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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-22 · Heft 34 (22.8.1865) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 34 (22.8.1865)
Date
1865-08-22
Page
Seite 523 (sequence 7)
Language
German
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523 / 3) Die Bedrückung der Juden ist Grund und Nahrung ihrer Sonderthümlichkeit. 4) Das wirksamste Mittel zur Auflösung der jüdischen Sonderthümlichkeit ist die Emanzipation. (Der Verfasser hätte hier wohl das Wort „Sonderthümlichkeit" etwas näher auseinandersetzen sollen. Er kann darunter nur die, mit dem eigentlichen Judenthume gar nicht zusammenhängenden Eigen thümlichkeiten in Sitten, äußerer Erscheinung, Sprache, industrieller Thätigkeit u. dgl. verstanden haben, und ist dann in vollem Rechte. Den Beweis hierfür liefern die Juden in den Ländern, welche sich bereitsinzweiter und dritter Generation der bürgerlichen Gleichstellung erfreuen. Was die Stellung der Juden als Bekenner einer Religion, welche nicht die der Majorität ist, betrifft, so werden sie niemals dieselbe aufgeben, und dieselben Länder führen den Beweis, daß die innigste Glaubenstreue mit dem lautersten Patriotismus und der Theilnahme am allgemeinen Culturleben vollkommen verträglich ist. Die Juden haben niemals ihre Religion um äußerer Vortheile und'staatsbürgerlicher Rechte willen aufgegeben — wir sprechen natürlich von den Juden in ihrer Gesammtheit — und so blüht das Judenthum gerade unter dem Schutze der Freiheit in . frischer Lebenskraft von Neuem auf.) 5) Es ist eine Widersinnigkeit, mit der Emanzipation der Juden so lange warten zn wollen, bis diese in Masse ihre Sonderthümlichkeit abgelegt haben werden. ' 6) Der Grund des Druckes der Juden durch die Christen ist ein unchristlicher, nämlich Hochmuth und Interesse. 7) So lange der Judendruck währt, währt auch der Gegendruck. (Wir möchten wohl wissen, was der Verfasser unter „Gegendruck" versteht? Wir kennen keinen Druck, den die Juden als solche gegen ihre christlichen Mitbürger ausüben. Wir haben weder in der Geschichte noch im gewöhnlichen Leben ein Beispiel erfahren, daß die Juden sich für die erlittenen Verfolgungen irgendwie zu rächen gesucht. Shylok ist eine Ausgeburt der Phantasie, die als Spezies des ganzen Menschengeschlechts in einzelnen Individuen wohl Vorkommen mag, nicht aber als Spezies der Juden, wie denn auch bekanntlich der Dichter das seiner Tragödie zu Grunde liegende Factum geradezu umgekehrt hat. Giebt es jüdische Gläubiger, die ihre Schuldner drücken, so. giebt es dergleichen christliche Gläubiger nicht minder.) 8) Wenn Christenarbeit nicht mit der Judenarbeit konkurriren kann, so hat die erstere kein Recht auf Staatsschutz. Wer aus dem Lande h i n a u s g e a r - beitet wird, verdient sein Schicksal. 9) Der jüdische Schacher und Gelegenheits-Erwerb ist eine Folge des Druckes; er schwindet in demselben Verhältniß, als letzterer nachläßt. -10) Der sogenannte christliche Staat ist eine eontradictio in adjecto. Die letzte Konsequenz dieser Theorie ist Glaubensthrannei und Inquisition. 11) Die Ultramontanen sind die ärgsten Judenfeinde. (Der Satz ist wahr, und wir möchten ihn daher dahin ausdehnen: die Judenfeinde nähren den Ultramontanismus. Jedoch die Ultramontanen sind es nicht allein, und die Feudalen, die Zünftler, die Monopolisten u. s. w. wetteifern im Judenhaß mit jenen. Ein jeder von ihnen hat seinen besonder» Grund. Die Ultramontanen wollen die unbedingte Kirchenherrschaft, und jeder Andersgläubige ist ihnen ein Gräuel, weil er eben nicht ihr Knecht ist. Dieser Ultramontanismus ist übrigens nicht das besondere Eigenthum irgend einer Religion oder Kirche, er ist in allen zu finden. Die Feudalen sind die Feinde aller bürgerlichen Gleichstellung^, weil diese die Privilegien aufhebt, und die Zünftler aller freien Gewerbsthätigkeit.) 12) Alle unsere Ansichten über die Juden datiren aus der Zeit der Unterdrückung derselben, sind also mit einem wahrscheinlichen Fehler behaftet. 13) Wenn im Prinzip eine vollständige Emanzipation der Juden verlangt wird, so ist damit nicht gesagt, daß dieselbe ohne Uebergangsstadien geschehen solle, noch weniger, daß ihnen sofort alle Verwaltung und Regierung in der Commune oder im Staat übertragen werden solle. (Da haben wir wieder die „Übergangsperioden" gegenüber dem „Prinzipe"! Jede Beschränkung, die eine Ausnahme von den allgemein giltigen Gesetzen eines Staates enthält, ist eine Verneinung'des Prinzips,' welchen Umfang sie auch befasse. Die Juden verlangen ebenso wenig besondere Begünstigungen wie besondere Benachtheiligungen. Sie verlangen nur den Gesetzen so unterworfen zu sein, wie alle andern Mitglieder des Staatsverbandes. Jeder sogenannte „Uebergang," d. h. Aufhebung einiger und Aufrechthaltung anderer

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