Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 475 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226505--23225-3250522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
47^ Tage. Der Adet ist arm geworden und rettet sich in die Romantik des mittelalterlichen Gefolgwesens, um die Prosa seiner dienenden Stellung zu verdecken; das Bürgerthum macht sich unabhängig und das Streben danach liegt in der Sucht der Gegenwart, reich zu werden, begründet. Der reiche Bürger zieht sich vornehm in seine abgeschlossenen, mit Gärten umgebenen Villen zurück und legt damit den Grund zu einer höheren, edleren Häuslichkeit, . die sittigend auf die ganze Race wirkt und sie conservativ erzieht, wobei aber das Opponiren gegen alles dem Bürgerthum Feindliche und seine Macht Hemmende die Hauptsache bildet. Bon diesem Standpunkt aus muß man die neuen Bauten Berlins betrachten, welche ihm jetzt einigermaßen architektonische Schönheit aufgedrückt haben. Das neue kolossale und in gediegener Pracht sich aufthürmende Rathhaus zeugt von dem Reichthum, dem Selbstgefühl und der Bedeutung der fortschrittlichen Berliner Bürgerschaft. Die neue Synagoge ist das Denkmal des großgewordenen Judenthums, welches aus dem Ghetto hervor sich eine sociale Stellung errungen hat, die unsere christlichen Confervativen schon fürchten läßt, ein Leonor Reichenheim könnte gar einmal Cultusminister werden. Die prachtvolle neue Börse steht da zum Zeichen, was heute der Berliner Handels- und Kaufmannsstand bedeutet und aus eigener Kraft zu leisten vermag." — .Schielend ist hier die Bemerkung, die christlichen Conservativen fürchteten, Herr Leonor Reichenheim könnte einmal Cultusminister' werden. Schwerlich fällt dies Jemandem anvers ein, als einem schlechten Spaßmacher. Würde stehen „Finanz- oder Handelsminister", so wäre es ganz am Platze, denn dazu wäre Herr L. R. wohl ganz geeignet, und dies könnten die feudalen Herren fürchten. (Notiz.) In No. 25 d. A. Z. d. I. führen Sie, Herr Redacteur, aus Sprenger's „Leben und Lehre des Mohammed", einige Bemerkungen über das Leben in der Wüste an. Es wird die herrliche Wirkung gerühmt, welche die Luft der Wüsten auf die geistige Stimmung des Menschen, ja selbst auf seine moralische Kraft übt. Dies erinnert mich, daß der Midrasch diese Wirkung ebenfalls anerkennt und im Leben Moses' hervorhebt. — In einer Gastpredigt: „Die Bedingungen des geistigen Lebens," die ich am 13. Aug. 1859 im Andachtssaäle zu Frankfurt a. M. hielt, habe ich die bezügliche Stelle, wie folgt, zu erklären gesucht: „Niederem Dienste geweiht, hütet er (MoseS) die Heerden Jethro'S, er, der bestimmt ist, der Hirt eines großen Volkes zu werden und es mit den Schätzen der' Gotterkenntniß zu laben. Dock ihn umgiöbt die gewaltige Natur der Wüste; und diese Doppelsphäre, in der er sich bewegt, die demüthige Beschäftigung deS Hirten und die großen Naturscenen über seinem Haupte, reifen seinen Geist zu jener stillen Größe, die den künftigen Propheten und Feldherrn auszeichnen soll. ,-m?an p ndiNDi maba, -man va nbna baara .•-man p tna ^aaa> ,-man v? V9 ,-man “ja -i»a Jalkut schimeoni cap. 169. „Von der Wüste borgte Moses seine nachmalige Größe. Der Gedanke des Königthums und des Priesterthums gehören der Wüste an. Der Brunnen, das Manna, die Wolken, die Israels Zug begleiteten, es waren Züge aus jenem großen Naturgemälde, welches die Seele erweitert und die Willenskraft stählt." Manchester. H. Zirndorf. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Heidelberg, 15. Juni.' (Privatmitth.) Nach der vor Kurzem vorgenommenen Volkszählung beläuft sich die Zahl der Israeliten im Großherzogthum Baden auf 25,234. In Würtemberg befinden sich c. 12000 und in der baierischen Pfalz , gegen 15000-Israeliten. Hechingen, im Juli. (Erwiderung.) Der Artikel in No. 27, welcher die Verbesserung unseres Gottesdienstes bespricht, erfordert einige Berichtigung. „Es ist richtig und wahr, daß sich im Sommer vorigen Jahres ein Chor-Verein gebildet hat, dessen ausgezeichnete Leistungen allseitig die verdiente Auerv kennung finden. Richtig ist auch, daß der Vorstand V des Vereins das Ansuchen stellte, ein „Harmonium"' in der Synagoge aufstellen zu lassen. v . Die Majorität des Vorstandes der Gemeinde hat aber im Laufe des Jahres die Wahrnehmung gemacht, daß die Leiter des Chor-Vereins mit ihren verschiedenen Elementen zu weit gehen, daß sie unter dem Deckmantel der Verbesserung und Verschönerung die Abschaffung vieler der schönsten Gebete, das Ausfallen des t