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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 31 (1.8.1865) · p. Seite 471

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 31 (1.8.1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 471 (sequence 3)
Language
German
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und ihn sowohl durch jährliche Versammlungen, als durch eine bestimmte Bereinsorganisation anzustreben dachten, hielten wir dafür, daß die letztere nach den natürlichen Momenten dieses ganzen Gebietes in verschiedene Abteilungen zu bringen, und für jede derselben gleich die besonderen Ziele, wie sie im Bedürfnisse liegen, aufzustellen seien, und zwar: . ' 1) Abtheilung für Literatur un d Wissenschaft des Judenthums. Besondere Ziele: Förderung literarischer Institute und Unternehmungen; Gründung jüdisch-theologischer Lehrstühle und Lehrerbildungsanstalten. . 2) für das Schulwesen. Besondere Ziele: Förderung des Schulwesens; Stellung der Schule und Lehrer; Unterstützungsanstalten für Lehrer und ihre Angehörigen; Waisenanstalten. 3) für das Gemeindewesen. Besondere Ziele: Gemeindeorganisation; Verbände unter den Gemeinden; Wohlthätigkeitsanstalten. 4) für das Cultuswesen. Besondere Ziele: Hebung und Fortbildung des Gottesdienstes; Klärung und Fortbildung der Lehre; Festigung der Glaubenstreue; Verbreitung richtiger Ansichten über Judenthum. 5) für die allgemeine Stellungdes Judenthums und seiner Bekenner in Staat und Gesellschaft. Besondere Ziele: -Abwehr von Angriffen in Wort, Schrift und That; Förderung der bürgerlichen Gleichstellung; Förderung des sittlichen und bürgerlichen Lebens unter den Juden. Zum Behufe dieser Organisation sollte von den jährlichen Versammlungen ein Vorstand und für jede der obigen Abtheilungen eine Commission erwählt werden, von denen jährlich die Hälfte ihrer Mitglieder ausfcheiden und ersetzt werden, die andere verbleiben sollte, um hierdurch die Continuität der Arbeiten zu erhalten. Hierdurch sollte es ermöglicht werden , die tüchtigsten Kräfte in ausgedehntem Maße, besonders auch Fachmänner in den einzelnen Zweigen für den Verein thätig zu machen, ohne daß jedoch hinwiederum der Einzelne allzu sehr in Anspruch genommen wurde. Es empfiehlt sich dies auch von einer andern Seite. Bei der eigenthümlichen Beschaffenheit deutschen Vaterlandes sindet sich kein Ort in demselben, in welchem eine größere Anzahl von bedeutenden Männern unseres Glaubens vereinigt wären, um für solche, allgemeine Zwecks persönlich vereinigt zu wirken. Dadurch nun, daß sich die Arbeiten des Vereins nicht in den Händen eines einzelnen Comitü's befänden, sondern auf mehrere Commissionen vertheilt wären, könnten diese in den verschiedenen Theilen Deutschlands oder selbst des Auslandes so bestehen, daß sich die Mitglieder einer Commission ziemlich in einem engern Kreise befänden. Jedenfalls war hierdurch die Gelegenheit gegeben, für vielfache Zielpunkte von mannichfaltiger Seite aus zu arbeiten. Jedenfalls mußte hierbei den gewählten Commissionen noch die Freiheit gewährt werden, sich, soweit es irgend Bedürfniß, noch weitere Kräfte durch Selbstwahl zu cooptiren. Im Ganzen war dadurch der Weg gebahnt, die weithin zersplitterten Kräfte unter den Juden zur Vereinigung und Verbindung zu -bringen. Von der andern Seite kann bei solcher Organisation die Furcht vor hierarchischen oder bureaukratischen Mißständen nichtMfkommen. Die Wahlen gingen aus den jährlichen Versammlungen hervor, so daß ein wohlthätiger Wechsel immerfort ermöglicht blieb; das Hauptcomitü und die Commissionen standen in einer gegen- und wechselseitigen Abhängigkeit. Ueberall konnte nur eine freie Autorität sich geltend machen, da von innen und nach außen stets nur sittliche Motive vorwalten konnten, nirgends auch nur ein Gedanke von Zwang zum Vorschein zu kommen vermochte. — Wir stellten uns daher auch vor, daß, wenn der Verein mit diesen Organen eine Zeitlang in Thätigkeit sein würde, Gemeinden wie Private ihre Angelegenheiten oft genug an denselben bringen, Anfragen an ihn richten und Gutachten von ihm fordern würden. .Hierfür würde nicht minder die Thätigkeit des Vorstandes und der Commissionen in Anspruch genommen sein. Hingegen sollte für die Zwecke des Vereins nach Bedürfniß die Mitwirkung aller Vereinsmitglieder beansprucht werden, doch so, daß die Uebernahme derselben seitens der Mitglieder stets eine freiwillige bleibe, zu der im Voraus Niemand verpflichtet sei. Dies war das Bild, welches wir uns von vorn herein von dem Vereine entworfen, und wir gestehen, daß wir uns noch heute von demselben nicht trennen können. Auch wir. wissen, daß ein so umfassender Gedanke nicht mit einem Male sich verwirklichen lasse, sondern erst allmählig lebendig werden und zur Ausführung kommen könne. Aber es kommt doch darauf an, daß die Idee vorhanden und die Wege eröffnet werden, auf denen sie sich herausbilden kann. Wenn es die Devise unserer Zeit ist: nur durch Vereinigung kann Großes geschafft werden, so möchten wir umgekehrt sagen: eine Vereinigung kann in unserer Zeit nur für Großes geschaffen werden; allgemein gehaltene, oder wiederum

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