Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1865)
- Date
- 1865-08-15
- Page
- Seite 507 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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507 Bortheilen zu verbinden. Ich meines Theiles schätze die Regierung unseres Landes viel höher; ich bin namentlich davon. durchdrungen, daß die nächste Zukunft uns von der Freisinnigkeit der Legislative bezüglich der Judenfrage auf das Glänzendste überzeugen wird, nachdem schon die Adresse des verflossenen Reichstages es deutlich aussprach, daß es Wunsch der Nation sei, die Verhältnisse der Juden den Grundsätzen der Gerechtigkeit gemäß zu regeln, worunter nichts Anderes als die Emanzipation derselben verstanden werden kann und darf. Der nächste Reichstag wird diesen „Wunsch der Nation" umsomehr zur Ausführung bringen, als derselbe gewiß für Ungarn auf den Titel eines „Rechtsstaates" Anspruch machen wird, ein solcher aber dort nicht vorhanden ist, wo ein nicht unbedeutender Theil der Bevölkerung von der Ausübung politischer Rechte ausgescklossen erscheint. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Würtemberg, im Aug. (Privatmitth.) Herr A. Rödelheimer (Israelit) aus Laupheim wurde von mehreren deutschen Gesangvereinen seines jetzigen Aufenthaltsortes Pittsburg in Nordamerika als Abgeordneter zu dem allgemeinen deutschen Liederfest nach Dresden abgeschickt und überbrachte dem dortigen Gesangverein „Liedertafel" ein prachtvolles Sternenbanner. Herr R. verweilt nun noch einige Wochen in L. bei seinem greisen Vater und seinen Geschwistern, um dann wieder in seine neue Heimath zurückzukehren. — Daß religiöse Duldsamkeit und Unduldsamkeit in einem sonst aufgeklärt sein wollenden Stande sich vorfinden können, zeigte unlängst folgender Vorfall: Seit dem Frühlinge dieses Jahres konstituirte sich unter den katholischen Lehrern unseres Landes ein Lehrerverein, wie er unter den protestantischen Lehrern schon seit 25 Jahren besteht. Zur genauen Feststellung der Statuten soll nun im Herbste d. I. eine Plenarversammlung berufen werden, wozu jeder Bezirk einen Abgeordneten zu schicken hat. Das Schulinspectorat Wiblingen ist eingetheilt in einen obern und einen untern Regiunkel. Bon den Lehrern. des obern Regiunkels wurde einstimmig als Abgeordneter gewählt unser Glaubensgenosse Herr Oberlehrer Elsäßer in Laupheim. Sobald aber diese Wahl öffentlich bekannt, gemacht wurde, da brach ein Sturm gegen die Wähler los, als hätten sie durch die Wahl dem Verein das Bestehen unmöglich gemacht und zugleich den katholischen Lehrerstand beleidigt. Statutenmäßig waren nun freilich die Wäh-? ler in ihrem vollkommenen Rechte, was auch der Vorstand des Vereins, Herr Oberlehrer Spiegler in Biberach namentlich hervorhob, und die Agitatoren gegen diese Wahl hätten bei der vorauszusetzenden Möglichkeit einer solchen schon früher den betreffenden §. der Statuten bekämpfen sollen; allein sie glaubten wohl, alle katholischen Lehrer würden wie sie. denken: den Ruf der Toleranz wollen wir uns wahren, eine solche Wahl wird doch wohl nicht Vorkommen. Doch, um allen Zank und Hader unter den Lehrern zu vermeiden, legte Herr Elsäßer sein Mandat als Abgeordneter nieder, und damit wird der Wunsch der Agitatoren erfüllt sein. — Man mache aber einmal seine Betrachtungen darüber, wenn man bedenkt, daß hem protestantischen Lehrervereine nichtprotestantische Mitglieder, die die gleichen Rechte haben, wie die protestantischen, stets willkommen sind, daß Herr Elsäßer auch, so lange er in einem protestantischen Bezirk angestellt war, von protestantischen Lehrern schon mehrmals als Abgeordneter zu Versammlungen erwählt worden war, endlich auch, daß der mit dem neu gegründeten Lehrerverein in'Verbindung zu bringende Unterstützungsverein schon lange Beiträge von den israelitischen Lehrern annimmt. Hannover, 1. August. (Privatmitth.) Von verschiedenen Seiten geht uns die erfreuliche Nachricht . ' zu, daß unsere Regierung Vorbereitungen trifft, um dem Schulwesen und dem Cultus mittelloser jüdischer Gemeinden des Königreiches durch Verstärkung der aus Landesmitteln zu gewährenden, bis jetzt äußerst ge- - ringen Unterstützungen aufzuhelfen. Die von uns in No. 30 nach der Zeitung für Nordveutschland und andern hiesigen öffentlichen Blättern mitgetheilte Verfügung der Kronoberanwaltschaft in Celle, nach welcher die Kronanwaltschaften angewiesen wurden, Juden, falls sie am Sonnabend zu Geschworenen ausgeloost würden, abzulehnen, bedarf insofern einer Berichtigung, als jene Herrn Landrabbiner Dr. Meyer Hierselbst abschriftlich zugegangene Verfügung nur dahin geht, daß in Fällen, welche am Sonnabend zur Verhandlung kommen, die israelitischen