders gedenken müssen. Der Verfasser stellt fünfzehn Thesen als unbedingte Momente zur Lösung der Judenfrage auf, die wir hier dem Wortlaute nach wiedergeben, und welche meistens so klar und richtig sind, daß sie von selbst einleuchten; zu einigen wollen wir kleine Bemerkungen nicht vorenthalten. 1) Die Judenfrage ist nur eine Spezies derselben Gattung, welcher auch die übrigen großen Emanzipationsfragen unserer Zeit angehören, und kann nicht mit anderem Maße gemessen werden. Wer sonst liberal, aber in der Judenfrage illiberal ist, ermangelt der Logik. 2) Die jüdischen Glaubenslehren enthalten kein Hinderniß gegen die staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden.

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