Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1865)
- Date
- 1865-08-15
- Page
- Seite 510 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ein für alle mal abgeschafft. Die Gemüthsstimmung zwischen Aschkenasim und Chassidäern hat den höchsten Grad der Spannung erreicht und wurden bereits Bannflüche ausgesprochen.*) v Pest, 26. Juli. sPrivatmitth). Der k. k. Statthalter,, Graf Moritz Palfy, besuchte jüngst den Tempelgottesdienst, und äußerte sich sehr günstig über diesen sowie über die Predigt unseres Oberrabbinen. Als ein sehr günstiges Symptom für die nächste Zukunft wird angesehen, daß in mehreren Wahlbezirken die - Juden aufgefordert wurden, sich bei der Wahl für den bevorstehenden Landtag zu betheiligen, obschon sie vor der Emancipation kein Recht dazu haben. Unsere Hoffnungen sind auf die gemäßigt liberale Partei gesetzt, an deren Spitze Deak und Eötvös stehen,. Von der hocharistokrqtischen, konservativen Partei, die. gegenwärtig am Ruder ist, haben wir wenig zu erhoffen. Aufgefallen ist daher jüngst ein Artikel im P. N., dem officiellen Organe der liberalen Partei, welcher sich sehr "bitter gegen die Klasse der Reichen unter den Juden aussprach, und sie des Mangels an Patriotismus beschuldigte, während er diesen im vollen Maße bei den mittleren Schichten der Juden fand und anerkannte. Die Gelegenheit war geradezu vom Zaune gebrochen. ES'wurde nämlich der Porzellanfabrik des Herrn Fischer, eines Israeliten, zu Hörrend, großes Lob gespendet. Dieselbe hat bei allen Weltausstellungen -die höchste Anerkennung gefunden, und wo in ganz Europa ein altchinesisches oder Sevres-Porzellangeschirr ergänzt werden soll , übergiebt man es genannter Fabrik. Dabei wird nun bemerkt, daß Herr Fischer keine Niederlage in Pest habe, weil die gesammte Geldaristokratie aus Mangel an feiner Erziehung nur für Silber und Gold, für Sammet, Geschmeide und Equipage Geschmack habe, mit denen sie brilliren wolle. Wer da weiß, wie dergleichen Artikel in einer bedeutungsvollen Zeit, wie sie augenblicklich für Ungarn wieder da ist, einem Parteiprogramm gleich zu achten ist, wird sich nicht verwundern, daß man derartigen Aeußerungen eines solchen Blattes nicht geringes Gewicht beilegt. *) Ausführliches im jüd. Volksblatte: „die Chassidäer-Versammlung in Munkscs" von I. Rosenmeyer. Frankreich. Paris, 1. August. Durch die soeben stattgefundenen allgemeinen Gemeinderathswahlen in Frankreich sind auch sehr viele Israeliten in die Municipalbehörden eingetreten, besonders in den größeren Städten, wie in Straßburg, Mühlhausen, Colmar , Avignon, Ear- Pentras u. s. w. — Auf den Antrag des Herrn Munk hatte die Akademie (äes inseriptions et belleslettres) im Jahre 1863 den Preis Bordin (von 3000 Fr.), zu ertheilen im Jahre 1865, für die Aufgabe bestimmt: die methodische Zusammenstellung aller in den Büchern der jüdischen Tradition (Talmud, Midraschim) gegebenen Notizen über Geographie, Topographie und Geschichte Palästinas. Es ist nur eine einzige Abhandlung, wie es scheint, von einem Apostaten verfaßt, eingelaufen, welche zahlreiche Jnvectiven gegen den Talmud und das Judenthum enthält. Der Condurs ist bis zum 1. Januar 1867 verlängert worden, und es wundert uns sehr, daß kein einziger jüdischer ' Gelehrter in Deutschland sich zur Lösung dieser Ausgabe bestimmt hat. — Das jüngste Heft der Arch. isr. enthält folgenden Artikel: „Wie wir es in unserer Nummer vom 1. Juni angezeigt haben, hat die Ausführung des Planes der Gründung einer jüdischen Akademie , von H. Albert Cohn der Alliance israölite universelle vorgeschlagen, soeben ihren Anfang genommen. Der erste Gelehrte, der durch seine literarischen und sittlichen Verdienste berufen ist, an dieser Reihenfolge von Vertretern der jüdischen Wissenschaft Theil zu nehmen, ist Herr Beer Goldberg, der bis jetzt ebenso wenig Ruhm wie Glücksgüter dafür erlangt hat, daß er sich den rabbinischen Studien ergeben und verschiedene Schriften der hebräischen Philologie .oder der jüdischen Geschichte veröffentlicht hat. Der Titel des Akademikers, der ihm soeben verliehen worden, mit den damit verbundenen Prägorativen macht nicht allein dem Erwählten, sondern auch Denjenigen Ehre, die ihn bewilligen.—" Wir müssen gestehen, daß dieser Artikel, abgesehen von seiner geschraubten Fassung, uns sehr überrascht hat. Auch wir theilten mit, daß vor Jahr und Tag Herr Albert Cohn den Vorschlag zur Gründung „einer jüdischen Akademie" für jüdische Gelehrte gemacht habe. Jetzt erfahren wir von dessen Ausführung, ohne daß dem Publikum der Plan, die Ein-'