Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1865)
- Date
- 1865-08-08
- Page
- Seite 492 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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hehre Religion zu erhalten, die in demselben unter der ' Leitung eines wissenschaftlich gebildeten Mannes, der, wie zu erwarten, auch Predigten abhalten, der Gründung tüchtiger Schulen und der Verbesserung der bestehenden seine Thätigkeit widmen, ö* und keine Würzburger cn-ntis zu Trauungszeugen beiziehen, und dergleichen schädliche Dinge mehr thun wird, sicher untergraben werden muß. Die bei der Rabbiner Bamberg'fchen Partei, durch die den Gemeinden gestellte Alternative — den Rab-- binatsgehalt um 300 fl. aufzubessern oder die Stelle aufzulösen und den Rabbinaten Würzburg, Schweinfürt und Gersfeld einzuverleiben — rege gewordene Hoffnung, die Gemeinden würden Letzteres einer weitern Belastung ihres Säckels vorziehen und so dem vr. Sch. die. Ausnutzung seines Sieges entgehen, dürfte doch durch den gesunden Sinn, durch welchen sich die Leiter der meisten dortigen Gemeinden auszeichnen, enttäuscht werden. Mittlerweile haust Bamberger als Verweser im Rabbinatsbezirke wie ein Pascha. Er stellt eine förmliche Hetzjagd auf alle Synagogen an, die ihren Frauen eine freie Aussicht in die untern Räume gestatten. Schon mußte die Gemeinde Uns leben dem durch gerichtliche Maßregeln unterstützten Ansinnen B's. sich fügen und ihre schöne, neue Synagoge durch Vergitterung der Frauengallerie verunstalten. Und wieder sucht man die Gemeinde Maßbach, welche wahrlich glicht zu den sogenannten „Neuen" gehört, jedoch gesunde und vernünftige Elemente in . sich birgt, zu nöthigen, ihre kürzlich renovirte Synagoge mit denselben Tugendwächtern zu versehen. Die stets mit der Hierarchie gepaarte Orthodoxie liebt nun einmal das Octroynen. Wahrlich, beklagen muß man die große Verblendung, mit welcher diese edle Clique, ohne auf die Mahnung der Zeit zu hören, ohne die Wünsche und Bedürfnisse der Gemeinden, deren Leitung sie sich unberufen angemaßt, zu beachten, ruhige, friedliebende. Gemeinden maßregelt. Bitter beklagen muß man es,' daß man solche Energie, solche, eines bessern Zweckes werthe Anstrengungen an so kleinlichen Dingen vergeudet und nicht für andere, das allgemeine Beste fördernde Einrichtungen verwendet. — Dank müssen wir es Bamb. wieder wissen, daß er durch solche Aeußerungen , seiner Lebensthätigkeit den Gemeinden des Kissinger Bezirks —, welche durch einen vr. Adler von ihren Rabbinen zu erwarten gewöhnt sind, daß sie> wo es Nöth thut, unerschrocken und tapfer für ihre Glaubensgenossen in die Schranken treten — zeigte, was von dem Wirken eines Bamberger, Sohn, zu erwarten, für dessen Befähigung .zur Uebernahme einer Rabbinatssteüe die Thatsach'e spricht, daß er als Trauungsprediger von einem Manuscripte die Belehrung über das Wesen der rii'pn und o-'wDDr; herunterlesen muß. Wie vermögen solche Männer, die Ruinen aus alten Zeiten gleichen, das Judenthum würdig zu repräsentiren, und das ist doch eine Eigenschaft, die keinem Rabbiner der Jetztzeit abgehen darf, wenn sein Wirken nutz- und segenbringend sein soll. Mit wahrer Freude macht man jedoch bei derartigen Vorgängen die Wahrnehmung, daß es überall Männer von Charakter giebt, die offen und ehrlich, fest und entschlossen, für die heilige Sache wahrer Religiosität in die Schranken treten, und mit inniger Befriedigung bemerkt man den gesunden Sinn unserer Glaubensgenossen, die sich nicht wieder in das Joch abgelebter Menschensatzuttgen schmieden lassen wollen. Unsere Hyperorthodoxen müssen doch endlich einsehen lernen, daß sie durch ihr schroffes Auftreten, durch ihre jesuitischen Schleichwege, durch die mit zelotischer Härte vorgenommene Aufdrängung ihrer veralteten Ansichten sich selbst den Boden untergraben, so daß sie auch bald in den Gegenden, wo sie vor noch nicht langer Zeit als die alleinigen Heilsboten angesehen wurden, allen Haltes entbehren werden. Preußen. Berlin, 28.' Juli. (Privatmitth.) Die Sommermonate sind keine Erntezeit für Zeitungscorrespondenten. Ein großer Theil der „gebildeten" Welt befindet sich in Bädern und auf Meisen — es ist bekannt, daß hierzu unsere Glaubensgenossen ein unverhältnißmäßig großes Contingent stellen — und wie es in der Politik ruht, und -selbst die Industrie nur langsam athmet, so ist es auch in religiöser Beziehung ruhig, und man erwartet das Erwachen der Energie mit den Herbstfeiertagen wieder. Die neue Synagoge, ein Prachttempel, wie seinesgleichen für unsere Confession kaum noch einmal bestehen mag, geht seiner Vollendung entgegen. Bor einigen Wochen schon wurde