Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 470 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fprechungen und Erörterungen am Platze sind. Wie gesagt, es gilt hier keine grundsätzlichen Controverfenp wohl aber Differenzen, die sich am füglichsien durch offenmüthige Verhandlungen zur Ausgleichung bringen lassen. Der Eine sagt: der Verein ist ein Werdendes; wir müssen ihn von Stufe zu Stufe sich entwickeln lassen; er muß sich aus sich selbst entfalten und nach Bedürfniß ausdehnen. Der Andere sagt: selbst schon das Werdende muß, wie es in der Natur immer ist, das Schema seiner Organisation mit sich bringen, den ganzen Gedanken seiner Schöpfung und*die Anfänge seiner Organe in sich tragen. Wie dem auch sei, ob es angemessener gewesen, sich anfangs mit dem Ausdruck des allgemeinen Gedankens zu begnügen, oder gleich mit einem vollständigen Plane hervorzutreten, der jedoch selbstverständlich der nächsten Versammlung zur definitiven Beschlußnahme Vorbehalten werden mußte — wie dem auch sei, jetzt muß der Verein, sobald er nur eine Anzahl Mitglieder erworben, aus dem Stadium der Allgemeinheit herauskommen. Schon die Versammlung in Frankfurt machte in den von ihr angenommenen Paragraphen einige Schritte hierzu, aber wie man leicht sieht, nur wenige und darum ungenügende. Sie spezialisiren den Zweck als „Erhaltung und Verbreitung des jüdischen Wissens, Vertretung desselben durch höhere Lehranstalten, Verbreitung richtiger Ansichten über das Äudenthum, und Abwehr gegen Angriffe." Es ist dies Etwas, und weil es dies ist, fragt man um so mehr, auf welche Weise dies geschehen solle. Sie geben. ferner als ein wesentliches Mittel die Versammlungen an, die wechselnd an verschiedenen Orten abgehalten .werden sollen, und vindiciren diesen: Berathungen über -Fragen aus dem Schulwesen, Cultuswesen, Gemeindewesen. Man sieht, auch hier ist bereits Spezielles eingeschoben, das sich immer weiter ausdehnt, ohne daß man ein fügliches Resultat ersieht. Wir gestehen offen, daß, sollen diese jährlichen Versammlungen der eigentliche Inhalt und das wesentliche Organ des Vereins sein, wir nicht einsehen, wozu dann der Verein soll? Eine jede Versammlung würde Ort und Zeit der folgenden und ein, in dem designirten Orte befindliches Eomitü wählen. Ein Verein weiterhin wäre ganz überflüssig. Will man also außer ,den Versammlungen einen Verein, d. h. sollen die Versammlungen nur eines der Organe des Vereines bilden, die Thätigkeit des Vereines auch über diese hinausreichen , "so versteht es sich von selbst, daß auch noch ganz andere Organe des Vereins bestehen müssen. Wir verkennen btfc Wichtigkeit solcher wandernden Versammlungen durchaus nicht. Sie wirken sehr anregend, namentlich für den jeweiligen Kreis, in welchem sie gerade stattfinden. Einer dauernden factischen Thätigkeit, einer Verwirklichung bestimmter Zwecke halten wir sie aber ' nicht für fähig. Es hat sich dies selbst bei den ähnlichen Versammlungen herausgestellt, welche ein bestimmtes, abgegrenztes Gebiet, wie die der Naturforscher, der Philologen, Apotheker u. s. w., haben, die doch nm aus Fachgenossen bestehen; um so weniger kann man dergleichen von unfern Versammlungen erhoffen, an denen sich Männer aus allen Schichten, aber wie vorauszusetzen, nur aus dem nächsten Umkreise des jedesmaligen Ortes, betheiligen werden. Denn auch, das können wir nicht einmal voraussehen, daß in jeder dieser Versammlungen eine gewisse Anzahl derselben Fachmänner oder hervorragende Mitglieder gegenwärtig sein werden, weil die wenigsten von diesen Zeit und Mittel besitzen, um Reisen nach weiteren Entfernungen zu unternehmen. Die bei weitem größte Mehrzahl der Anwesenden wird also jedesmal eine ganz andere sein , wie bei der früheren; die Fragen, die auf der vorhergehenden gestellt wurden, werden also vor eine ganz andere, aus völlig verschiedenen Bestandtheilen zusammengesetzte gebracht, und ihre Erledigung so durch die Verschiedenheit der letzteren bedingt sein. So unentbehrlich und wichtig also auch die jährlichen Versammlungen sind, so können sie doch keinenfalls den ganzen Verein ausfüllen, oder auch nur als dessen Hauptträger und Hauptorgan gelten. Wir gestatten »uns daher auf dieses Programm zurückzukommen , welches wir der Versammlung in Frankfurt vörgelegt hatten, und von welchem nur einiges Wenige in die angenommenen Paragraphen, überging. Wir bemerken nochmals, daß wir es weder der Commission noch der Versammlung selbst verübeln, es nicht in nähere Berathung over gar zur Beschlußnahme erhoben zu haben. Bei dem Mangel an aller Vorbereitung, wie er der Sache nach stattsinden mußte, und bei der kurzen Dauer der Versammlung konnte ein solches Verlangen gar nicht gestellt werden. Jetzt aber, wo an die weitere Entwickelung gedacht werden muß, scheint es uns thunlich, die Hauptgedanken desselben hier wiederzugeben. Indem wir uns den Zweck des Vereins als die „allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums" umfassend,