Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 31 (1.8.1865) · p. Seite 474

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 31 (1.8.1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226505--23224-3250521
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

ES-'-' WKG r#: *$?■> Schrift, muß nach' ihremnatürlichen Wortsinne gedeutet werden." Als Einleitung giebt er hier einen Ueberblick . über die Nichtbeachtung dieser Regel bei den alleg orisirenden Alexandrinern und den sklavischen Wortdeutern, den Sadducäern und Karäern. Beide Richtungen kennzeich- ' net der Talmud in dem Satze: irmsb pnöD Vs t|Di73m 2c. Wir sind höchst begierig, wie Weiß diese Regel bei der halachischen Exegese zur Geltung bringen wird. — Friedmann, der Herausgeber der 8ikrs, hat einen eben so lehrreichen Artikel begonnen: die Charakteristik und Lehrmethode der alten Talmudlehrer. Auf eine befremdende Weise erklärt er in einer Note Kabbala von dem aramäischen drVsp finster. (Wir haben diese Erklärung nicht im Or-Serua gefunden, wie es F. vermuthet). Ebenso unnatürlich ist uns auch die Hebersetzung von dieZu sa mmenkunft inJabne, und wenn das nur zweimal im Talmud vorkommende Zeitwort Lerew nach Raschi's Leseart auch die Bedeutung „sammeln" 'V hat, so ist die Leseart von R. Hai und Aruch 1W22-1 'V „auflegen, pressen" dem Sinne entsprechender. Luzzatto theilt ein Religionsschriftchen mit, in dem er in den zwei ersten §§. dem , patriarchalischen Zeitalter nicht nur die volle Kenntniß des reinen Gottesbegriffs, der Prophetie und Angelologie vindicirt, sondern auch die Kenntniß von der Lehre der Unsterblichkeit Dnd der körperlichen Auferstehung. R. Oppenheim sucht, durch Erklärungen einiger.Stellen in dem Pseudo-Jonathan die nicht neue Ansicht zu begründen, daß der Targumist aus den verschiedenen, in der talmudischen Zeit, schon kursirenden syrischen und aramäischen Uebersetzungen geschöpft habe, woher es komme, daß sich zuweilen zu einer Stelle zwei verschiedene Uebersetzungen im Ps.-Jonathan befinden. Die Ansicht, daß solche Stellen spatere Zusätze sind, kann durch den Verfasser nicht entkräftet werden und nur durch eine genaue Vergleichung unserer Ausgaben, die unter sich wenig, aber mit den Citaten im Aruch oft divergiren, werden wir im Stande sein können, ein sicheres Urtheil zu gewinnen. — Außer mehreren, mitunter sehr geistreichen Notizen von Schmidt, Brill, Reifmann und Lauterbach wird noch die Vorrede von Abn-Esra aus der zweiten Version seines Pentat.-Komm. näch dev Goldberg'schen Abschrift aus der Oxforder Handschrift, aber durch Schreib- und Druckfehler sehr entstellt, mitgetheilt. Höchst auffallend ist die Bemerkung in Note 10, wo der Verfasser in p^« nicht ‘ptö fand. Das corrupte Vnns hat Geiger richtig in brr ms Num, 34, 28 corrigirt. Weiß hat auch noch das Gutachten des Wiener Rabbinats über die Canonicität des Talmuds mitgetheilt, ferner Referate über Jellinek's Predigten, über Herzfeld's „Metrologische Voruntersuchungen" rc., wo er auch dessen Erklärung von Garmude berichtigt und zum Schluffe eine klassische Humoreske über das berüchtigte beb Ibri. . Das Belehrende und Gediegene wird in dieser Monatsschrift in solcher Mannigfaltigkeit gegeben, daß wohl Jeder etwas für seine Geisteskraft finden wird, und die Arbeitskräfte, die dem Herausgeber zur Seite stehen, berechtigen zu der Erwartung, daß das Material nie seinen werthvollen Gehalt verlieren werde. Möge daher auch dieselbe sich der Verbreitung erfreuen können, die sie mit Recht verdient. Khm. Zerstreute Bemerkungen. Unter der Aufschrift „Bilder aus Neu-Berlin" bringt die „Europa" einen intereffanten Aufsatz, von welchem wir den Anfang hierherstellen, indem wir auf die Schlußsätze aufmerksam machen. Er lautet: „Nicht nur ein neues Wien, ein neues Paris, es giebt auch ein neues Berlin, das der nachmärzlichen Zeit, die „Stadt des großgewordenen Bürgerthums", um einen uns ungemein treffend scheinenden Ausdruck zu gebrauchen, welchen wir dem amüsanten Buche von Eduard Schmidt-Weißenfels: „die Stadt der Intelligenz" .(BerZlin, Seehagen) entlehnen. In der That, das großgewordene Bürgerthum hat die Physiognomie und den Charakter des neuen Berlin bestimmt) es brauchte Platz, viel mehr, als sonst die Grafen und Barone brauchten, und führte so eine neue Aera der Baukunst über die preußische Residenz herauf. Es gründete Prachtstraßen, wie die Victoria- und Thiergartenstraße. Die neuen Viertel, welche entstanden, kennzeichnen sich durch dies gediegenere und wohlhabende, von Friedrich Wilhelm IV. zu geschmackvolleren Ansichten geführte Bürgerthum, welches sich aller Orten kostbare Paläste und Villen erbaut hat. Ein .schöner Wetteifer brach hervor, mit dem edleren, reicheren Aeußern der Häuser ein elegantes und comfortables Innere zu verbinden«. Hunderte solcher Prachtbauten stehen heut in den neuen Vorstädten Berlins, im Innern der Stadt selbst, und sprechen von der Bedeutung des Bürgerthums unserer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.