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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-15 · Heft 33 (15.8.1865) · p. Seite 503

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 33 (15.8.1865)
Date
1865-08-15
Page
Seite 503 (sequence 3)
Language
German
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der Tagesblätter ihre ganze Literatur. „ Aber man kann nicht verkennen, daß die letzten Jahre eine Stagnation in das politische Leben der Völker gebrächt und daß ein niederdrückendes Gefühl: durch das politische Dasein der Menschen sich verbreitet hat. Man ist überall in ein Dilemma gerathen, aus welchem man nicht heraus kann, überall zwischen schroffe Parteien, die wie Felswände ohne ersichtlichen Ausgang festhallen, da keine dieser Parteien die Macht besitzt, die andere zu überwinden. Man hat Kriege geführt, und ist durch sie nur noch tiefer in die Verwirrung der Fragen gekommen;- man treibt diplomatische Künste und schürzt den Knoten dadurch nur noch unauflöslicher. In Frankreich will der Imperialismus sich mit seiner neuen Dynastie befestigen, und zwar getragen von dem Willen des Volkes, und doch kann er gerade deswegen diesen Volkswillen nicht frei lassen,- sondern muß und will ihn unbedingt in seiner Gewalt behalten. Aus diesem Schwanken, bald die Zügel ein wenig schlaffer zu lassen, bald wieder fester anzuziehen, sogenannte Freiheiten zu bewilligen, und sie sofort wieder einzuschnüren , können weder Zwangsmaßregeln noch Künste der List, noch schöne Phrasen retten. In Belgien steht, an Zahl und Einfluß sich gleich, eine klerikale und eine radikale Partei sich gegenüber, und beide reiben die letzten Elemente der Vermittlung auf. In Preußen und Oesterreich kämpfen der alte Absolutismus und der junge Constitutionalismus unaufhörlich mit einander und, da jener alle Organe der Staatsgewalt, dieser die Wucht der Volksmaffe für sich hat, so vermag'jener diesen nicht zu erdrücken, und nicht dieser jenen zu beseitigen. Die Gesellschaft Hai weder den einen noch den andern. In Deutschland sind mit gleicher Energie die Idee, der Einheit und der Bestand so vieler Partikularitäten vorhanden, und man ringt vergebens nach einer Form, in welcher beide zu verschmelzen wären; das Volk, und zwar im weitesten Sinne des Wortes, will und will nicht, und aus diesem Zustande kann es keinen Schritt heraus. Welche Probleme Italien zu lösen har, brauchen wir nur anzudxuten; ein. junger Einh eitsstaat hat hier eine alte Macht gegenüber, die zwar weltlich ohnmächtig und morsch ist, dennoch aber noch. immed eine Autorität hinter sich hat, welche unüber? steigliche SchwierigkesiMMr jenen schafft. Ueber einer stumpfen und gleichgültigen Masse, wie sie aus Jahrhunderten der Verdummung und Erschlaffung hervorgehen mußte, kämpfen in Spanien mehrfache Parteien, die Camarilla, die Moderados und die Progressisteu mit einander, yud deren Herrschaft wechselt mit dem Tage, keine erfreut sich einer dauernden Geltung, jede siegt mehr durch augenblickliche Ueberrumplung der andern als. durch die Kraft/ die sie besitzt. Den Orient mit seinen wüsten Zuständen, mit seinem scheinbaren Kampf zwischen Civilisation und Barbarenthum übergehen wir; aber selbst die Entscheidung, welche jüngst der furchtbare Bürgerkrieg in Nordamerika erfahren hat, scheint noch lange keine Entscheidung der eigentlichen Frage herbeizuführen. Die Interessen liegen zu tief, als daß sie durch Schlachten ausgerottet werden könnten, und die Milde,, welche eine Zeit der Humanität, wie die unsrige, nicht blos vorschreibt, sondern zur eigensten Notwendigkeit macht, giebt dem Gegner den Spielraum, seine Bestrebungen wieder von vorn anzufangen. Wohin wir also in politischer Beziehung blicken, gewahren wir einen Stillstand, ein nutzloses Aufreiben von Kräften, ein erfolgloses Kämpfen, das, indem es zugleich den Charakter der kleinlichsten Behandlung annimmt, niederdrückend auf alle Gemüther wirkt, jeden Aufschwung lähmt, jede Freude am politischen Leben verhindert. In solchen Zeiten sucht endlich per politische Mansche ng eist nach einer andern Befriedigung. Da er dgs Verlangen nach höheren Interessen und deren ^Genüge, nach höheren Aufgaben und deren Lösung niemqls verliert, so ist er von Innen , gedrängt, nqch anpssry Momenten zu greifen, wenn ihm das nicht mehr genügt, welchem er seither nachgega.ygen. hlnd pgs läge uns nun näher, als ein neues, innigeres Erfassen unserer y/ijerlichen Religion? Das Judenthum, welches dem perständigen Menschen kein „entweder —oder" zuruft, das seinen Verstand, wje sein Herz beansprucht, das das wirkliche Leben nicht mißachtet, und nicht forhert, sich aus diesem herauszuziehen, das alle Lebenselemente würdigt, sie aber vom religiösen Geiste durchdrungen haben will, das JpdenthM liegt seines Bekenner überall nahe, sobald er sich von ejyem einseitigen MWM,. dem er sich ergeben und das ihn irnhssftiehigt Heh»ssty,-jrej.MHcht' und nach einem höhern greift. Hier ist es, wo her beabsichtigte Verein jedem Strebenden eipe schöne Kahn der ThäWeit ustd.Begeisterung eröffnet, ohne ihn Irgendwie per Stellung und der Arbeit für h je aflMmejne Gesellschaft zu entziehen. Mere Zeit ist her .metaphysischen RichMg, dM abstrakten StMuM yhcht zuge? neigt, sie will überall praktische Zwiste, reelle Axheit. Und dies jst es gerade, was dW Verejne zum Hnhsihe 33*

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