Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1865)
- Date
- 1865-08-15
- Page
- Seite 511 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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richtung, der Zweck u. s. w. mittzetheilt worden sind. Es wird der hochklingende Titel eines „Akademikers" verliehen, eS find damit gewisse „Prärogative" verbunden. Da das Publikum doch diesen Titel und diese Prärogative anerkennen soll, so hat es das Recht zu fragen: Worin bestehen diese? Wer verleiht diese Würde, und wer hat die Verleiher zu solcher Verleihung berechtigt? Ja, diese Fragen sind um so wichtiger, da es doch auch darauf ankommt, sich auch vor dem nichtjüdischen Publikum als hierzu berechtigt zu dokumentiren, damit wir uns vor denl Vorwurf der Anmaßung schützen und die Mische Wissenschaft nicht lächerlich machen. Daß wir den Herrn Goldberg als fleißigen Gelehrten aufrichtig schätzen und ihm alle Ehre und alles Gute wünschen, brauchen wir nicht erst zu sagen. Hier handelt eS sich aber um etwas Allgemeines. Läge eS im Plane, einen Unterstützungsfonds für arme jüdische Gelehrte zu gründen, so könnte Nichts auf eine unbedingtere Anerkennung Anspruch machen. Handelt es sich aber um „Titel und Pärogative", so müssen wir wissen, was dies zu bedeuten habe? Die jüdische Wissenschaft ist zu ernst, aber auch noch zu jung, um nicht mit möglichster Behutsamkeit vor jedem Schein der Lächerlichkeit bewahrt werden zu müssen.*) *) In dem Augenblicke, wo diese Nummer unter die Presse kommen soll, erhalten wir eine Copie des Schreibens', welches der Präsident und Sekretär der Alliance an den Herrn B. Goldberg gerichtet haben, und in wechem durchaus Nichts von „Titel und Prärogativen" die Rede ist, sondern von einer Jahressubvention, die allerdings keinem Würdigeren ertheilt..werden konnte. Das Schreiben lautet: Paris, den 10. Juli 1865. Mein Herr! Die Alliance israGlite universelle hat soeben eine Stiftung zu Gunsten der Gelehrten gegründet, die sich um die jüdische Wissenschaft verdient gemacht haben. Der Eifer Und die Selbstverläugnung, mit welcher Sie Ihre' Anstrengungen beständig der Pflege der hebräischen Wissenschaften gewidmet haben, empfahlen Sie ganz vorzüglich unserer Aufmerksamkeit, und Sie sind in unserer letzten Sitzung für den Würdigsten gehalten worden, um die Summe von 200 Francs zu empfangen, welche dieses Jahr für den betreffenden Zweck bestimmt worden ist. Glücklich, Ihnen diesen Beweis der Sympathie geben zu können, bitten wir Sie u. s. w. Italien. Aus Oberilalien, 22. Juli. ^Privatmitth.) Rabbiner Mainster von Rovigo hatte vor einiger Zeit eine Versammlung italienischer.Rabbinen angeregt. Die kühne Verfügung des Rabbiners Olper. von Turin iy Bezug auf die Trauergebräuche, welche bei uns eine ziemliche Agitation hervorbrachte, indem die Rabbinen von Livorno eine Protestation von ihren gleichgesinnten Genossen dagegen veranlaßten, die übrigen aber ebenfalls hiezu aufgeforderten wohl die Form der Olperschen Verfügung, nicht aber die Sache mißbilligten — diese kühne Verfügung, sage ich, veranlaßt nun Herrn Rab. Mainster wieder auf seinen Vorschlag einer Rabbiner-Zusammenkunft zurückzukommen, und da er auf einer jüngst vollbrachten Rundreise auch diesen Gegenstand eifrig betrieben, und die Zustimmung einer bedeutenden Anzahl von Amtsgenossen erhalten hat,., so ist es nicht unwahrscheinlich, daß wir etwa im folgenden Herbste unsere italienischen Rabbiner-Conferenzen haben dürften. Die zu besprechenden Gegenstände würden von den Gemeinden vorgeschlagen und sämmtlichen Rabbinern einige Wochen vor der Versammlung bekannt gemacht werden. Herr Professior Giuseppe Levi, Direktor des Educatore Israelita, hat vom Könige den Ritterorden erhalten; eine Auszeichnung, die allerseits als wohlverdient,'beifällig ausgenommen wurde. Die Jsraeliten-Gemeinde von Turin, welche den Bau eines prachtvollen und kostspieligen Tempels unternommen hatte, wendete sich um Beisteuer an das Municipium jener Stadt. Unter Anerkennung des Princips der Rechtsgleichheit, wurden sofort 30,000 Francs zu diesem Behufs bewilligt. O welch ein Schmerz für die „Unita Cattolica“, der wir recht viele dergleichen wünschen. Vom Gymn asial-Professor Herrn Dr. Leone Ottobeghi haben wir aus Cuneo recht günstige Nachrichten. Jüngst hatte er bei der Prämienvertheilung am dortigen Gymnasium unter großem Beifall die Feierrede gehalten. Die Rede ist auf Veranlassung und Kosten seiner Collegen und Freunde im Druck erschienen.