Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 477 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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zu Handwerkern und Technikern, dann auch zu Künstlern und Gelehrten ausgebildet werden. Der Fonds hat bereits die Höhe von 4000 Thlr. erreicht. Hamburg, im Juli. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde-Reorganisation, bei der so viele brave Männer ihren dichten Sommerschweiß vergießen, kommt sehr langsam vorwärts, hauptsächlich deshalb, weil meist in. einer Sitzung nmgestoßen wird, was in der vorigen beschlossen ist. Und dabei ist man in der Hauptsache, Parität der beiden hiesigen Ritusformen, durchaus nicht uneinig. Aber es gilt, für diese Parität eine Formel zu finden, durch welche in aller Zukunft jeder Superiorität dieser oder jener Seite vorgebeugt wird. Das Jahr 1865 wird jedenfalls darüber hingehen , ehe irgend ein Resultat entsteht. Uebrigens fallen während dieses Interregnums, wo die alten Statuten zwar noch gelten, aber doch eigentlich nur noch eine leere Hülse sind,' die sich durch vis inertioo einige Zeit hält, manche kleineren Unebenheiten vor, über welche uns der gute Wille hinweghelfen kann. * Wir werden hier bald Civilstandsregister ohne alle Mitwirkung kirchlicher Fuüctionairs haben — was bei den hiesigen Judengemeinden eigentlich schon längst der Fall war; obwohl eS schon eine contradictio in adjecto ist: bürgerliche Register für Juden allein! Es ist das eben so absurd, obwohl nicht so malitiös gemeint, als anderswo. — Die Civilehe für^Juden allein! Auch einen Staatskirchhof werden wir erhalten, womit denn auch für die gemeindelosen Israeliten, wie auch für die „confessionslose Judengemeinde" bestens gesorgt ist. Ein hier anwesender nordamerikanischer Jude bittet mich, seinetwegen die Klage über diese Classe, die neulich in dieser Zeitung zu lesen war, zu bestreiten. Was soll denn, sagt er, die Juden in Amerika reizen, dem deutschen Judenthume fortwährend anzuhängen? Ist dieses denn, fragt er, so durchgebildet, so einig, so wissenschaftlich, so eingreifend ins Leben, um diesen Anspruch zu haben? Nur die allermassivste Orthodoxie, die sich noch nicht die Ordnung beim Nagelschneiden abdingen läßt, würde sich fest aus Deutschland stützen können; aber diese bedarf eben gar keiner Stütze und ist auch in Amerika ein sehr seltner Vogels) *) Wir überlassen es jedem einsichtsvollen Leser, hierauf zu antworten. Freilich, wenn dieser Nordamerikaner Weun hier unsere Sachen mehr geordnet wären, so würde sicherlich die von Geiger eingeladene Versammlung von Hieraus beschickt werden. Die Formen der Ehestiftung und das Proselhtenwesen bedürfen wirklich einer Accommodation mit der Jetztzeit. ' Auch hierher hat Herr Sonnenberg -Kraus seine Monteflore- Medaille ohne vorherige Anfrage unter Postnachnahme von 10 si. gesandt. Hier ist 1841 (mit dem Chronogramm bn-M-' ■p«a) eine Medaille zu Ehren des Montefiore'schen Ehepaares geschlagen worden und zwar von dem desfallsigen Gemeinde-Comit6. Es sind aber außer den goldenen Ehren-Exemplaren nur einige wenige in Silber und Bronze geprägt und daher ist nicht viel im großen Publicum bekannt geworden. Die Gefeierten erließen an das Comitö, als die ganze Hamburger Judenschaft reprä-' sentirend, ein schönes Dankschreiben. Der reichste Mann unter den hiesigen Juden, vielleicht auch in Hamburg überhaupt, Carl Heine, Salomon Heine's Sohn, ist ganz plötzlich, 55 Jahre alt, in einem französischen Badeort gestorben. Er hinterläßt blos eine Adoptivtochter katholischer Confession. Die Legate sind bedeutend. Am 4. September findet das 25 jährige Amts- Jubiläum des Herrn Dr. Frankfurter Statt, welcher gegenwärtig feine sehr geschwächte Gesundheit in der Wasserheilanstalt zu Reinbad restaurirt. Seiner wartet ein großartiges Geschenk. —. Die Hamburger Zeitungen enthalten Ausführliches über das Testament von Carl Heine, der ungefähr 30 Mllionen Mark Banco hinterläßt, und Heilen wir daraus Folgendes mit: Die Pnblication des Carl Heine'schen Testamentes fand gestern (am 10. Juli) im Rathhause statt, und. war der voraussichtlich vielen Zuhörer wegen ausnahmsweise der Audienzfaal des Handelsgerichtes dazu nach der Theilnahme und Anhänglichkeit urtheilt, welche in Hamburg für das Interesse des deutschen Judenthums vorhanden ist, so muß er sich zu obigem .Einwande bewogen fühlen. Die von unserem geschätzten Correspondenten weiter unten erwähnte Montefiore-Medaille war unseres Wissens das letzte Zeichen, daß die Juden in Hamburg sich für irgend eine allgemeine Angelegenheit des Judenthums interessiren. Will man aber sich nur für das interessiren, was völlig einig und fertig ist, so würde man wohl schwerlich für irgend Etwas in der Menschenwelt eine Theilnahme empfinden können. Die Redactiyn. 31