Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 476 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorlesens der -iBö/bie Entfernung'.vieler guter ceremonieüer Gebräuche, r welche der -Gesammtheit der Gemeinde Werth und theuer sind, im Schilde führen. Mit -diesem Gebühren der Führer des Chor-Bereins ist allerdings der größte Theil des Vorstandes nicht einverstanden, und mögen sich die Herren Eollegen erleuchtet nennen, welche solchen Einführungen die Hand bieten; der größte Theil des Vorstandes, so wie die israelitische Gemeinde, hat aber einen beWn religiösen Sinn bewahrt, und hat daher der Vorstand in seiner Majorität beschlossen, das Gesuch um Aufstellung eines Harmoniums abschläglich >zu bescheiden, um gleichzeitig die im weiteren Gefolge dieser Petition schlummernden Pläne in ihrem Keime zu ersticken. -- Die angeführten Aeußerungen einzelner Mitglieder entbehren allen Werthes, da solche nur Bruchstücke von wohl motivirten Abstimmungen sind; dagegen möge zur Beleuchtung des Ganzen die Aeußetung eines Leiters des ' Chorvereins der Öffentlichkeit übergeben werden, welche lautet , wörtlich: „Wenn, das Harmonium nicht genehmigt wird, so singt, der Chor-Verein nicht mehr", also förmliche Kriegs-Erklärung, oder mit andern Worten: „Wir können verlangen und ertrotzen, was wir für gut finden, oder wir singen nicht mehr." Einige Mitglieder des Vorstandes der israel. Gemeinde.*) *) Die obige Erwiderung ist uns von vier Mitgliedern des Vorstandes eiugesandt, und daher wörtlich hier abgedruckt, mit Weglassung einiger Persönlichkeiten, die wiederzugeben wir uns nicht verpflichtet fühlten. Da wir nun das pro und .contra' gegeben, können wir'den. Streit im Texte dieser Zeitung nicht weiter führen' lasten, sondern müssen etwaige weitere Artikel auf! den Jnseratentheil verweisen.. Dennoch können wir die Bemerkung nicht zurückhälten, daß es uns ein ungenügendes Motiv erscheint, darum etwas abzuschlagen, weil man noch weiter gehende Verlangen befürchtet. Im Oegentheil, hat man etwas bewilligt, wogegen man sonst nichts einzuwenden hätte, so kann man um so energischer zurückweisen, was unangemessen erscheint. Ue&rigfcn8; können wir auch nicht glauben, daß ein Jude die Vorlesung aus der Thorah abgeschafft Haben will!!! Das kann nur Jemand verlangen, der überhaupt keinen..Gottesdienst will, am wenigsten ein solcher, der beim Gottesdienst milsingen, diesen durch Gesang verherrlichen will. Die Redaction.- i- Aus Würtemverg, im Juli. (Privatmitth.). . Im. 8aupheim haben die Israeliten der dortigen kleinen protestantischen Gemeinde zu dem Bau eines Bethauses 218 Gulden gesteuert. — In Buchau ist die Einführung der Orgel längst beschlossen und soll das Instrument noch vor den hohen Feiertagen ausgestellt werden. . Preußen. Köln, 20. Juli. (Privatmitth.) Gewiß werden Ihnen aus Gemeinden, die in stetem äußern Wachsthum und frischem innern Aufstreben einer bedeutenden Zukunft entgegen gehen, Mittheilungen um so angenehmer seien. Zu diesen Communen gehört unstreitig Cöln, dessen jüdische Bevölkerung sich aus der Provinz immerfort rekxutirt und an dem großen Aufschwung der kölnischen Industrie einen bedeutenden Antheil nimmt. Es liegt uns der eben , erschienene Jahresbericht der Armencommission der israelitischen Gemeinde vor, und zeigt die bedeutende Ziffer von 6458 Thlr., von denen nur 145 Thlr. Bestand blieben. Es wurden gewöhnliche Unterstützungen an 37 Cölner 943 Thlr., an 9 Deutzer 152 Thlr., an 125 Auswärtige 1176 Thlr., an 1152 Passanten 1124 Thlr.gezahlt; von den außergewöhnlichen Unterstützungen wurden zur Bekleidung armer Schulkinder 182 Thlr., für Unterricht 175 Thlr., für Gewerbescheine 88 Thlr., für „außerordentliche Fälle" 1418 Thlr., als Beitrag zur Gründung eines Armenhauses 600 Thlr^ verausgabt. Wir führen diese Details an, um den Umfang der Beneficien zu bezeichnen, welche von dieser Armenkasse ausgehen. Ebenso erfreulich ist ein Einblick in die Liste derer, welche zu der Armencasse steuern, die selbstverständlich ganz auf dem freien Willen der Geber beruht.' Nicht, nur ist.die-Zahl sehr groß,-sondern auch die Gaben zeigen eine ungewöhnliche Höhe. Wir finden darin Openden von 400, 300, 100, 80, 60 Thlr. u. s. w. Durch solche Händlungsweise verdient man auch den Segen im aufblühenden Gewerbe. — Innerhalb der Gemeinde, besieht auch eine Gesellschaft für Unterhaltungen u. s. w. unter dem Namen „Harmonia". ' Auch in dieser, der Erholung upd dem Vergnügen gewidmeten Gesellschaft fehlt es nicht an Sinn für menschenfreundliche Handlungen, und sie hat einen Theil ihrer Einnahmen zu einem Fonds bestimmt, aus dessen Zinsen Kinder unbemittelter Eltern vorzugsweise.'