Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1865)
- Date
- 1865-08-08
- Page
- Seite 494 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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494 Wir bemerken hierzu, daß von den Juden, die der vr. Brunner verschlingt, glücklicher Weise noch Niemand irgend eine Beschwerde erlitten hat, sie sind und bleiben 8sin8 et sauls. Die dem vr. Br. als „Judenvertilger" ertheilte Ehre gereicht der päpstlichen Regierung gerade so zur Ehre, wie die Mortara- und Coöngeschichte. Jedem das Seine und was ihm zukommt! Pest, im Juli. (Privatmitth.) Die Sitte, von der Gemeindeverwaltung, sowie von den Wohlthätigkeitsanstalten Jahresberichte durch den Druck zu veröffentlichen, bricht sich immer mehr Bahn, und hat nach allen Seiten hin die nutzbringendste Wirkung. Denn von der einen erfährt das Publicum hierdurch die Ergebnisse seiner Steuern und Spenden', ermuntert sie hierzu und giebt ihm Winke, wohin es seine Aufmerksamkeit besonders zu richten; von der andern ergiebt sich dadurch von selbst eine sorgfältigere Controle, und die Vermeidung von Uebelständen, die früher mit leichterem Blicke übersehen wurden. Daß zugleich im allgemeinen Interesse nicht unwichtige statistische Ergebnisse erfließen, sei nebenbei bemerkt. Heute liegt uns der Verwaltungsausweis des hiesigen israelitischen Spitals und der Bericht der Wohlthätigkeits-Section des Cultusvorstandes aus dem Jahre 1864 vor. Die letztere unterstützte zusammen 4067 Individuen mit 10,822 fl. Man muß zugeben, daß die Section Recht hat, wenn sie auf den wachsenden Pauperismus hinweist, wenn auch anzunehmen ist, daß gerade nach einer Stadt, wie Pest, der Andrang der Hülfsbedürftigen massenhaft ist. Außerdem wurden zur Bekleidung armer Schulkinder 2536 fl. verausgabt, und unter den 1665 Schülern der vier Gemeindeschulen befanden sich 698 Freischüler. — In dem israelitischen Spitale betrüg 1864 die Anzahl der Kranken 641, von denen 360 gratis verpflegt wurden. Gestorben sind 47. Verausgabt wurden 10671 fl. für sämmtliche Kranken, und da sie 11618 Verpflegungstage in Anspruch nahmen, kostete der Kranke per Tag 22 Kreuzer (ungefähr 18 Sgr.). 1690 fl. kosteten die außerhalb des Spitals behandelten armen Kranken. Die Cultusgemeinde mußte 3173 fl. und die Chevra Kadischa 4759 fl. ^uschleßen. Der Bericht giebt auch eine Tabelle der Krankheiten.und einen interessanten Vergleich mit den früheren Jahren. Dieser bezeichnet das Jahr 1864 nicht als eines von den höchsten Ziffern, wie 1863,, doch aber den bedeutenden Anwachs, welchen das Spital seit 1856 stetig genommen. Innsbruck, 25. Juli. Hier besteht ein „katholischer Verein", der für Zurückweisung und Entfernung aller Nichtkatholiken aus Throl zu wirken den Zweck hat. Derselbe erhielt dieser Tage sin Handschreiben des Papstes, in welchem er den Verein höchlichst belobt und wiederholt segnet. Es heißt darin: „Geliebte Söhne, Heil und apostolischen Segen! Wir wünschen euch Glück, geliebte Söhne, daß ihr, die Hand einmal an den Pflug gelegt, nimmer rückwärts schautet, ja vielmehr je üppiger das Dorngestrüppe emporwucherte und je häufiger das Unkraut den Weizen zu belästigen und zu ersticken schien, desto sorgfältigere Bearbeitung. dem Ackerlande des Herrn angedeihen, ließet. Denn dies bemerken wir zu ganz besonderem Tröste unseres Herzens an den gepflogenen Berathungen, die Einwanderung andersgläubiger Ansiedelungen und das Eindringen unkätholischer Religionsübung unter die Gläubigen dieses sehr religiösen Landes zu verhindern." — Dies ist die Lehre der Liebe, der Humanität, der Duldung — und die Bekenner wagen es oft genug, die h. Schrift Israels als das Gesetz der Strenge und des Zornes zu bezeichnen, während darin steht: „Ein Gesetz und Ein Recht soll sein dem Einheimischen wie dem Fremdling, und alle Rechts- und Liebeswohlthaten dem Eingewanderten und Beisassen wie dem Eingeborenen zugesichert werden." Aus dem Tokajergebirge, im Juli. (Privatmitth). In unserem Gebirge, sonst lebhaft und von Pilgern stark besucht, herrscht gegenwärtig eine Todesstille. Die Heiligen in Liszkü. und Szikszs haben sich in Bekleidung ihrer Helfershelfer in die Bäder nach Rank, Bartfeld rc. begeben und schleppen tausende Gulden aus dem Geldbeutel des verführten Volkes heim, das in seinen untersten Schichten eine sonderbare Antipathie gegen den Rabbinismus zeigt. Ging man doch in einer größern Gemeinde dieses Bezirks so weit, einem renommirten Rabbinen eine außerordentliche Einnahme nur deßhalb zu verweigern, weil er kein Chassid ist. Und doch muß es, ja es wird auch bei uns anders werden. Mit der Wiederbelebung des nationalen Geistes werden die Indifferenten erwachen und trotz Rebbeünd Stramelthum für die Schule etwas thun. Und so wie trotz Bannfluch des Heiligen Szikszaer Miskolez sich ermannen konnte, sowie diese zweite größte Ge-