Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1865)
- Date
- 1865-08-08
- Page
- Seite 486 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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FWWNNWWW88WWWWW 486 mettiberi geachtet und geehrt werden, so wenig will die Gemeinde als solche von ihnen beeinflußt sein. Es war eine Zeit, wo die Rabbinen meinten, daß" sie'berufen seien, die Führer der Gemeinden zu sein, und dieselben auf dem Wege der Entwickelung vorwärts zu Men. Dies war eine Illusion, und die Dinge stehen jetzt so, daß in der Regel die Gemeinden-vorangehen und die Rabbinen Nachfolgen. Nicht diese sind dafür anzuklagen, und zum Theil ist dieses Verhältniß auch das richtigere, da die Gemeinden selbst in ihren Ansichten getheilt sind, und der Rabbiner für keine besondere Partei da ist. Wie dem auch sei, so viel geht daraus hervor, daß der Verein seine eigentliche Lebensfähigkeit und Wirksamkeit erst durch die allgemeinere Theilnahme der Nichtrabbinen, also des großen Publikums, wenigstens eines erlesenen Theiles desselben, erlangen kann. Hieraus geht aber auch die Stellung des Vereines hervor. Diejenigen, welche stets das Wort Hierarchie im Munde führen, sei es daß sie wirklich sich vor einer solchen fürchten, sei es, daß sie es nur aus versteckten oder persönlichen Motiven thun, können auf diese Weise unmöglich dem Vereine eine solche Tendenz zuschreiben. Da, wo jeder s. g. Laie sich nach seinen Kräften geltend zu machen berufen ist, wo Richtung und Thätigkeit von Allen getragen werden, kann von einer hierarchischen Tendenz nicht die Rede sein. Allersdings soll der Verein eine gewisse Autorität zu erwerben so glücklich werden, er wird dies aber nur, wenn er Tüchtiges,- dem Bedürfniß Entsprechendes leisten wird, und dann wird diese Autorität immerfort eine ganz freie sein, der Niemand unterworfen ist, welche ihre Anerkennung nur durch das Gewicht der Gründe findet.; Eine solche Autorität ist aber wünschenswerth; denn in unserer Zeit knüpft sie sich bis jetzt nur an einzelne Personen, und dies ist stets entweder unzulänglich oder gefährlich. Es ist der Gemeinsinn und der allgemeine Sinn, der sich dagegen in einer so gearteten Autorität ausspricht. — 2. Wir haben in Nr. 30 gesagt, daß der Verein den Zweck in sich trage, „jeder Richtung innerhalb des Judenthums den Zugang zu eröffnen, von aller Ausschließung und Parteistellung von vornherein abzusehen, und so jeder Meinung die freil 9leu|etunfl. uub Einwirkung zu ermöglichen." (S. 456.) Dies ist sehr richtig, und liegt schon von selbst in der Natur und Tendenz eines solchen' Vereines. Auch wird es von allen wirklich Religiösen und Vernünftigen gebilligt werden. Wir wollen weder einen streng conservativen, noch einen Reformverein. Wir wollen einen Verein lebendiger Bethätigung im Judenthume, der Festigung und Entwickelung in naturgemäßer Fortbildung. Jndeß wäre es eine reine Illusion, wenn man glaubte, daß dieser Verein nün seine Gegner.nicht finden würde. Nicht die aufrichtige Orthodoxie, und nicht der religiöse Indifferentismus werden sich antipathisch verhalten; denn jene wird ihre Anknüpfungspunkte'behalten und einsehen, daß es sich hier doch lediglich um Conservirung des Judenthums handelt, und dieser wird theilweise sich an dem Verein erwärmen, im andern sichgleichgültig gegen ihn verhalten. Die eigentlichen Gegner werden die moderne Hyperorthodoxie und der Nihilismus sein, denn diese sind es, mit welchen jede Lebensäußerung des Judenthums zu kämpfen hat, und die von, vornherein den Verein bekämpfen werden. Jene bekannte Clique, welche die Gemeinden spalten und einen Bruchtheil derselben, so klein er auch sei, selbst bis auf die Wohlthätigkeitsanstalten separiren will, um ungetheilt wenigstens ein Gebiet zu beherrschen, muß in einem solchen Vereine, der die gemeinsamen Fragen in gemeinsamer Weise austragen will, einen Todfeind erblicken. Sie, die nur von Feindschaft lebt, von Spaltung existirt, vom Haß sich nährt, von Verketzerung bebesteht, wie könnte sie eine Vereinigung billigen, welche ihre Fortdauer gefährdet, und die Quellen ihres Daseins verstopft! Aber ebenso werden dem Vereine die Nihilisten entgegentreten. Was wir unter diesen verstehen? Der sorgfältige Beobachter kennt sie längst. Sie existiren insbesondere in den größeren Städten und Gemeinden, anderswo sind sie nur vereinzelt vorhanden; ihre Zahl ist nicht so gering, wie man gewöhnlich meint, und sie sind um so gefährlicher, je leichter sie die Jndifferentisten durch ihre Schlagwörter in ihr Netz ziehen. Es sind diejenigen, welche überhaupt keine positive Religion, nichts Confessionelles, nichts Spezifisches wollen, und jedes Zeichen der Existenz jener zu vernichten suchen; sie sind es, welche an der Auflösung der Gemeinden unter dem Vorwände der individuellen Freiheit, der völligen Autonomie arbeiten, und denen ein Beschluß der Mehrheit in einem Verbände ebenso ein Gräuel ist, wie die von ihnen stets vorgeschützte Hierarchie oder Autorität, die sie natürlich wittern, wo sich eine bestimmte Meinung äußern, eine feste Ueberzeugung kundgeben will. Es gehören alsUhierher nicht blos die eigentlichen Atheisten und Materialisten, sondern auch die, welche zwar einen gewissen Deismus zu bekennen vorgeben, unter der Vergötterung des Menschenthums