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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-08 · Heft 32 (8.8.1865) · p. Seite 493

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 32 (8.8.1865)
Date
1865-08-08
Page
Seite 493 (sequence 9)
Language
German
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493 die Gasbeleuchtung probirt und fiel über die Maßen schön aus. Ueber Erwarten ist freilich manches an diesem neuen Bau, zunächst die Kosten, die sich bereits der Summe von 900,000 Thlr. nähern. Ist nun Jedermann über den schönen Geschmack, der ihn auszeichnet, einig, und freut sich, daß er der Stadt wie der Gemeinde zur Zierde gereicht — bekanntlich besitzt Berlin keine sehenswerthen kirchlichen Gebäude — so sind doch nicht Alle über die Zweckmäßigkeit einverstanden. Die Zeit ist vorüber, wo die Mehrzahl der Juden in dem bekannten Stadtviertel zusammengedrängt wohnten; ein großer Theil hat sich nach den westlichen Quartieren gezogen, und es wäre jedenfalls angemessener gewesen und hätte den Besuch des Gottesdienstes gefördert, wenn man statt der einen überaus großen, in den verschiedenen Vierteln mehrere mittelgroße Synagogen gebaut hätte. Denn es heißt doch ein zu großes Opfer auferlegen, namentlich den Damen, mehr als eine Stunde auf den Weg zum Gotteshause verwenden zu müssen, und die Folge davon ist, daß man eine Entschuldigung hat, zu Hause bleiben. So etwas muß in unserer Zeit wohl "Geachtet werden, und man muß deshalb das Vorgehen in Paris für vernünftiger halten, wo zwei neue Tempel in entgegengesetzten Stadtvierteln, jeder zu einer Million Franken gebaut werden, als hier, wo für circa 3l/2 Millionen Franken nur eine Synagoge hergestellt wird. Hierzu kommt, daß diese so groß angelegt ist, daß wohl schwerlich irgend ein Prediger gefunden werden wird, der sie mit seiner Stimme auszusüllen vermag, noch dazu, da die Akustik zweifelhaft ist. Freilich giebt es für Viele, die, wenn man klagt, daß die meisten Anwesenden den Prediger nicht verstehen werden, achselznckend antworten: „Nun, so verstehen sie ihn nicht!" Solchen freilich verlohnt es sich nicht der Mühe, die Frage vorzulegen, wozu sie denn überhaupt gebaut haben? Das Bauen selbst macht ihnen Vergnügen, und wenn auch der Gemeinde dadurch eine große Schuld auferlegt wird. Ed ist nun einmal Charakter unserer Zeit, daß sie bei allen Unternehmungen nur frage: Woher das Geld bekommen? nicht aber: Wie es wieder zurückgeben? Mit der Rabbinerwahl steht es selbstverständlich jetzt still. Schon bei der bekannten gescheiterten Wahl standen sich Repräsentanten und Vorstand negativ gegenüber, und die Sitzungsprotocolle sagen etwas ganz anderes aus, als in die Oeffentlichfeit gedrungen. Doch meine frühere Mitcheilung über diesen Punkt ist von gewisser Seite so mißliebig ausgenommen worden, daß ich in das mir genau bekannte Detail nicht weiter eingehen will, da die Sache doch keine allgemeine Bedeutung hat. — In politischer Beziehung müssen wir bemerken, daß, was auch von dem jetzigen Ministerium gehalten werde, in Beziehung auf unsere Glaubensgenossen es genau auf dem Punkte verblieben ist, auf welchem das Ministerium der „neuen Aera" uns gelassen hatte, man ist weder vornoch rückwärts gegangen. Man hält noch immer das Gesetz von 1847 in Petto, um im Detail den Verfassunzsparagraphen aus dem Wege zu gehen. Petitionen und Beschwerden ändern hierin gar nichts. Jndeß ist auf diese Weise doch ein sehr großer Unterschied zwischen dem Ministerium und der feudalen Partei konstatirt. Die Männer der Kreuzzeitung wären doch ganz anders mit uns verfahren. Ihr Haß ist unverändert geblieben und nutzt sich durch die Zeit nicht ab. Ihr Manöver, Liberale und Juden oder Demokraten und Juden für ein und dasselbe auszugeben, wird weiter fortgespielt. Als jüngst das aus Cöln verwiesene Abgeordnetenfeft nach Lahnstein verpflanzt und dort von einer'jubelnden Menge empfangen worden, meinte die Kreuzzeitung, es wären nur „Juden, Schneider und Clavierstimmer" dort gewesen, .also niemand „aus der bessern Gesellschaft". Dies Letztere ist richtig, denn was die Kreuzzeitung unter „besserer Gesellschaft" versteht, kaun schwerlich bei einem Abgeordnetenfeste gegenwärtig sein, es sei denn als Spione. Ob viele Juden da waren, könnten Sie eher wissen als ich. Jedenfalls haben sie dann ihren guten Grund dazu gehabt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Kien, 22. Juli. Die öffentlichen Blätter schreiben: „Der vielbekannte Herausgeber der „Wiener Kirchenzeitung", Di*. Sebastian Brunner, ist vom Papste äum Protonotarius Apostolicus ad instar participantiura ernannt; er gehört als solcher zu den Prälaten ersten Ranges,.'kann sich mit Genehmigung des Diöcesan-Bischofes der Pontificalien bedienen und ist zugleich päpstlicher Hausprälat und Thronasfistent. Dr. Sebastian Brunner ist zur Zeit unbedingt der stärkste und beharrlichste Judenvertilger — man darf rechnen, daß jede Wochennummex seiner Zeitung 25 Juden mit Bor- und Zunamen 'opfert." 32

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