Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1865)
- Date
- 1865-08-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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29. Jahrgang. A I lgemeine , -es Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 8. August 1865. Diese Zeiiung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in l1/» bis 2 Dogen. Preis de- Jahrgangs 3 Tblr. Halbjährig t Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^2 Ngr. Inserate werden mit 1'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Für gedruckte Beilagen, die uns zur Verbreitung durch diese Zeitung geliefert werden, berechnen wir Gebühren: für 1 Bogen 4 Thlr., für '/r Bogen 3 Thlr.. für •/* Bogen 2 Thlr. Sille Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS»Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt- , » ZeitungS-Bureau hier unterzogen. ' Inhalt. Leitende Artikel r Der Verein für allgemeine Angelegenheiten des Judenthums. — Dürfen Schenkungen und Stif- , tungen modifizirt werden?—Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Aus Kurhessen, Aus Unterfranken. Preußen: Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Pest, Innsbruck, Aus dem Tokajergebirge,Aus Ungarn. Großbritannien: Southampton. Correspondenz': Erwiderung. Leitende Artikel. Bonn, 16. Juli. Der Herein für allgemeine Angelegenheiten des Hudenthums. II. Wir glauben, daß der Gedanke dieses Vereines bei unfern Lesern Würdigung gewonnen hat, um es gerechtfertigt zu finden, daß wir wiederholt darauf zurückkommen, und zu seiner angemessenen Verwirklichung das Unsrige beantragen suchen. Drei Momente sind es, die, wie es uns scheint, vorzugsweise im Auge behalten werden müssen. 1. Ein wesentliches Gewicht liegt darin, daß der Verein seinen Schwerpunkt in den Nichtrabbinen, nicht in den Rabbinen fiMn soll und muß. Es versteht sich von selbst, daß es besonders die Pflicht der Rabbinen ist, .für den und in dem Verein thätig zu sein. Da derselbe , viel mehr nachInnen gewandt als nach Außen, für die inneren Fragen und Aufgaben des Judenthums wirksam sein sollest liegt es nahe, daß die Rabbinen als Sachverständige nicht zu entbehren sind; aber eben nur als Solche., nicht als Beamtete und mit irgend einer Autorität Bekleidete sind sie Mitglieder des Vereins und von großer Wichtigkeit. Auch steht es ihnen darum um so mehr zu, sich des Vereins mit allen Kräften anzunehmen. Was aber den Verein im Ganzen betrifft, so handelt es sich doch noch mehr darum, die große Masse aller tüchtigen Kräfte und für das Judenthum sich warm interessirenden Männer in den Verein zu ziehen und in ihm zu verwenden. Von welchem Standpunkte man auch den Verein auffasse, so liegt sein Zweck in der Wirksamkeit auf die Gesammtheit, und eine solche kann nur aus dieser selbst hervorgehen und erzielt werden. So war es von jeher in der Judenheit, ist es noch jetzt und soll so bleiben. Die Fragen, welche das Judenthum betreffen und bewegen, können nicht durch die Rabbinen, sondern nur durch die lebendige Gesammtheit beantwortet und gelöst werden. Es liegt dies schon in der Stellung und dem Einfluffe der Rabbinen. Die meisten von ihnen richten sich viel mehr nach der Meinung, die in ihren Gemeinden, vorherrscht, als nach ihrer eigenen Ansicht. Die Einen berücksichtigen ihre Stadtgemeinden, welche das Confessionelle so viel wie möglich verwischen wollen, die Andern ihre Landgemeinden, welche überall Reform wittern. So sehr die meisten Rabbinen von jedem Einzelnen in ihren Ge-